Die SGVW Herbsttagung 2011 läuft unter dem Titel „Herausforderung öffentliche Infrastrukturen: Finanzierbarkeit, Wirtschaftlichkeit und Nachhaltigkeit?“. Welches sind Ihrer Meinung nach die Gründe, dass dieses Thema gewählt wurde?
Die öffentliche Infrastruktur steht derzeit unter grossem Druck. Die Zunahme von Raumbedarf und Mobilität, aber auch die steigenden Ansprüche einer wachsenden Bevölkerung erfordern von der öffentlichen Infrastruktur eine hohe Leistungsfähigkeit und Flexibilität. Es besteht die Gefahr, dass auf diesen gesellschaftlichen Wandel mit einer einseitigen Konzentration auf Neubauten reagiert wird. Von den bestehenden Infrastrukturen wird dagegen erwartet, dass sie die höhere Belastung einfach so aushalten. Der Werterhalt ist aber von zentraler Bedeutung. Die Themenwahl der SGVW zeigt, dass solchen Problemen vermehrt Beachtung geschenkt wird.
Welche Herausforderungen hinsichtlich der Infrastrukturen sehen Sie als Regierungsrat und Baudirektor des Kantons Zürich?
Die gesteigerte Mobilität, die Bevölkerungszunahme, der erhöhte Raumbedarf, aber auch die erhöhten Ansprüche an die Energieeffizienz von Gebäuden – das sind Herausforderungen, welche die ganze Schweiz betreffen. Im Kanton Zürich mit seiner Millionen-Agglomeration und seiner hochkonzentrierten Infrastruktur im Bereich Mobilität treten sie allerdings potenziert auf. Was den Kanton Zürich ausmacht, seine hohe Wirtschaftskraft und Lebensqualität, das steht in einer engen Beziehung zu seinen Infrastrukturen. Diesen Zusammenhang im Blick zu behalten, ist die zentrale Aufgabe. Zu ihrer Lösung braucht es Einzelmassnahmen, die zweckmässig, finanzierbar und politisch durchsetzbar sind. Das bedeutet eine echte Herausforderung.
Wie lautet das Thema Ihres Referats und was sind Punkte, die Sie gerne diskutieren möchten?
Das Thema lautet „Infrastruktur und Politik, praktisch gesehen“. Mich interessiert, wie die eigentlich unbestrittene Notwendigkeit des Werterhalts unserer Infrastruktur mehr Raum in der öffentlichen Wahrnehmung gewinnen könnte. Es gibt offenbar eine Hierarchie, an deren Spitze Bauten stehen, die viel Aufsehen erregen, deren Nutzen unbestritten ist und mit denen man sich gerne identifiziert. Am anderen Ende steht beispielsweise der Werterhalt der Strasseninfrastruktur, der primär zu Baustellen führt und entsprechend unbeliebt ist. Diese Wertungen fliessen in die politische Beurteilung unserer Massnahmen ein, obwohl sie eigentlich mit deren objektiver Notwendigkeit nichts zu tun haben. Das ist (unter anderen) ein Punkt, den ich gerne diskutieren würde.
Gibt es ein konkretes Projekt, welches Sie in diesem Zusammenhang nennen können?
Der Umbau und die Erweiterung von Gerichten, die Sanierung von Schulhäusern, der Neubau der Kleintierklinik und nun auch die Planung im Bereich universitäre Medizin, das alles stösst in der Öffentlichkeit auf Interesse und hohe Akzeptanz, selbst wenn zu einzelnen Punkten sicher auch Kritik geäussert wird. Etwas anderes sind Strassensanierungen in Ortszentren oder die Jagdschiessanlage, die wir in einer Kiesgrube bei Bülach planen. Die Notwendigkeit dieser Infrastruktur ist – auch von der gesetzlichen Lage her – objektiv gegeben, aber das heisst noch lange nicht, dass ihre Realisierung ohne Emotionen und Widerstand erfolgen könnte.
Was erwarten Sie von der Teilnahme an der Tagung vom 18. November in Luzern?
Ich verspreche mir Erkenntnisse, spannende Diskussionen und vielleicht auch ein paar Antworten. Die Voraussetzungen sind sehr gut, denn die Thematik wird breit aufgefächert, und ein Blick auf die Liste der Referenten zeigt, dass viele Blickwinkel zum Zuge kommen werden.
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SGVW Herbsttagung 2011
Thema: Herausforderung öffentliche Infrastrukturen: Finanzierbarkeit, Wirtschaftlichkeit und Nachhaltigkeit?
Freitag, 18. November 2011
09.00 - 17.00 h
Hochschule Luzern - Soziale Arbeit
Auditorium Lakefront Center, Inseliquai 12B
Informationen zur Tagung (Impressionen und Unterlagen)
Flyer/Programm