Nachhaltige Entwicklung als politische Zielvorstellung stellt Politiker vor große Herausforderungen. Zwei Forderungen stehen im Zentrum: „Gerechtigkeit für Generationen!“ und „Global denken – lokal handeln!“.
Politisches Handeln auf lokaler Ebene wird damit zeitlich und räumlich „entgrenzt“: Von Gemeindevorstehern und Gemeinderäten wird erwartet, dass ihre politischen Entscheidungen soziale, ökologische und ökonomische Aspekte auf lange Sicht in einem ausgewogenen Gleichgewicht halten. In der Praxis bedeutet dies einerseits neue Aufgaben und Themen und andererseits einen Planungshorizont von Jahrzehnten. Wie kann es aber gelingen, in einer sich stetig wandelnden Welt, in der alles mit allem vernetzt und voneinander abhängig ist, diese Balance zu erreichen und die Lebensgrundlagen unserer Kinder und Kindeskinder zu sichern?
Damit es gelingt, müssen alle Kräfte an einem Strang ziehen: Politik, Verwaltung und Bürgerschaft müssen sich über die Herausforderungen im Klaren sein und gemeinsam Wege entwickeln, wie man diese nachhaltig bewältigen kann. Kommunales Nachhaltigkeitsmanagement bietet hierzu einen organisatorischen Rahmen, der Risiken und Chancen identifiziert, analysiert und effizient an deren Bewältigung oder Realisierung arbeitet.
Die Idee hinter kommunalem Nachhaltigkeitsmanagement ist einfach. Die Basis bildet ein Zyklus von fünf Arbeitsschritten, der sich stetig wiederholt und in einem Zeitraum von 3-5 Jahren durchlaufen wird.
Ausgehend von einer Beschreibung der Ist-Situation (Bestandserhebung / „Baseline-Review“) wird eine langfristige Vision für die nächsten zehn, zwanzig oder mehr Jahre entwickelt, die auf operationelle Ziele herunter gebrochen wird. Zur Erreichung der operationellen Ziele setzt die Kommune Maßnahmen um, deren Fortschritt stetig erfasst wird. Im Anschluss erfolgt die Evaluierung der durchgeführten Maßnahmen und des Gesamtprozesses. Die entscheidende Rolle spielen Kommunalpolitiker als Motor und Moderatoren des Prozesses. Damit der Prozess allerdings erfolgreich verlaufen kann, ist ein hoher Grad an Akzeptanz und Bereitschaft zur Mitwirkung unter den Bürgern unabdingbar, ohne den jede Strategie der nachhaltigen Entwicklung zum Scheitern verurteilt ist. Frühzeitige Einbindung der Bürger, d.h. eine schlüssige Strategie des „Stakeholder-Involvements“ ist deshalb von zentraler Bedeutung.
Der vollständige Managementzyklus kann als stetiger Entwicklungs- und Lernprozess verstanden werden, der es einer Stadt, einem Dorf oder einer Region erlaubt, zielgerichtet an ihrer Zukunft zu arbeiten und damit das „Unplanbare“ zu planen und die vielen einzelnen Bausteine nachhaltiger Entwicklung zu einem schlüssigen Gesamten zusammen zu fügen. Zugleich ist das System darauf ausgerichtet, flexibel auf lokale Gegebenheiten zu reagieren und Entscheidungsträgern fundierte Entscheidungen über den lokalen Entwicklungspfad zu ermöglichen.
Die hier skizzenhaft dargestellte Methode wurde zwischen 2006-2008 im Rahmen des Projekts „Managing Urban Europe“ von Städten und Gemeinden aus ganz Europa gemeinsam mit einem Konsortium aus Verbänden und Nichtregierungsorganisationen entwickelt. Gegenwärtig läuft das Projekt CHAMP (Climate Change Response through Managing Urban Europe Platform), das auf den Ergebnissen von Managing Urban Europe aufbaut und thematisch auf den Klimawandel ausgerichtet ist. Im Rahmen des Projekts wird das Managementsystem weiter entwickelt und Trainings- und Informationsangebote für Kommunen und Berater von Kommunen erarbeitet. Auf Dauer werden in ganz Europa nationale Kompetenzzentren entstehen, die als Anlaufstellen für Kommunen dienen, die ein Nachhaltigkeitsmanagementsystem implementieren möchten.
Anfang Juni 2011 wurde die „Europäische Partnerschaft für Integriertes Nachhaltigkeitsmanagement“ gegründet, deren Mitglieder die nationalen Anlaufstellen der einzelnen Länder sind. Schon heute sind Organisationen aus Deutschland, Finnland, Italien, Ungarn, Spanien, Rumänien und Polen Mitglieder des Netzwerks. Städte, Gemeinden, Landkreise oder sonstige Organisationen, die die Verbreitung und Weiterentwicklung des Integrierten Nachhaltigkeitsmanagements unterstützen möchten, können als Partner die Arbeit des neuen Netzwerks begleiten.
Ziel der „Europäischen Partnerschaft für Integriertes Nachhaltigkeitsmangement“ ist die Verbreitung qualitativ hochwertigen Nachhaltigkeitsmanagements. Hierzu wird sie intensiv an der Erstellung von Trainingsangeboten für Städte, Gemeinden, Landkreise und Berater von Gebietskörperschaften arbeiten.
Schon jetzt verfügbar ist das „Capacity Develpment Package“ (CDP), das als kostenloses Online-Informationssystem detaillierte Leitfäden zur Einrichtung eines kommunalen Nachhaltigkeitsmanagements enthält und darüber hinaus eine große Sammlung von Best-Practice-Beispielen und eine Übersicht über verfügbare Werkzeuge im Bereich Nachhaltigkeit, Klimaschutz und Klimaanpassung bietet. Das CDP ist über www.localmanagement.eu zugänglich. Es liegt bisher in Englisch vor und wird in Kürze in weiteren Sprachen – unter anderem Deutsch – verfügbar sein.
CHAMP ist ein gemeinsames Projekt der Union of Baltic Cities (UBC), ICLEI – Local Governments for Sustainability, Bodensee-Stiftung, Ambiente Italia, Coodinamento Agende 21 Locali Italiane, Lake Balaton Development Coordination Agency und der Vereinigung der Finnischen lokalen und regionalen Behörden. CHAMP wird von der Europäischen Kommission im Rahmen des LIFE Plus-Programmes gefördert.