Welche Rolle spielen Frauen in der Führung des öffentlichen Sektors?

Dr. Barbara Haering: Sie führen – wie Männer auch! Wir können stolz sein auf eine gute Vertretung der Frauen im Nationalrat (29,5%) wie auch im Ständerat (21.7%) und im Bundesrat mit vier Frauen und drei Männern erst recht! Dies zeigt, dass Frauen in der nationalen Politik gut verankert sind und ihre politischen Führungsqualitäten nicht mehr in Frage gestellt werden. Anders sieht es in den Kaderstellen der Bundesverwaltung aus: Lediglich drei Bundesämter werden heute von einer Frau geführt.

Welche Probleme stellen sich?

Dr. Barbara Haering: Im Kanton Zürich wurden 2010 7.5% weniger Frauen in die Gemeindeparlamente gewählt und in den kommunalen Exekutiven sank der Frauenanteil gar um 10%. Während die Politik in den 80er und 90er Jahren für viele Frauen ein Wiedereinstiegsangebot nach der Familienphase darstellte, legen Frauen heute vermehrt Gewicht auf eine ungebrochene Berufskarriere und bleiben auch während der Kinderphase – zumindest teilzeitlich – berufstätig. Eine zusätzliche, dritte Belastung durch ein politisches Mandat liegt da nicht mehr drin.

Was halten Sie von einer Frauenquote?

Dr. Barbara Haering: Ich bin gegen Geschlechterquoten bei demokratischen Wahlen sowie bei Anstellungsverfahren und für Geschlechterquoten dort, wo Kooptationsverfahren zum Zuge kommen.

Inwiefern hat sich das Rollenverständnis in den letzten Jahren gewandelt?

Dr. Barbara Haering: Heute werden Frauen und Männern breitere Entfaltungsoptionen zugestanden als vor zwanzig Jahren. Fakt ist, dass trotzdem 95% der Haus"personen" Hausfrauen sind, dass Frauen mit Kleinkindern durchschnittlich während 12 Stunden wöchentlich einer Erwerbsarbeit nachgehen und Männer mit Kleinkindern durchschnittlich 41 Stunden. Und: Frauen verdienen in der Schweiz 23% weniger als Männer für gleiche Arbeit, wobei sich 40% dieser Lohnunterschiede nicht durch Bildung oder Hierarchien erklären lassen. Diese unterschiedlichen Lebenswelten prägen uns nach wie vor.

Gibt es einen Unterschied zwischen dem privaten und dem öffentlichen Sektor? Wer kann hier von wem was lernen?

Dr. Barbara Haering: Beide können voneinander lernen! Der private Sektor kann lernen, dass Frauen in der Politik erfolgreich führen und die öffentlichen Verwaltungen können lernen von den Erkenntnissen, wonach Unternehmen mit höherem Frauenanteil in Führungsgremien wirtschaftlich erfolgreicher sind als andere.

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Interview mit:

Dr. Dr. h. c. Barbara Haering, Präsidentin Striftungsrat IDHEAP Lausanne, Partnerin und Mitglied der Geschäftsleitung econcept Zürich

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Das Interview wurde durchgeführt von:

Katharina Ludwig, Redaktorin und Webmasterin der SGVW-Wissensplattform