Herr Hofmeister, wie erfolgreich war der erste European Public Sector Award? Was hat Sie besonders gefreut, was geärgert?

Man muss sich darüber im Klaren sein: Die Lancierung von EPSA war mit einem beträchtlichen Risiko verbunden - die kritischen Stimmen waren allgegenwärtig. Schliesslich ist der Wettbewerb aber ist 325 Bewerbungen aus 27 Ländern zu einem beeindruckenden Erfolg geworden. Das macht Freude und lässt manches vergessen, was auf dem langen Weg zu diesem Erfolg an Schwierigkeiten zu überwinden war.

Was sind Ihre "Lessons learned" bei dieser Preisverleihung?

Der Wettbewerb stand im Zeichen von Innovation und Nachhaltigkeit. Dies sind - auch im öffentlichen Bereich - die kritischen Erfolgfaktoren. Es hat sich deutlich gezeigt, dass in allen europäischen Kulturräumen das Innovationspotential in den Menschen vorhanden ist. Es muss nur geweckt und gepflegt werden. Finanzielle Anreize spielen dabei wahrscheinlich eine untergeordnete Rolle. Wichtig sind Freiräume, gegenseitige Achtung und Vertrauen. Die traditionellen bürokratischen Systeme zeigen hier die entscheidenden Schwachstellen. Innovation ist immer auch mit Risiko verbunden. Hier muss die Bereitschaft der Linienverantwortlichen vorhanden sein, die Chancen dieser Risiken zu erkennen und Verantwortung zu delegieren. Schliesslich zeigt sich deutlich, dass auch die Kommunikation ein wichtiger Erfolgsfaktor ist. Den innovativen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern muss Wertschätzung entgegengebracht werden. Die Diskussion muss auf Augenhöhe stattfinden. Hierarchische Aspekte verlieren an Bedeutung. Damit ist auch ein Kulturwandel verbunden, an welchem noch viele traditionelle Verwaltungen scheitern. Zusammenfassend lässt sich wohl festhalten, dass Exzellenz weit stärker durch qualitative Faktoren bestimmt wird, als durch Instrumente und Budgets.

Wie wird die Nachbearbeitung aussehen? Was bringt dieser Preis den Preisträgern?

Die Nachbearbeitung führt uns zum Gedanken der Lernplattform. Sie ist das Herzstück von EPSA. Ständiges Lernen wird auch für die öffentlichen Verwaltungen und Betriebe immer stärker zur Grundvoraussetzung, um sich dem ständigen Wandel besser anpassen zu können. Die Strukturen dieser Lernplattform sind noch nicht in allen Teilen klar. Klar ist nur, dass sie sich auf die Bedürfnisse der Praxis sowie die gesellschaftlichen, politischen und wirtschaftlichen Entwicklungen ausrichten muss. Es gibt bereits viele Lernplattformen, aber die meisten sind nicht mehr als eine mehr oder weniger statische Datenbank. Damit ist auch der Nutzen minimal und rechtfertig häufig den Aufwand nicht. Hier müssen wir die Nische finden. Und wir müssen Netzwerke aufbauen, denn Wissensmanagement ist immer Teamwork. Eie Zeit der Einzelkämpfer ist in diesem Bereich vorbei.
Was bringt der Preis den Preisträgern? Ich glaube er bringt viel, ist aber nicht das entscheidende Element. Entscheidend ist die Bereitschaft sich messen zu lassen und von anderen Organisationen zu lernen. Der Preis ist gleichsam das Sahnehäubchen. Er gibt die Möglichkeit, den Wandel zu belohnen, zu fördern, zu beurteilen und zu kommunizieren. Im Vordergrund steht die Wertschätzung gegenüber den Mitarbeitenden, die ihre Ideen und ihre Motivation eingebracht haben. Es war schön zu sehen, welche Gefühle die Preise - und auch die Diplome - in verschiedenen Verwaltungen freigesetzt haben. Annerkennung und Wertschätzung sind die wohl wirksamste und gleichzeitig kostengünstigste Art der Motivation. Voraussetzung ist allerdings, dass das Ganze "stimmig" ist mit der gelebten Kultur.

Welches war für Sie persönlich das beste und innovativste Projekt welches sich am EPSA beworben hat?

Die drei Themenfelder "Gemeinsam Handeln" (Collaborative Governance), "Zielerreichung mit knappen Mitteln" und "Den demographischen Wandel steuern" sind bewusst sehr breit gewählt worden. Die Palette der Bewerbungen ist breit und eindrucksvoll. Auch für mich gibt es deshalb nicht "das beste" oder "das innovativste" Projekt. Ich habe aber von den Vor-Ort-Besichtigungen - zum Beispiel in Schweden - beeindruckende Erinnerungen mit nach Hause genommen, die ich nicht missen möchte. Ich denke an das Projekt "kids tell profs what to do", bei welchem Schulkinder in Umeå unter Anleitung von Profis selber Opern schreiben, die dann - auch mit Beteiligung der Kinder - öffentlich aufgeführt werden. Im vergangenen November hat die gleiche Institution mit 300 Teenagers die erste Blog Opera aufgeschaltet. Ich denke an jenen Chefarzt in der gastroentrologischen Abteilung des Spitals von Eksjo, welcher monatelange Wartezeiten dadurch abgebaut hat, dass er die Rollenteilung zwischen Arzt, Pflegepersonal und Patient neu definiert hat oder ich denke an die Swedish Road Administration, welche sehr erfolgreich im Bereich der Unfallprävention Regulierung ersetzt hat durch Dialog und dabei auch geschickt die Medien einbezieht. Das sind Einzelbeispiele, aber ich glaube sie zeigen eindrücklich das beträchtliche Innovationspotential dieser Bewerbungen.

Könnten Sie uns ein Projekt sagen, welches auch in der Schweiz eingeführt werden sollte?

Gestatten Sie mir dazu eine generelle Antwort: Die Schweizerische Verwaltung hat zweifellos noch immer einen guten Ruf, aber sie hat in den letzten zehn, fünfzehn Jahren meines Erachtens beträchtlich verloren. Wir sind nicht schlechter, aber andere sind massiv besser geworden. Ich glaube es fehlt uns noch immer die Grösse und die Weitsichtigkeit, von dieser Entwicklung Kenntnis zu nehmen. Wir sollten unseren Pragmatismus behalten und gleichzeitig bürokratische Hindernisse abbauen. Wenn wir das wirklich wollen, können wir aus den eingereichten Bewerbungen sehr viel lernen.

Wie sieht die Zukunft des EPSA aus? Wurden schon Entscheide gefällt?

EPSA geht weiter. Der nächste Wettbewerb wird 2009 stattfinden. Die Bertelsmann Stiftung wird nicht mehr dabei sein. Sie hat mit der Anschubfinanzierung und mit einem engagierten Projektleiter das Ganze erst ermöglicht. Neu liegt die Verantwortung nun bei EIPA, dem European Institut of Public Administration in Maastricht. EIPA ist als europäische Institution für die Aufgabe hervorragend geeignet. Der erste Wettbewerb war mit der Bertelsmann Stiftung sowie den drei mitfinanzierenden Ländern Deutschland, Österreich und der Schweiz noch etwas 'deutschlastig'. Das werden wir nun korrigieren: Der nächste Wettbewerb soll von mindestens zehn, lieber fünfzehn europäischen Staaten mitfinanziert werden. Gleichzeitig möchten wir den Focus auf die lokale Ebene stärken. Im EPSA 2007 kamen rund 50% der Bewerbungen von dieser Seite. Wir werden neue Themenfelder wählen und uns verstärkt auf jene Länder konzentrieren, die beim ersten Wettbewerb noch eher im Hintergrund gestanden haben. Eine faszinierende Aufgabe, welche vor allem auch für die Schweiz interessante Perspektiven beinhaltet.

Werden Sie am nächsten EPSA wieder mit dabei sein?

Natürlich, ich bin schon mitten drin! EPSA 2009 soll ein noch grösserer Erfolg werden als EPSA 2007. 

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Das Interview wurde durchgeführt von:

Das Interview führte Angela Hofer, Webmaster der SGVW-Wissensplattform