«Social Media» gewinnen auch für die öffentliche Hand zunehmend an Bedeutung. Vermehrt nutzen nicht nur Privatpersonen, sondern auch Unternehmen und Verwaltungen die Möglichkeit, Inhalte über soziale Netzwerke zu verbreiten. Die Schweizerische Konferenz der Stadt- und Gemeindeschreiber und der Schweizerische Städteverband führten am 18. November in Solothurn gemeinsam eine Tagung durch, an welcher der nötige Aufwand und der mögliche Ertrag diskutiert wurde.
Bringen Facebook, Google+, Twitter oder eigene interaktive Plattformen einen konkreten Nutzen oder handelt es sich um einen teuren Hype? Viele Städte und Gemeinden machen sich heute Gedanken, ob die neuen Kommunikationsplattformen für sie von Bedeutung sind oder in Zukunft sein werden, ob es einen Nutzen aus deren Anwendung gibt oder ob es sich um kurzlebige Erscheinungen handelt, die darüber hinaus einen schlecht steuerbaren Kommunikationsverlauf mit sich bringen und vor allem Geld kosten.
Wie breit das Interesse an Fragen rund um die «Social Media» ist, zeigte die Zusammensetzung der über 150 Teilnehmenden. Neben Stadt- und Gemeindeschreibern fanden sich Behördenvertreter, Informations- und Kommunikationsbeauftragte, Informatikverantwortliche und Verwaltungsmitarbeitende aus den verschiedensten Abteilungen von Bund, Kantonen und Gemeinden ein.
Christoph Zech, Leiter E-Government bei den Informatikdiensten Winterthur, bejahte die Relevanz von Social Media für die Kommunen, nicht zuletzt aus dem einfachen Grund, dass inzwischen fast drei Millionen Schweizerinnen und Schweizer jeden Monat mindestens einmal Facebook ansurfen. Um den Einsatz möglichst zielführend zu gestalten, seien allerdings gewisse Regeln zu beachten: Vorweg müsse der Umgang mit Social Media in der Verwaltung gelernt und geregelt werden, was ohne finanziellen Zusatzaufwand nicht zu machen sei.
Den Paradigmenwechsel von «government-to-you» zu «government-with-you» als Voraus-setzung für den Erfolg stellte Prof. Stephanie Teufel von der Universität Fribourg ins Zentrum ihrer Ausführungen. Nur wer das Bedürfnis an sozialen Interaktionen versteht, besitzt ihres Erachtens den Schlüssel für ein erfolgreiches Erlebnis mit digitalen Sozialen Medien. Dieser Aussage konnte sich Mathias Vettiger vom online-Verlag blogwerk weitgehend anschliessen. Aus seiner Erfahrung mit den in der Schweiz vorhandenen Präzedenzfällen ist die positive Einstellung, die Überzeugung von der Notwendigkeit von Social Media eine wichtige Voraus-setzung für das Gelingen eines Projekts. Nachher müssen die Strategie festgelegt, die Ziele definiert und die richtigen Leute mit genügend Ressourcen und Verantwortlichkeiten eingesetzt werden. Trotz der Notwendigkeit einer guten Planung dürfe dabei aber der den neuen Medien eigene Schwung nicht verloren gehen.
An der Tagung präsentierten drei Städte, welche bereits über Erfahrungen mit der Kommunikation über Social Media verfügen, ihre jeweilige Herangehensweise. Die Stadt Amriswil wollte die neuen Social-Media-Kanäle auf betreiben des Stadtammanns einsetzen und benötigte dazu eine Strategie, für welche die Masterarbeit von Heidi Anderes, Kommunikations- und Marketingbeauftragte der Stadt, die Grundlage lieferte. In ihrem Referat zeigte Anderes auf, wie Amriswil die Umsetzung – sie setzte dazu vor allem Facebook und Twitter ein – angegangen ist. Die reinen Zahlen sind zwar noch nicht berauschend, die Dialogmöglichkeit wird aber sehr positiv aufgenommen. Erfreulicherweise werde die Seite auch nicht als Fenster für Kritik verwendet, sondern viel mehr für positive Reaktionen und Fragestellungen.
Lausanne sammelte gemäss Christian Ruffieux erste Erfahrungen mit Social Media im Mitwirkungsverfahren zum Stadtentwicklungsprozess «Metamorphose». Für Ruffieux, Kundenverantwortlicher der Organisations- und Informatikdienste einer Verwaltung mit 4000 Personen, steht beim Aufbau und Einsatz neuer Instrumente naturgemäss die Sicherheit des Netzes und der zugrunde liegenden Infrastruktur im Zentrum. Darüber konnte er erste Schlüsse aus den bisherigen Aktivitäten präsentieren. Bereits seit 2009 befasst sich St. Gallen mit dem Thema «Web 2.0», wobei eindeutig der gemeinsame dynamische Meinungsbildungsprozess zwischen Verwaltung und Bürgerschaft in Zentrum stand. Der Leiter der Fachstelle Kommunikation der Stadt St. Gallen, Urs Weishaupt, erklärte den Aufbau der Webseite mysg.ch und die Verwendung der verschiedenen Standardtools.
Knapp gefasst lässt sich aus der Tagung das Fazit ziehen, dass Social Media einen wichtigen Beitrag zur Kommunikation einer Stadt leisten können, dass es dafür jedoch einige Klippen zu umschiffen gilt. Im Zusammenhang mit bestehenden oder spezifisch für die Bedürfnisse einer Stadt aufgebauten Plattformen lassen sich durchaus kritische Fragen nach Datenschutz, einem geeigneten Umfeld für Informationen aus Verwaltungen und überzogenem Aufwand stellen. Klar ist: ein erfolgreicher Einsatz von Social Media bedingt, dass die Nutzung in der ganzen Verwaltung «gelernt» wird und konkrete Anwendungsregeln für die Mitarbeitenden bestehen, dass die Bereitschaft besteht, ausreichend Zeit und Mittel einzusetzen und dass die neuen Anwendungen in eine Gesamtstrategie eingebunden werden. Unter diesen Voraussetzungen eröffnen sich interessante Möglichkeiten für die Information und die Beteiligung der Bürger.
---
Zum Autor:
Roman Widmer ist wissenschaftlicher Mitarbeiter des Schweizerischen Städteverbandes
---
Weitere Informationen:
Social Media Tagung Solothurn: www.staedteverband.ch und www.stadtschreiber.ch
Weiteres Hintergrundmaterial: Citizen 2.0 citizen20.redcut.ch