In Verbindung mit dem Internet ergeben sich für Museen, Archive und Bibliotheken neue Möglichkeiten, aber auch Herausforderungen. Eine Studie gibt einen Überblick über die Umsetzung von Open Data und Crowdsourcing bei Schweizer Gedächtnisinsitutionen.

Seit dem Aufkommen des Internets sind im Bereich der Gedächtnisinstitutionen (Museen, Archive, Bibliotheken) Veränderungsprozesse im Gange, die sich in sukzessiven Trends manifestieren. Dazu gehören beispielsweise die systematische Digitalisierung von Überlieferungsobjekten, die stärkere Vernetzung zwischen den Organisationen, die Ko-Produktion von Inhalten durch Nutzerinnen und Nutzer sowie die freie Verfügbarmachung von Daten und Inhalten im Internet. Nachfolgend sind die wichtigsten Ergebnisse im Hinblick auf die Umsetzung von Open Data und Crowdsourcing bei Schweizer Gedächtnisinstitutionen aufgeführt.

Gedächtnisinstitutionen im Wandel

Seit Beginn der 2000er Jahre unternehmen die Gedächtnisinstitutionen in Europa koordinierte Anstrengungen, um Überlieferungsobjekte und ihre Metadaten möglichst umfassend zu digitalisieren. Neben einer verstärkten Vernetzung unter den Institutionen zwecks Know-How-Austausch und Vermeidung von Doppelspurigkeiten entstehen in der Folge auch „Single-Point-of-Acces“-Angebote in Form von organisationsübergreifenden Katalogsystemen und virtuellen Bibliotheken [1], [2]. In der zweiten Hälfte der 2000er Jahre kommt der mit dem Aufkommen des Social Web einhergehende Trend zu vermehrten Interaktionsmöglichkeiten hinzu. Er manifestiert sich durch neue Formen der Personalisierung sowie durch einen stärkeren Einbezug der Nutzerinnen und Nutzer bzw. Besucherinnen und Besucher im Sinne einer Ko-Produktion. Zugleich rückt mit dem Aufstieg von Wikipedia, Flickr und ähnlichen Community-basierten Angeboten auch das kollaborative Erstellen und Zusammentragen von Inhalten im Internet vermehrt ins Zentrum der Aufmerksamkeit. Es kommt zur Zusammenarbeit zwischen Gedächtnisinstitutionen und Online-Communities sowie zur Lancierung von eigenständigen Crowdsourcing-Projekten durch einzelne Institutionen [3]-[5].

Die Wikipedia-Community, wie auch Flickr, entdecken ihrerseits die Gedächtnisinstitutionen als wichtige Partner und suchen seit einigen Jahren aktiv die Zusammenarbeit. Ab 2009 breitet sich ausgehend von den Vereinigten Staaten und Grossbritannien zudem die „Open Government Data“-Bewegung aus und erfasst binnen kürzester Zeit rund 50 Staaten weltweit. Ihre Forderung: Daten der öffentlichen Hand sollen in maschinenlesbarer Form für die Nutzung durch Dritte frei verfügbar gemacht werden. Neben einer staatspolitischen Vision von mehr Transparenz, Partizipation und Zusammenarbeit wird die „Open Government Data“-Bewegung auch von einer technisch-ökonomischen Vision getrieben: Durch die Verlinkung möglichst vieler „offener“ Datensätze soll das sogenannte „Semantische Web“ entstehen. Die Daten von Behörden und allenfalls auch Privatunternehmen werden damit zur frei zugänglichen Infrastrukturressource, die Dritten als Grundlage für Mehrwertdienste dient: für die Veredelung der Daten, zur Herstellung und Visualisierung von neuartigen Verknüpfungen von Daten und für andere datenbasierte Dienstleistungen. Die Verwendung von standardisierten „freien“ Urheberrechtslizenzen, welche die Veränderung und Weiterverbreitung der Werke auch für kommerzielle Zwecke erlauben, ist dabei zentral, da sie die Transaktionskosten für die Drittnutzung von Werken merklich reduzieren [6], [7].

Treibende Kräfte und Herausforderungen

Forschungsarbeiten zu Open Data unter Gedächtnisinstitutionen sind noch relativ spärlich; die bisherigen qualitativen Untersuchungen [8]-[11] lassen auf folgende treibende Kräfte und Herausforderungen schliessen: Einer der wichtigsten Gründe für die Öffnung der Daten ist die Tatsache, dass es zum Grundauftrag der meisten Gedächtnisinstitutionen gehört, ihre Bestände einem breiteren Publikum näher zu bringen. Durch die Erleichterung des Zugangs und die Nutzung zusätzlicher Kommunikationskanäle werden oftmals auch die Visibilität und die Relevanz der Institution in den Augen der Öffentlichkeit erhöht und es werden neue Nutzerinnen und Nutzer angezogen. Des Weiteren ergeben sich durch die Öffnung der Daten neue Möglichkeiten, die eigenen Daten mit Daten von Dritten zu verknüpfen und anzureichern. Zudem wird von positiven Auswirkungen auf die Kundenzufriedenheit und die Mitarbeitendenzufriedenheit berichtet.

Zu den Herausforderungen zählen der Kontrollverlust seitens der Institutionen, sowie die Angst, dass Daten und Inhalte missbräuchlich verwendet werden oder nicht korrekt dem Urheber bzw. der Institution zugeschrieben werden. Des Weiteren fürchten Gedächtnisinstitutionen Einnahmeausfälle, wobei häufig nicht das Wegbrechen bestehender Einnahmen im Vordergrund steht, sondern die Angst, dass jemand anders mit den Daten Geld verdienen könnte, ohne dass man selber daran mitverdient. Gewisse Institutionen nennen auch rechtliche Risiken als Hinderungsgründe, z.B. im Zusammenhang mit dem Schutz der Privatsphäre. Viele Inhalte dürfen zudem aus urheberrechtlichen Gründen oder aufgrund von Schenkungsbestimmungen nicht frei verfügbar gemacht werden. Weitere Herausforderungen betreffen die mangelnde Qualität der Metadaten, technische Herausforderungen im Zusammenhang mit der Publikation der Daten sowie der erschwerte Nachweis der Datennutzung, wenn die Daten zur freien Weiternutzung bereitgestellt werden.

Die Beweggründe, weshalb sich Institutionen für Crowdsourcing-Ansätze entscheiden, wurden mit Ausnahme einer Fallstudie zur Australischen Nationalbibliothek [12] bis anhin noch kaum untersucht. Es gibt aber eine Reihe von Inventaren von Crowdsourcing-Projekten im Kultursektor [13]-[18]. Auf der Grundlage solcher Inventare haben verschiedene Autoren Typologien entwickelt, so auch Oomen und Aroyo, welche je nach Fokus der Aufgabenstellung folgende Typen von Crowdsourcing-Ansätzen unterscheiden: Korrekturtätigkeiten, Klassifikation, Kontextualisierung, Co-Kuratierung, Ergänzung von Sammlungen sowie Crowdfunding [16]. Als typische Herausforderungen von Crowdsourcing werden die Motivation von Benutzern zur aktiven Beteiligung und die Förderung von qualitativ hochstehenden Beiträgen genannt [16] sowie die Tatsache, dass sich Institutionen nicht gewöhnt sind, gemeinsame Community-Ziele zu definieren und darauf hinzuarbeiten [14].

Stand Ende 2012 in der Schweiz

Um aufzuzeigen, wo die Schweizer Gedächtnisinstitutionen aktuell in Bezug auf Open Data / Open Content und Crowdsourcing stehen, wie sie die Chancen und Risiken dieser Trends einschätzen und worin sie ihren potentiellen Nutzen sehen, hat die Berner Fachhochschule Ende 2012 eine Pilotbefragung durchgeführt. Zur Teilnahme aufgefordert wurden rund 200 Deutschschweizer Gedächtnisinstitutionen von nationaler Bedeutung, von denen 72 den Fragebogen vollständig ausgefüllt haben.

 
Abbildung 1: Opportunität von Open Data (Chancen versus Risiken).

Aus den Ergebnissen geht hervor, dass erst einzelne Institutionen einen Open Data-Ansatz verfolgen. Es gibt allerdings Anzeichen, dass etliche Institutionen in der näheren Zukunft Daten offen verfügbar machen werden: Eine Mehrheit der befragten Institutionen hält Open Data nämlich für wichtig und ist der Ansicht, dass die Chancen grösser sind als die Risiken (siehe Abbildung 1). Es gilt allerdings noch eine Reihe von Hindernissen zu überwinden. Dazu zählen insbesondere die Vorbehalte der Institutionen gegenüber der „freien“ Lizenzierung von Inhalten sowie ihre Angst vor Kontrollverlust. Im Hinblick auf den breiten Einsatz von Crowdsourcing ist hingegen kein Durchbruch in Sicht: Während rund 10% der befragten Institutionen bereits mit Crowdsourcing-Ansätzen experimentieren, ist die Mehrheit der Institutionen bezüglich des Nutzens von Crowdsourcing skeptisch (siehe Abbildung 2). Die im Vergleich zu Open Data unterschiedliche Verbreitungs-Dynamik von Crowdsourcing dürfte darauf zurückzuführen sein, dass die erfolgreiche Umsetzung eines Crowdsourcing-Projekts als komplexere Aufgabe wahrgenommen wird als die simple Publikation von Daten, dass die Vorteile von Crowdsourcing aus Sicht der Institutionen nicht auf der Hand liegen und dass der erfolgreiche Einsatz von Crowdsourcing bei vielen Organisationen einen grundlegenden kulturellen Wandel voraussetzt.

 
Abbildung 2: Opportunität von Crowdsourcing (Chancen versus Risiken).

Die Ergebnisse der Studie legen nahe, dass die Umsetzung von Open Data im Bereich der Gedächtnisinstitutionen vor allem dem Bildungs- und Forschungsbereich sowie Privatpersonen (der allgemeinen Öffentlichkeit) zugutekommt. Darüber hinaus kann davon ausgegangen werden, dass offene Daten die Zusammenarbeit über Institutionsgrenzen hinweg erleichtern und die Visibilität der Institutionen und ihrer Sammlungen erhöhen. Überdies kann die Öffnung der Daten die Umsetzung von Linked Data sowie von Crowdsourcing-Ansätzen erleichtern. Dem Nutzen stehen allerdings auch Kosten gegenüber. So stellen denn auch der zusätzliche Arbeitsaufwand und die zusätzlichen Kosten mit Blick auf die Umsetzung von Open Data und Crowdsourcing für die Schweizer Gedächtnisinstitutionen die grösste Herausforderung dar. Der potentielle Verlust von Einkünften infolge der freien Lizenzierung von Daten und Inhalten spielt für die befragten Institutionen hingegen kaum eine Rolle.

Fazit und Ausblick

Die quantitative Erhebung ist eine wertvolle Ergänzung zu früheren qualitativen Studien. Die gewonnenen Erkenntnisse decken sich weitgehend mit jenen aus früheren Studien in anderen Ländern, mit dem Unterschied, dass für die befragten Schweizer Institutionen der potentielle Verlust von Einkünften im Zusammenhang mit der Öffnung der Datenbestände kaum eine Rolle spielt. Des Weiteren ist anhand der Umfrage klar zutage getreten, dass es bezüglich der „freien“ Lizenzierung von Daten und Inhalten noch einigen Aufklärungsbedarf gibt. Die Schweizer Pilotbefragung dient aktuell als Vorlage für eine internationale Vergleichsstudie, die es erlaubt, gewisse Analysen noch weiter zu vertiefen und insbesondere auch internationale Vergleiche anzustellen.

Zum Autor:
Beat Estermann ist am E-Government-Institut der Berner Fachhochschule tätig und absolviert am Kompetenzzentrum für Public Management der Universität Bern ein Doktoratstudium.

Zur Studie:
Die Studie „Schweizer Gedächtnisinstitutionen im Internet-Zeitalter“ ist auf Deutsch und Englisch erhältlich.
Die Studienresultate wurden auch im Journal of Theoretical and Applied Electronic Commerce Research publiziert.

Referenzen

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[3] J. R. Christensen, Four steps in the history of museum technologies and visitors’ digital participation. MedieKultur. Journal of Media and Communication Research, vol. 27, no. 50, pp. 7-29, 2011.
[4] J. Oomen and L. Aroyo, Crowdsourcing in the cultural heritage domain: Opportunities and challenges, in Proceedings 5th International Conference on Communities & Technologies – C&T 2011, Brisbane, Australia, 2011, pp. 138-149.
[5] L. B. Phillips, The temple and the bazaar: Wikipedia as a platform for open authority in museums, Curator: The Museum Journal, vol. 56, no. 2, pp. 219-235, 2013.
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[10] K. Kelly, Images of Works of Art in Museum Collections: The Experience of Open Access A Study of 11 Museums. Washington DC: Council on Library and Information Resources, 2013.
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[12] S. Alam and J. Campbell, Dynamic changes in organizational motivations to crowdsourcing for GLAMs in Proceedings Thirty Fourth International Conference on Information Systems, Milan, 2013, pp. 1-17.
[13] L. Carletti, G. Giannachi, D. Price, and D. McAuley, Digital humanities and crowdsourcing: An exploration, presented at The annual Conference of Museums and the Web 2013, Portland OR, USA, April 17-20, 2013.
[14] R. Holley, Crowdsourcing: how and why should libraries do it?, D-Lib Magazine, vol. 16, no. 3/4, 2010.
[15] Nicholls, M. Pereira and M. Sani, The virtual museum, LEM The Learning Museum, Bologna, Technical Report 1, 2012.
[16] J. Oomen and L. Aroyo, Crowdsourcing in the cultural heritage domain: Opportunities and challenges, in Proceedings 5th International Conference on Communities & Technologies – C&T 2011, Brisbane, Australia, 2011, pp. 138-149.
[17] K. Smith-Yoshimura and C. Schein, Social Metadata for Libraries, Archives and Museums Part 1: Site Reviews. Dublin, Ohio: OCLC Research, 2011.
[18] M. Terras, Digital curiosities: resource creation via amateur digitization, Literary and Linguistic Computing, vol. 25, no. 4, pp. 425-438, 2010.

Frau Prof. Dr. Stephanie Teufel, Direktorin des IIMT (International Institute of Management in Technology) in Fribourg, spricht über den Einsatz von Social Media, Standards und das 4-LIFE-Modell.
Welche Chancen haben Gemeinden und Städte, wenn es um die Verwendung von Social Media geht? Social Media kann  nicht als ein isoliertes Thema betrachtet werden, vielmehr ist es im Kontext der Entwicklungen zu eGovernement bzw. Open Governement zu sehen. Die Gesellschaft verändert sich und ihre Kommunikationseigenschaften, die „Digital Natives“ erobern langsam aber sicher die Welt und die öffentlichen Verwaltungen stehen durch diese Entwicklungen ebenfalls vor einem Umbruch. Der Paradigmenwechsel von «government-to-you» hin zu «government-with-you» muss von den Entscheidungsträgern in den Verwaltungen erkannt, akzeptiert und verinnerlicht werden, um einen bürgerorientierten und bürgerzentrierten Verwaltungsablauf zu gewährleisten. Social Media bietet einen Weg –  unter vielen anderen – um diesen Paradigmenwechsel zu vollziehen. Es ist daher nicht mehr die Frage, ob die Verwendung von Social Media Chancen mit sich bringt, sondern vielmehr wie sie sinnvoll in den neuen Verwaltungsmix eingebaut werden können. Was sind die Risiken und wie schwer wiegen sie? Jede Veränderung bringt auch Risiken mit sich. Wichtig ist dabei, dass die Risiken erkannt und Massnahmen zur Vermeidung bzw. Verminderung getroffen werden. Studien, insbesondere auch unsere eigene, haben gezeigt, dass die grössten Risiken in einer fehlenden Strategie und fehlender Vorgehensweise beim Einsatz von Web 2.0 Technologien liegen. Insbesondere liegen die Risiken nicht nur auf der technischen Seite, sondern auch in schlecht steuerbaren Kommunikationsverläufen, der Notwendigkeit des sehr schnellen Reagierens sowie dem Kontrollverlust über die Selbstdarstellung der eigenen Organisation. Hier spiegelt sich besonders wider, dass der Mensch bei der Einführung von Social Media mitspielen muss und nur eine ganzheitliche Betrachtungsweise und Lösung zum gewünschten Ergebnis führen kann. Ein wichtiger Aspekt in diesem Zusammenhang ist der Aufbau und die Anpassung der bestehenden Organisationskultur an die neuen Anforderungen und Gegebenheiten – eine sog. Social Media Kultur. Hierfür wurden von uns bereits erste Arbeiten geleistet. Wo stehen die Schweizer Gemeinden und Städte in ihrem Umgang mit Social Media? Im Rahmen des Projektes SWING (SWiss INnovation @ eGovernment), welches wir derzeit mit der IBM Schweiz durchführen, wurden dieses Jahr in einer Primärdatenerhebung mehr als 820 Schweizer Behörden und Verwaltungen mittels einer Onlineumfrage befragt. Der Rücklauf lag bei rund 13%. Der Grossteil der befragten Behörden bietet klassische eGovernment-Dienstleistungen auf ihren Websites an. Eine Erweiterung des Angebots hin zu Web-2.0-Technologien wie beispielsweise Social Media ist lediglich bei einem geringen Prozentsatz der Antworten zu finden, obwohl die befragten Verwaltungen mehrheitlich einen Nutzen darin sehen. Trotzdem haben mehr als zwei Drittel kein Profil in einem sozialen Netzwerk, wobei die Hälfte dieser Gruppe wiederum kein Web-2.0-Projekt in langfristiger Planung hat. Auch in dieser Umfrage zeigte sich, dass derzeit die verschiedenen Themen rund um eGovernement noch isoliert betrachtet werden – aber erst eine ganzheitliche Betrachtung, wie sie auch im «government-with-you»-Ansatz propagiert wird, bringt Synergieeffekte. Sie sprechen von einem Paradigmenwechsel in der Kommunikation zwischen Bürgern und Verwaltungsstellen. Wie lässt sich dieser erkennen? Welches sind die Ursachen dafür und welche Rolle spielt die öffentliche Verwaltung? Durch das Internet hat in den vergangenen Jahren ein enormer Wandel in der Gesellschaft stattgefunden, dies insbesondere und gerade auch im Hinblick auf die Art und Weise der Kommunikation zwischen den Teilnehmenden. Als Teilnehmende sind hier die einzelnen Bürger und Bürgerinnen gemeint, aber natürlich auch Industrie, Handel und Dienstleistung sowie die öffentliche Verwaltung, Verbände und Politik. Die heute verfügbaren Internet-Plattformen, wie beispielsweise Microblogging-Tools, Networking Tools, Wikis, Clouds und Web-Services, Video-Portale, RSS-Feeds, etc., erlauben die Verwirklichung des sogenannten dritten Internet-Paradigmas: Many-to-many Communication. Damit wandelt sich der Internet-Nutzer vom reinen Informationskonsumenten zum aktiven Internet-Teilnehmer, der sowohl als Informationslieferant als auch als Informationskonsument agiert. Alvin Toffler hat hierfür bereits in den 80er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts den Begriff Prosumer geprägt. Diese Entwicklung führt auch in der öffentlichen Verwaltung zu dem bereits angesprochenen Paradigmenwechsel. Um diesen Paradigmenwechsel vollziehen zu können, müssen vor allem die inner- und zwischenbehördlichen Strukturen angepasst bzw. geschaffen werden (Transparenz der Verwaltungsprozesse) sowie die Partizipation und Kollaboration aller Anspruchsgruppen bei Verwaltungsprozessen ermöglicht werden. Welches sind Ihre Empfehlungen für Gemeinden und Städte, die eine Social Media Strategie in Betracht ziehen? Welchen Beitrag leistet das 4 LIFE Modell? Wie ich bereits gesagt habe, ist es nicht sinnvoll, die Strategie für Social Media singulär zu betrachten. Vielmehr ist es notwendig einen ganzheitlichen Ansatz zu wählen. Das Dienstleistungsportfolio der Gemeinden und Städte bedarf einer zielgerichteten und passgenauen Ausrichtung auf die Bedürfnisse des jeweiligen Bürgertypus und bedingt somit für die Verwaltungen eine effiziente Ressourcenallokation und Kosteneinsparungen. Jedoch sollten die wirtschaftlichen Faktoren und Kostengründe nicht die Hauptmotivatoren sein. Vielmehr muss dies als Nebeneffekt einer bürgerzentrierten Verwaltung angesehen werden, welche den Bürger als gleichberechtigt betrachtet und einen gegenseitigen Informations- und Wissenstransfer zulässt. Die Untermauerung des Dienstleistungsportfolios der Gemeinden und Städte mittels Technologien ist erst der letzte Schritt in der Kette. Um einen solchen ganzheitlichen Ansatz verfolgen zu können, haben wir im SWING-Projekt das 4-LIFE-Modell entwickelt. Mit Hilfe dieses Modells kann ein passgenaues Angebot zur jeweiligen Befriedigung der Bedürfnisse der Dienstleistungsempfängerinnen und -empfänger durch eine auf Zielgruppen ausgerichtete Portalgestaltung (Lebenslagenprinzip basierend auf dem eCH-0049-Standard) und die Zuschaltung von unterstützenden Web-2.0-Technologien in den Prozess erstellt werden. Dabei ist das Modell nicht technologiegetrieben, d.h. dass auf der sogenannten Tools-Ebene entsprechende Applikationen problemlos integriert und/oder ausgetauscht werden können. Gibt es im Umgang mit Social Media bereits exemplarische Vorbilder bzw. Best Practice Beispiele? Ja, die gibt es – ich möchte hier nur auf die im November dieses Jahres statt gefundene Social Media Tagung des Schweizerischen Städteverbandes in Solothurn hinweisen. Auch sei auf den eCH-0049 Standard des Vereins eCH hingewiesen, der insbesondere Richtlinien für das Lebenslagenprinzip erarbeitet hat. Für den Aspekt Social Media Kultur befinden wir uns noch im Anfängerstadium. Hier wurden im Rahmen des SWING-Projektes erste Arbeiten durchgeführt, die es nächstes Jahr in der Praxis zu testen gilt.
Wo steht die Schweiz beim Thema Open Government? Eine Situationsanalyse mit Verweis auf aktuelle Projekte im Ausland und der Rückblick auf das 5. Nationale eGovernment-Symposium 2011.
Um den Begriff Open Government kommt man derzeit bei Diskussionen zu Trends im öffentlichen Sektor kaum herum. Gemeint ist damit ganz generell die Öffnung von Regierung und Verwaltung gegenüber der Bevölkerung und der Wirtschaft, und insbesondere dass diese grosse Teile ihrer Daten öffentlich zugänglich machen und dadurch: – Die Transparenz über das eigene Handeln erhöhen – Die Möglichkeiten zur Interaktion mit der Bevölkerung, Unternehmen und weiteren Akteuren verbessern – Die Grundlagen bieten für neue Anwendungsmöglichkeiten und Geschäftsideen mit öffentlichen Daten Zwei Entwicklungen haben Open Government wesentlich gefördert. Zum einen eGovernment als Treiber für mehr Einsatz von Informations- und Kommunikationstechnologie und zum andern das Öffentlichkeitsprinzip, das in den meisten Öffentlichen Verwaltungen in der Schweiz bereits vor etlichen Jahren gesetzlich verankert worden ist. Vorher galt der Grundsatz, dass alle Informationen, welche nicht explizit veröffentlicht werden,  als vertraulich gelten. Mit der Einführung des Öffentlichkeitsprinzips wurde ein Paradigmenwechsel vorgenommen, und neu gelten alle Informationen, die nicht explizit als vertraulich bezeichnet werden, als öffentlich und dürfen auf Anfrage eingesehen werden. Obwohl schon länger in Kraft, ist das Öffentlichkeitsprinzip bis jetzt in der Praxis noch nicht wunschgemäss umgesetzt. Dies haben verschiedene Stichproben klar aufgezeigt. Open Government geht noch einen Schritt weiter als das Öffentlichkeitsprinzip, da hier Daten nicht erst auf Anfrage sondern proaktiv zur Verfügung gestellt werden. Dieser Zugang zu grossen Mengen an Daten aus den unterschiedlichsten Verwaltungsbereichen eröffnet eine Vielzahl von neuen Nutzungsmöglichkeiten. Der wohl wichtigste Vorreiter für diesen Verwaltungskulturwandel ist US-Präsident Barack Obama. Noch am Tage seiner Amtseinführung im Januar 2009 hat er im Memorandum „Transparency and Open Government“ die neuen verwaltungsstrategischen Grundpfeiler seiner Präsidentschaft verkündet. Es überrascht deshalb nicht, dass derzeit noch die meisten Projekte aus dem angelsächsischen Raum stammen. Aktuelle Beispiele Ein interessantes Projekt auf europäischer Ebene ist „Eye on Earth“, welches eine globale Sicht auf Luft- und Wasserqualität sowie interaktive Ratingmöglichkeiten bietet. In der Schweiz gibt es bis jetzt noch vergleichsweise wenig konkrete Projekte und es ist noch zu früh, um abzuschätzen, welche Entwicklung Open Government in der Schweiz nehmen wird.  Das Thema ist jedoch lanciert. Im Mai 2012 wurde anlässlich einer Open Government Veranstaltung im Bundesarchiv ein Manifest zu Open Government Data für die Schweiz verabschiedet. Für die Schweiz mit ihrer stark fragmentierten Verwaltungsstruktur bietet Open Government einen spannenden Ansatz, um organisatorische Barrieren zu überwinden. Doch dem zweifellos grossen Nutzenpotenzial stehen auch neue Herausforderungen gegenüber. Open Government stellt für die Verwaltungen einen Mehraufwand dar, da Daten selektiert, aufbereitet und bereitgestellt werden müssen. Und es werden sich auch bald einmal rechtliche Fragestellungen bezüglich Datenschutz- und Urheberrechtsverletzungen stellen. Es wird sich erst noch zeigen müssen, ob die Nachfrage nach Open Government und insbesondere das Potenzial für nachhaltig kommerziell erfolgreiche Geschäftsideen die zusätzlichen Aufwendungen rechtfertigen. Zunächst einmal müssen aber überhaupt die Voraussetzungen für Open Government verbessert werden. Politische Entscheidträger und die öffentlichen Verwaltungen sind hier gefordert, aber auch innovative Anbieter und potenzielle Kundinnen und Kunden von neuen Angeboten. 5. Nationales eGovernment-Symposium 2011 eGovernment-Verantwortliche aus Gemeinden und Kantonen, der Forschung und Industrie sowie interessierte Parlamentarier und Exekutivmitglieder aller Stufen trafen sich zum jährlichen Gedankenaustausch mit dem Themenschwerpunkt Open Government. Bundesrätin Eveline Widmer-Schlumpf eröffnete vor rund 250 Teilnehmern das fünfte Nationale eGovernment-Symposium. Sie betonte in ihrem Eröffnungsreferat, dass Open Government Data als strategischer Schwerpunkt in der E-Government-Strategie der Schweiz positioniert werden soll. Der Bundesrat unterstütze das Anliegen des Postulates von Nationalrat Christian Wasserfallen und wolle Open Government Data künftig als strategischen Schwerpunkt in der eGovernment-Strategie positionieren, so die Bundesrätin weiter. Neben Keynotes am Vormittag und der Übergabe des „eGovernment-Sonderpreis Schweiz 2011“ standen den Teilnehmern am Nachmittag je drei Fachsessionen zur Auswahl. Mit einem „World Café“-Workshop, organisiert von Studierenden der Berner Fachhochschule, sowie einer online-Teilnehmerumfrage über Wissen und Ansichten zu Open Government haben die Organisatoren dieses Jahr zwei interaktive Elemente in das Symposium eingebracht. Deren Ergebnisse flossen direkt in die Diskussion auf dem abschliessenden Podium ein, auf welchem Nationalrätin Edith Graf-Litscher, Andrej Vckovski (Präsident simsa) und Hanspeter Thür die zukünftigen Kernanliegen zu Open Government diskutierten. Die Podiumsteilnehmer waren sich einig, dass in der Bevölkerung zunächst ein Verständnis für Open Government geschaffen werden muss. Kritische Fragen ergaben sich insbesondere in Bezug auf Regeln und Finanzierung. Nationalrätin Edith Graf-Litscher ist überzeugt, dass Open Government Data als Innovationsprojekt zwar etwas kostet, der volkswirtschaftliche Nutzen jedoch absehbar sei. Ausblick 3. Mai 2012 – erstes Symposium eGovernment Romand in Lausanne 13. November 2012 – sechstes Nationales eGovernment-Symposium in Bern — Zum Autor: Thomas Reitze ist Direktor Public Sector Microsoft Schweiz GmbH und Vorstandsmitglied der SGVW.
Während die Regierungen der USA und der UK Social Media schon rege nutzen, sieht es in der Schweiz in Sachen neue Kommunikationsformen noch schlecht aus. Die Städte St. Gallen und Winterthur wagen erste Schritte… Es geht langsam vorwärts.
Social Media wie Facebook, Twitter oder Youtube entwickeln sich unaufhaltsam zum Mainstream-Phänomen. Im täglichen Kampf um Aufmerksamkeit und Wettbewerbsvorteile werden Offline-Identitäten und -Netzwerke online repliziert, Statusmeldungen aktualisiert und Transaktionen getätigt: von Ricardo bis Parship, von Foursquare bis Wikileaks. Die Exoten sind nicht mehr diejenigen Personen und Organisationen mit einem öffentlichen Onlineprofil, sondern diejenigen ohne einen aussagekräftigen digitalen Spiegel. Jeder dritte Schweizer hat einen Facebook-Account – man kann mich googeln, also bin ich.

Social Media auch in den Behörden

Social Media verändern die Gesellschaft aber nicht nur auf einer individuellen Ebene, sondern beschleunigt gesellschaftliche Prozesse auch auf der Makroebene: Die Obama-Administration stützte ihren Wahlerfolg 2008 zu einem wesentlichen Teil auf einen geschickt geführten Online-Wahlkampf. Die aktuellen Aufstände in der arabischen Welt werden unter anderem mithilfe von Social-Media-Plattformen wie Facebook oder Twitter organisiert. Wikileaks führt zu einer nie dagewesenen Transparenz in Bezug auf Behördeninformationen. Macht und Wissen horizontalisieren sich, Reputationsdynamiken und die Glo­balisierung beschleunigen sich. In diesem Kontext müssen sich auch Gemeinwesen die Frage stellen, wie sie das Internet, das Web und die sozialen Medien zielführend für die interne und externe Kommunikation einset­zen können. Soziale Medien, richtig einge­setzt, ermöglichen aktuelle und nutzerorientierte Informationen, Transparenz, Inklusion, Identifikation und Partizipation. Doch welche Behörden dienen als Benchmark?

Gemäss UN-Index sind die Top-5 E-Government-Staaten Südkorea, USA, Kanada, UK und die Niederlande. Reduziert man die Betrachtung auf den professionellen Einsatz von Social Media, sind es westlich des Atlantiks die Regierung der USA und  östlich die Exekutive der UK, die Social Media gekonnt einsetzen. Das heisst: eine ansprechende Website als Homebase betreiben, diese mit der Integration von ausgewählten Social Media ergänzen und die Accounts regelmässig und kontinuierlich mit aktuellen, relevanten Inhalten füttern, die Interaktion mit anderen Social-Media-Nutzern suchen und zeitnah antworten. Wie überall gilt auch hier: Lieber weniger, dafür richtig.

Das Weisse Haus ist der Musterschüler in Sachen Social-Media-Anwendung. Die Homebase Whitehouse.gov entspricht aktuellen Designstandards und hat eine saubere Informationsarchitektur. Vom Blog bis zum Podcast und Livestream – Information wird in multiple Träger übersetzt und zur Verfügung gestellt. Darüber hinaus integriert die Homebase acht verschiedene Multimedia-Kanäle: Facebook, Twitter, Flickr, Myspace, Youtube, Vimeo, I-Tunes und Linked-In. Alle Accounts sind in einer einheitlichen «Corporate Identity» gehalten. Fast schon selbstverständlich, dass es auch eine White House App für I-Phone und I-Pad gibt. Ein ähnliches Bild ergibt sich im Vereinigten Königreich. Dort dient Number10.gov.uk als digitale Homebase für die Exekutive. Ergänzend werden Facebook, Twitter, Flickr und Youtube verwendet, um die Reichweite der Inhalte zur erhöhen und die Bürger dort zu erreichen, wo sie einen grossen Teil ihres Tages verbringen: Online. Mit Nummer 10 hat auch der Premierminister eine App für das I-Phone und das I-Pad. Auf Data.gov.uk werden ebenfalls statistische Rohdaten zur Verfügung gestellt.

In der Schweiz noch wenig Mustergültiges

Schaut man in die Schweiz, so lassen sich auf allen drei Ebenen – Bund, Kanton und Gemeinde – Bemühungen zur Integration von Social Media erkennen. Diese bauen aber vielmehr auf den Bemühungen einzelner Initianten und Abteilungen auf, als auf koordinierten, integrierten Bemühungen der gesamten Gemeinwesen. Regelmässig Erwähnung finden unter Social-Media-Spezialisten die Städte St. Gallen, Winterthur und Zürich. Ihnen soll hier eine kurze Analyse gewidmet sein.

Die Stadt St. Gallen betreibt seit dem letz­ten Jahr die eigene Plattform Mysg.ch, auf der die Nutzer (und Einwohner der Stadt) selbst Fotos und Videos aufladen und Anlässe bewerben können. Während die Plattform mässig frequentiert und aktiv scheint, ist St. Gallen vorbildlich auf Twitter vertreten: Hier werden nicht nur relevante Informationen gestreut, sondern auch Nachfragen von Bürgern beantwortet. Im «Mobile-Government» führt Winterthur das Feld an: Von den Stadt-News bis zu den Abfallsammelstellen lassen sich die wichtigsten Informationen über eine I-App abrufen. Winterthur setzt aber auch – und das ist in Sachen Kommunikation entscheidender – auf Twitter. Hier wird noch zu viel gesendet und etwas zu wenig interagiert.

Die grösste Stadt der Schweiz, Zürich, verschläft bislang den Social-Media-Trend. Zwar ist Zürich Tourismus mit eigenen Seiten auf Flickr, Facebook und Youtube gut vertreten, aber wenig interaktiv. Zürich selbst präsentiert sich nicht mit einer offiziellen Facebook-Seite, ein Twitter-Account existiert, ist allerdings komplett verwaist. Der erfolgreich mit Social Media-Unterstützung durchgeführte Wettbewerb «eZürich» scheint hier die Theorie einzelner Initianten zu stützen. Lobenswerte Erwähnung gebührt an dieser Stelle noch kleineren Städten wie Lenzburg oder Amriswil, die sich erfolgreich und charmant im Netz positionieren.

Aus Fehlern lernen

Natürlich bietet Social Media nicht nur Chancen, sondern auch Risiken. Das primäre Risiko ist, Social Media als vorübergehenden Hype zu bewerten. Eine kontinuierliche Auseinandersetzung mit den neuen Medien gehört zwingend auf die Traktandenliste ambitionierter Verwaltungen. Nur Übung macht den Meister und der Aufbau von Social-Media-Kompetenz braucht Zeit. Win­terthur, St. Gallen und Zürich haben ihre ersten Schlüsse schon gezogen.

Zum Autor: Gregory Gerhardt, ist Geschäftsführer von Amazee Labs und referiert am 9. März im Rahmen des Swiss eGovernment Forums zum Thema “Umgang mit Social Media in der Verwaltung”.

Quelle: NETZWOCHE 04/2011

Text in Originalversion:

Die Nutzung von sozialen Medien ist in letzter Zeit enorm angestiegen. Soziale Medien finden auch in der öffentlichen Verwaltung grosse Beachtung. Alasdair Mangham berichtet in einem Interview, welches Potenzial dahinter steckt.

Interview mit Alasdair Mangham, Leiter Informationssysteme und Entwicklung, London, Stadtbezirk Camden

Die Nutzung von sozialen Medien ist in letzter Zeit enorm angestiegen. Soziale Medien finden auch in der öffentlichen Verwaltung grosse Beachtung, wenn auch oft aus den falschen Gründen – ein jüngst veröffentlichter Bericht der britischen Gesellschaft für Informationstechnologie Socitm zeigt, dass 90% der staatlichen Stellen den Gebrauch von sozialen Medien für ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter beschränken und sogar 67% diesen untersagen. Die meistgenannten Gründe hierfür waren mangelnde Sicherheit sowie Bedenken, die Angestellten würden Arbeitszeit verschwenden. Interessanterweise weist eine Erhebung der Zeitschrift Computer Weekly darauf hin, dass 80% der privaten Firmen den Zugang für ihre Angestellten nicht blockieren.

Der Londoner Stadtbezirk Camden wählt dagegen einen sehr proaktiven Ansatz bei der Nutzung sozialer Medien. Wie der Leiter der IT Abteilung, Alasdair Mangham sagt: „Wir finden es sehr hilfreich, um mit Bürgerinnen und Bürgern auf eine kostengünstige Weise in Kontakt zu treten. Schlussendlich können wir so hören, was sie wirklich über uns sagen.“

Sind soziale Medien nur ein neuer Medienrummel oder werden sie die Gemeinden umformen?

Alasdair Mangham: In Camden haben soziale Medien die Art, wie wir mit der Öffentlichkeit kommunizieren, komplett verändert. In der Vergangenheit waren unsere Konversationen von der Idee geleitet, dass wir unsere Botschaft nach draussen tragen müssen – entweder durch Broschüren, Flyer und andere papierbasierte Informationsmittel oder aber über unsere Website und Emails. Seit wir soziale Medien nutzen, haben wir einen interaktiven Zugang, d.h. einen mehr oder weniger ständigen Austausch mit den Bürgerinnen und Bürgern, was etwas ganz anderes ist.

Wie nutzen Sie soziale Medien in Camden?

Alasdair Mangham: Wir nutzen soziale Medien auf unterschiedliche Weisen. Zum Beispiel nutzt unsere Beschwerdestelle jetzt Twitter, um herauszufinden, was die Bürgerinnen und Bürger über unsere Arbeit sagen, und gibt Rückmeldung über den Bearbeitungsstand der Beschwerden. Als wir zum Beispiel im Winter sehr viel Schnee hatten, beschwerte sich ein Mann über Twitter, weil ein Park an diesem Tag nicht öffnete. Wir schickten ihm eine Nachricht über Twitter, dass das Personal einiger Parks aufgrund der Witterung nicht zur Arbeit kommen konnte, wir aber bereits an einer Lösung arbeiteten, um die Parks dennoch zu öffnen. Als dann der von ihm angesprochene Park wieder geöffnet war, haben wir ihn darüber via Twitter informiert. Daraufhin hat er seinen Bekannten die Nachricht weitergeleitet und ein Lob für unseren Service, der ihn sehr beeindruckt hat, hinzugefügt. So etwas ist unbezahlbar!

Wir nutzen soziale Medien aber auch um Kampagnen zu lancieren. Zum Beispiel hatten wir letztes Weihnachten eine sehr erfolgreiche „Love Camden“-Kampagne. Mit ihr wollten wir erreichen, dass mehr Leute ihre Weihnachtseinkäufe in Camden machen. Wir haben „Crowdsourcing“ genutzt, um neue Strategien zu finden, wie man die Kampagne am besten umsetzen kann. Auch einige lokale Berühmtheiten unterstützen die Kampagne.

Wo sehen Sie die Grenzen von sozialen Medien?

Alasdair Mangham: Natürlich wird die digitale Kluft nicht durch soziale Medien zu überwinden sein. Heute haben rund 70% der Einwohner von Camden Zugang zu einem Computer – aber natürlich müssen wir mit den übrigen 30% auch Kontakt halten. Eigentlich vergrößern die sozialen Medien sogar noch die neue digitale Kluft, da ihr Gebrauch sehr unregelmässig in der E-Gesellschaft ist. So wissen wir zum Beispiel, dass nicht viele 20–30-Jährige Twitter nutzen, und müssen in eine Mischung aus verschiedenen Medien investieren, um mit den verschiedenen Gruppen zu kommunizieren.

Wie nehmen Ihre Kollegen, die nicht so IT bewandert sind, soziale Medien an?

Alasdair Mangham: Ich war immer sehr offen gegenüber meinen Kollegen bezüglich der Vor- und Nachteile von sozialen Medien. Sie müssen sich bewusst machen, dass in den sozialen Medien viel freier die Meinung gesagt wird und oft auch sehr unangenehme Dinge öffentlich ausgesprochen werden – und deshalb müssen sie im Umgang mit negativem Feedback trainiert sein. Wir einigten uns daher darauf, dass alle Manager zuerst eine Risikoeinschätzung durchlaufen müssen, bei dem sie eine Checkliste abarbeiten, bevor sie in die sozialen Medien eingeführt werden. Die meisten meiner Kollegen sehen den Vorteil in eine bereits stattfindende Konversation einzutreten, als eine neue Benutzergruppe zu gründen oder andere Feedback Formen zu initiieren, welche sehr kostspielig sind und meistens nur die „üblichen Verdächtigen“ ins Boot holen.

Was ist Ihr nächstes Projekt im Bereich der sozialen Medien?

Alasdair Mangham: Unser Kommunikationsteam hat vor kurzem eine Ausschreibung der „Improvement and Development Agency“ (IDeA) gewonnen, um in Zusammenarbeit mit Mietern und Pächtern herauszufinden, wie soziale Medien bei der Prozessoptimierung von Hausreparaturen im sozialen Wohnungsbau eingesetzt werden können. Wir konnten ausserdem kürzlich einen grossen Erfolg bei den Wahlen verbuchen, als wir die Bürgerinnen und Bürger über unsere „Camden Votes“-Website dazu ermunterten, sich für die lokalen Wahlen zu registrieren und sie anschliessend über die Wahlergebnisse auf dem laufenden gehalten haben. Das hat zu viel positivem Feedback unter anderen Nutzern sozialer Medien geführt.

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Interview mit: Alasdair Mangham, Leiter Informationssysteme und Entwicklung, London, Stadtbezirk Camden

Das Interview wurde durchgeführt von: Elke Löffler, Geschäftsführerin, Governance International, Birmingham

Interview in Orginalsprache und -länge:

Open Government, le web 2.0 et les évolutions technologiques reliées influencent de plus en plus la participation citoyenne. L’article montre les possibilités d’eParticipation et de l’approche suisse.
Afin de pouvoir analyser l’eParticipation en Suisse et mettre cela en relation avec l’approche « Open Government », il est au préalable nécessaire de définir ce qui est entendu par participation. Si le taux de participation lors d’une élection ou d’une votation est un indicateur de la participation citoyenne, les manifestations de rue ou les campagnes qui mobilisent des dizaines de milliers d’utilisateurs sur FaceBook en sont aussi des composantes. Il existe par ailleurs de multiples formes de participation, depuis les budgets participatifs jusqu’aux procédures de consultation initiées par le Conseil Fédéral en passant par les négociations avec les habitants pour l’aménagement du territoire. Nous proposons pour ce faire une approche relativement classique de la participation, avec une échelle à cinq niveaux proposée par l’International Association for Public Participation, et adaptée par Tambouris et al. (2007) :
  • E-Informing : mise en ligne d’informations à propos des politiques publiques et des droits des citoyens ;
  • E-Consulting : échanges bidirectionnels où le public peut donner son avis et proposer des alternatives;
  • E-Involving : processus de travail effectués en ligne et de façon suivie afin de garantir que les demandes du public soient prises en considération ;
  • E-Collaborating : les citoyens participent activement à chaque étape des prises de décision, y compris pour l’identification des alternatives et le choix d’une solution ;
  • e-Empowerment : autonomisation des citoyens, où ceux-ci prennent la décision et suivent l’implémentation d’une solution.
Ces niveaux de participation (information, consultation, implication, collaboration et autonomisation) ont l’avantage de faciliter l’analyse des différentes dimensions de l’eParticipation. Cependant ils sont relativement génériques et c’est pourquoi le réseau européen d’excellence DEMO-Net a établi une typologie plus fine, qui se retrouve dans la figure ci-dessous. Cette dernière illustre de façon synthétique les résultats d’une large étude sur l’eParticipation au niveau européen, qui a analysé plus de 250 initiatives dans le domaine (voir par exemple Panopoulou et al. 2009 ou Millard et al. 2009). Source : Millard et al. 2009 Ce diagramme  montre que la vaste majorité des projets dits d’eParticipation relève de mise à disposition d’information ou de discussions en ligne, que ce soit de façon non structurée (c’est-à-dire dans des forums ouverts) ou structurée (un processus clairement défini qui permet d’aboutir à une prise de position). Les initiatives institutionnelles d’eParticipation au niveau européen, telles que la réforme du budget ou OurClimate, ne contredisent pas cette conclusion, puisque les plateformes proposées ne sont guère plus que des forums de discussion. C’est plutôt au niveau des initiatives citoyennes ou privées (campagnes sur FaceBook ou Twitter, utilisation et combinaison d’applications Web 2.0, etc.) que l’innovation se révèle. Il en existe d’innombrables exemples, mais l’un des plus représentatifs est certainement FixMyStreet. Avec une approche combinant géo-référencement, images et mises à jour par email ou flux RSS, ce site permet aux citoyens britanniques de rapporter des problèmes tels que des graffitis, des nids-de-poule ou des réverbères défectueux à leurs autorités locales. FixMyStreet permet également d’assurer le suivi de ces rapports et notamment de ce qui a été réparé. L’objectif de ce rapide tour d’horizon de l’eParticipation en Europe est de pouvoir disposer de points de référence quant à la situation de la Suisse. En effet, nous nous proposons de comparer différentes catégories d’instruments de participation (débats, délibérations, visualisation, prise de décisions, etc.) et de positionner les spécificités liées à la démocratie semi-directe suisse par rapport à nos voisins européens. Certains estiment que les instruments de démocratie directe que sont l’initiative et le référendum assurent la pleine participation citoyenne, et que l’eParticipation ne serait ainsi qu’un transfert vers l’eVoting ou autres eInitiatives, ou même qu’elle n’est pas souhaitable du tout. Nous constatons tout de même que ces possibilités ne constituent qu’une portion des processus de participation numérique, et que les approches portant sur la formulation, la mise en œuvre ou l’évaluation de politiques publiques demeurent quasi-inexistantes en Suisse également. — Zum Autor: Olivier Glassey, Prof, Institut des Hautes Etudes en Administration Publique  (IDHEAP). — Quellenangaben: Millard, J., Nielsen, M. M., Smith, S., Macintosh, A., Dalakiouridou, E., Panopoulou, E., et al. (2010). Study and supply of services on the development of eParticipation in the EU – Final Report. Panopoulou, E., Tambouris, E., & Tarabanis, K. (2009). eParticipation initiatives: How is Europe progressing? European Journal of ePractice, 7, 1-12. Tambouris, E., Liotas, N., & Tarabanis, K. (2007). A Framework for Assessing eParticipation Projects and Tools. In Proceedings of the 40th Hawaii International Conference on System Sciences (pp. 1-10).  
Die modernen Informations- und Kommunikationstechnologien verändern Gesellschaft, Wirtschaft, Politik und Verwaltung fundamental. Diese Entwicklung fordert auch die öffentliche Verwaltung heraus, bietet ihr andererseits aber auch eine große Chance.
Die modernen Informations- und Kommunikationstechnologien verändern Gesellschaft, Wirtschaft, Politik und Verwaltung fundamental. Das Internet lässt keinen Stein auf dem anderen. E-Mails, Internet und Mobilfunk sind integraler Bestandteil unseres Lebens geworden. Immer mehr geschäftliche, soziale und gesellschaftliche Aktivitäten verlagern sich in das Internet. Wie wir leben, arbeiten, uns bilden sowie unsere Freizeit verbringen, hängt inzwischen maßgeblich davon ab. Das Internet wird zu einem eigenständigen Lebens- und Wirtschaftsraum. 1,6 Milliarden Menschen sind weltweit miteinander vernetzt. In fünf Jahren wird eine weitere Milliarde dazukommen. Jeden Tag gehen 200 Milliarden E-Mails rund um den Erdball. Das Internet hat die Globalisierung drastisch beschleunigt. Es sind weltweite Wertschöpfungsketten entstanden. Die Welt rückt immer weiter zusammen und die Grenzen zwischen Online- und Offline-Welt verschwimmen zunehmend. Diese Entwicklung fordert auch die öffentliche Verwaltung heraus, bietet ihr andererseits aber auch eine große Chance. Bund, Länder und Kommunen haben daher bereits damit begonnen, sich zu vernetzen  und Verwaltungsprozesse zu digitalisieren. Auf diese Weise wird die Verwaltung bürgerfreundlicher und effizienter. Das Internet ermöglicht völlig neue Wege der Interaktion zwischen Bürger und Verwaltung. Mitmachen und Teilhaben sind die wesentlichen Aspekte des 21. Jahrhunderts.  Das Internet wird zu einem essentiellen Förderer der aktiven Bürgergesellschaft und internetbasierende Themen zur Agenda vieler politischer Diskussionen. Web 2.0 Das Internet 1.0 war zunächst ein reiner Schaukasten für Informationen. In den letzten Jahren haben sich jedoch die primäre Nutzung und die Wahrnehmung der Internets verändert. Es hat sich verstärkt zu einem Mit-Mach-Internet entwickelt. Über Blogs, Wikis, Twitter usw. ist es einfach und preiswert möglich, Botschaften in die Welt zu versenden, ohne einen Sender oder eine Lizenz zum Senden besitzen zu müssen beziehungsweise ein großes Medienunternehmen zu sein. Jeder wird sein eigener Verlag und Chefredakteur. Die Nutzer werden direkt eingebunden. Sie erstellen, bearbeiten und verteilen Inhalte jetzt nach eigenem Ermessen. Das Web 2.0, wie das Internet seit 2003 auch genannt wird,  verändert aber auch die hierarchischen Strukturen. Es verstärkt Kooperationen sowie Kollaborationen und ermöglicht eine Vielzahl neuer Formen der Zusammenarbeit. Das Internet der zweiten Generation bringt Menschen zusammen, um sich gegenseitig mit Wissen zu versorgen beziehungsweise gemeinsam völlig neues Wissen zu generieren. Ein weiterer wesentlicher Aspekt ist der integrative Charakter des Web 2.0. Dieser sorgt für eine zunehmende Verschmelzung von Online- und Offline-Welt. Die dadurch neu entstandenen gesellschaftlichen Verhaltensmuster wirken bis hin in die Verwaltung. Das Web 2.0 bietet nun die Möglichkeit, direkt Einfluss zu nehmen und auf Informationen einzuwirken, sie sogar bereitzustellen oder zu ergänzen. Chancen für eine aktive Bürgergesellschaft Das Web 2.0 verleiht dem Bürger eine Macht neben seiner Wahlentscheidung. Er möchte nicht mehr einfach nur seine Meinung kundgeben, sondern selbst an den politischen Entscheidungen beteiligt werden. Neben der freien Meinungsäusserung bietet ihm das Internet der neuen Generation die Möglichkeit, sich unkompliziert mit der Verwaltung und Unternehmen zu vernetzen und auf einfachem Wege einen Blick auf das Handeln der Verwaltung und Unternehmen zu haben. So kann die Politik beispielsweise viel früher auf Fehlentwicklungen hingewiesen werden. Das Web 2.0 ist enorm partizipatorisch und demokratisch. Der Bürger wird zum gleichberechtigten Partner der Verwaltung. Alles ist mit allem vernetzt. Der Bürger erhält ein umfassendes Gestaltungspotential. Kreative Köpfe aus der ganzen Welt können sich vernetzen und gemeinsam an der Lösung von Problemen arbeiten. Das Web 2.0 bietet die Möglichkeit globale aber auch lokale Gemeinschaften zu bilden, um Projekte zu bearbeiten und Veränderungen gemeinsam herbeizuführen. Der Bürger kann viel effizienter Handlungen einfordern, wenn er sich vorher digital verbündet hat. Das Internet wird zur Mobilisierungsplattform. Ein Beispiel dafür ist die Internetseite www.kinderohnelehrer.de in Kleinmachnow. Eltern haben sich hier gemeinschaftlich organisiert, um auf den Lehrermangel aufmerksam zu machen. Jeder Unterrichtsausfall kann hier digital gemeldet werden. Politik und Presse konnten in kürzester Zeit durch diesen Internetauftritt aktiviert werden. Relativ zügig wurden sogar erste Handlungskonzepte entwickelt. Der konkrete Fall zeigt deutlich, dass eine gemeinschaftliche digitale Organisation effiziente Lösungen erbringt. Ein weiteres Beispiel für die Umsetzung von Web 2.0 ist die Einführung eines so genannten Bürgerhaushaltes 2.0, also einer Onlinediskussion über den Bürgerhaushalt. Hier erhalten Bürger die Möglichkeit, in Zeiten knapper Kassen ihre Wünsche und Vorschläge im Dialog mit der Verwaltung im Rahmen der vorhandenen Mittel bedarfsorientiert abzustimmen. Die Bürger können mit ihrer Verwaltung kooperative Vorschläge entwickeln, bewerten und auch hierarchisieren. In mehr als 100 Städten wie z.B. Köln, Freiburg und Hamburg wird das bereits erfolgreich praktiziert. Neben der Öffentlichkeitsarbeit sind Web 2.0 Angebote eine gute Möglichkeit, den Bürger in die Arbeitsabläufe der Kommune besser einzubinden. Auf diese Weise können Kenntnisse aus der Sicht des Bürgers auf die Verwaltung gewonnen werden. Mängel, Auffälligkeiten und Probleme können dann direkt im Austausch diskutiert und behoben werden. In der Praxis zeigt sich, dass der Bürger durchaus bereit ist, die Kommune in dieser Form zu unterstützen. Wenn Problemerkennung und Problemlösung dann noch zeitnah bearbeitet werden können, steigt die Zufriedenheit der Bürger deutlich, da sie sich ernst genommen fühlen. Durch die Nutzung modernster Technologien sind vielfältige Möglichkeiten gegeben, sich einzumischen und Meinungen zu äussern. In Kooperation mit der Verwaltung kann auf diese Weise sehr bürgernah agiert werden. Konsequenzen für die Kommunen Der Staat und die Kommunen sind auf die gegenwärtigen Entwicklung bislang nur unzureichend vorbereitet. Die meisten Behörden leben immer noch in der Government 1.0 Welt. Sie stellen Informationen bereit, reduzieren durch die digitale Organisation Kosten und steigern ihre Effizienz. Insgesamt konzentrieren sie sich aber noch viel zu sehr auf die Digitalisierung bestehender Strukturen, Aufgaben und Abläufe. Der wesentliche Web 2.0-Aspekt des Austausches wird in den seltensten Fällen berücksichtigt. Der Übergang von der Informationsplattform zur Dialogsplattform ist noch nicht gelungen. Dabei können die eigentlichen großen Herausforderungen wie Klimaschutz, bessere Bildung, neue Arbeitsplätze und die Haushaltskonsolidierung nicht allein mit den bisherigen Instrumenten der Verwaltung bewältigt werden.  Hierfür sind die Anstrengungen aller gefordert. Staat, Unternehmen, aber auch die Bürger müssen in den Prozess der Problemlösung gleichermaßen einbezogen werden. Genau dafür bietet die neue Generation des Internet alle Möglichkeiten. Web 2.0 ist jedoch in den deutschen Verwaltungen bislang nur in Grundzügen zu beobachten. 4,4 Millionen Menschen arbeiten hier weitestgehend in geschlossenen Silostrukturen. Die Kommunikation beschränkt sich in der Regel auf prozessuale Zusammenarbeit im Verwaltungsverfahren. Ganzheitliche Problemlösungsverfahren über Verwaltungsgrenzen hinweg sind eher eine Ausnahme. Schwarmintelligenz gibt es nur in Ausnahmefällen. Um dies zu erreichen, müsste die Verwaltung nach innen geöffnet werden, denn die Beschäftigten bilden ein enormes Wissenspotential. Dieses kann deutlich zur Effizienzsteigerung dienen, sofern es in die richtigen Bahnen gelenkt wird. Notwendig dafür ist ein Kulturwandel in Richtung Vernetzung und Öffnung. Besonders junge Mitarbeiter treiben diese Entwicklung stärker voran. Der Dialog, den das Web 2.0 dann anstößt, hat dabei immer zwei Seiten. Die Verwaltung selbst muss auch aktiv werden und in den Dialog einsteigen. Sie muss ihre ganze Organisation danach ausrichten, um zeitgemäßer zu werden. Bürokratie und Hierarchie sind bei der Umsetzung dann die größten Hindernisse. Sie unterbinden die erforderliche Mobilität im Handeln. Dabei erfordert die Dynamik der neuen Internetgeneration eine flexible Handlungsfähigkeit der Verwaltung um überhaupt in der dialogorientierten Onlinewelt mithalten zu können. Lange Dienstwege machen die Verwaltung unflexibel und digital nur eingeschränkt handlungsfähig. Selbst Nichtkommunikation ist hier bereits eine Kommunikation, meistens aber eine schlechte. Das sollten die Verwaltungen in jedem Fall berücksichtigen. Die mit dem Begriff 2.0 assoziierten Möglichkeiten  der Kooperation und Vernetzung sind entscheidende Voraussetzungen dafür, dass der Bürger künftig nicht nur als Wähler oder Dienstleistungsempfänger agiert, sondern auch als Rat- und Ideengeber eine zentrale Position einnehmen kann. Der Bürger steht schon lange nicht mehr nur am Rande als Beobachter der politischen Entwicklungen, sondern mitten im Geschehen und kann durch das Instrument Internet auf alles nach eigenem Ermessen Einfluss nehmen. Die digitale Revolution gibt ihm die Möglichkeit, auf einfachstem Wege gestalterisch tätig zu werden. Probleme können nicht mehr alleine von Einzelakteuren gelöst werden.  Die Herausforderungen vor denen Staat, Wirtschaft und Gesellschaft stehen, verlangen nach mehr Zusammenarbeit. Neue Lösungskonzepte können nur gemeinsam gefunden werden. Dabei spielt das Internet eine zentrale Rolle. Es bringt die Akteure zusammen und stellt den Rahmen für die Entstehung neuer effizienterer Strukturen. Die technischen Möglichkeiten für eine Verwaltung 2.0 sind bereits gegeben und sollten als eine Chance gesehen werden, sich effizient weiterzuentwickeln. Es ist nun an der Zeit, diese auch angemessen umzusetzen. — Zum Autor: Franz-Reinhard Habbel ist Sprecher des Deutschen Städte- und Gemeindebundes in Berlin und zugleich Leiter des DStGB-InnovatorsClub und Vorstandsmitglied der Werkstatt Deutschland und der European Society for eGovernment e.V. In seiner Eigenschaft als E-Government-Experte befasst er sich in Vorträgen im In- und Ausland mit Fragen der Globalisierung, des Internet sowie der Modernisierung von Politik und Verwaltung. — Quelle: Der Orginalartikel ist erschienen in der schweizerischen Kommunal-Revue (SKR) 1/2010  
An der SGVW Frühjahrstagung 2010 sprach Peter Fischer zum Thema Open Government und Bürgerpartizipation. In einem Interview ist er zu seinen Vorstellungen einer Bürgergesellschaft und den Chancen von modernen Partizipationsmöglichkeiten befragt worden.
Herr Fischer: Was verstehen Sie unter einer Bürgergesellschaft 2.0? Ob 1.0 oder 2.0 – für mich ist die Bürgergesellschaft ein Gesellschaftssystem, in dem sich Einwohnerinnen und Einwohner engagieren, persönliche Freiheiten geniessen, Verantwortung für sich und die Gesellschaft wahrnehmen, sowie an der Gestaltung von Politik und gesellschaftlicher Entwicklung teilhaben. In Bezug auf die politische Mitsprache und Gestaltung haben wir in der Schweiz eine langjährige direktdemokratische Tradition, die es in der digitalen Welt weiterzuentwickeln gilt. Worin sehen Sie die Chancen dieser Bürgergesellschaft? Mit dieser Bürgergesellschaft fördern wir die Eigenverantwortung, die persönliche Freiheit einschliesslich der Meinungsfreiheit und der informationellen Selbstbestimmung sowie in der Partizipation und Mitgestaltungsmöglichkeit. Nicht jeder ist bewandert im Umgang mit dem Internet und verschiedene Bevölkerungsgruppen können die neuen Möglichkeiten nicht nutzen. Wie schätzen Sie die Gefahr ein, dass es zu einer Spaltung der Gesellschaft diesbezüglich kommt? Weder mit den Informationstechnologien noch mit traditionellen Techniken konnten immer alle voll umgehen. Gerade mit den Informationstechnologien ist es eine grosse Herausforderung, alle Gesellschaftskreise, alle Alterskategorien vertraut zu machen. Die Medienkompetenz muss eine grosse Priorität in Aus- und Weiterbildung bleiben. Aber sowohl in der analogen wie auch nun in der digitalen Welt bleibt die Lese- und Schreibkompetenz eine Schlüsselkompetenz, die es zu pflegen gilt. Untersuchungen weisen darauf hin, dass ein allfälliger digitaler Graben dem analogen entlang führt. Jeglicher Analphabetismus muss ständig bekämpft werden. Der Übergang von einer Informationsplattform zur Dialogsplattform ist den meisten Behörden noch nicht gelungen. Denken Sie, dass der Bund auf die gegenwärtigen Entwicklungen ausreichend vorbereitet ist? Wo besteht Handlungsbedarf? In den politischen Prozessen ist die Schweiz mit ihren direktdemokratischen Instrumenten den meisten Ländern schon in der analogen Welt punkto Interaktion und Partizipation weit voraus. Das gilt es aber in die digitale Welt zu übertragen. Auch in Verwaltungsprozessen haben wir punktuell bereits eine lange interaktive und partizipative Tradition, man nehme die Raumplanungs- und Baubewilligungsverfahren als Beispiel. Mit den sozialen Netzen und weiteren digitalen Instrumenten kann diese Tradition ausgebaut werden. Sie darf aber die politische Legitimation des Verwaltungshandelns nicht untergraben, vielmehr soll sie sie unterstützen. Können Sie vorbildliche Beispiele von Behörden nennen, die bereits Möglichkeit zur Partizipation seitens des Bürgers geschaffen haben? Die erwähnten Raumplanungsverfahren sind solche Beispiele. Mit den digitalen Medien wird die Schwelle zur Partizipation erfreulicherweise gesenkt, das bedingt aber auch, dass die Behörde dann Methoden zur Bewirtschaftung der Menge an Interaktionen und zur Gewichtung der Eingaben findet. Sie sind verantwortlich für die Umsetzung der Strategie E-Government Schweiz. Welche Rolle spielt Bürgerpartizipation in der E-Government-Strategie? Es ist ein zentraler Punkt, zuerst der Bürger als „Kunde“ der Leistungen der Verwaltung. Dann der Bürger als Stimmbürger, d.h. als Akteur zur Bestimmung des Ganges der res publica als Teilnehmer an den demokratischen Prozessen. Und dann auch als Mitbeteiligter des Verwaltungshandelns aller Art. In allen drei Rollen haben Bürgerinnen und Bürger ihr Wort zu sagen, der Einsatz von Informations- und Kommunikationstechniken unterstützt sie dabei. Dementsprechend sind die Mittel einzusetzen. Die E-Government Strategie und deren Umsetzung nimmt dies auf. — Interview mit: Peter Fischer ist Delegierter für die Informatikstrategie des Bundes. Er ist ausserdem verantwortlich für die Umsetzung der E-Government Strategie Schweiz. — Das Interview wurde durchgeführt von: Katharina Ludwig, Redaktorin und Webmasterin der SGVW-Wissensplattform