Ein erster Fusionsversuch scheiterte noch 1999; Ende 2003 stimmten dann aber die Stimmberechtigten beider Gemein­den einer Vereinigungsinitiative im Grundsatz zu. Der definitive Ent­scheid wurde vom Volk am 1. Mai 2005 gefällt.

Ausgangslage 

Die Gemeinde Jona und die Stadt Rapperswil waren zwei Gemeinden im st. galli­schen Linthgebiet, die auf verschiedene Art eine hohe Attraktivität ausstrahlten. Rapperswil mit seinen rund 7'600 Einwohnern war ein kleinstädtisches Regional­zentrum, hatte aber räumlich sehr wenig Entwicklungsmöglichkeiten und wies demzufolge auch stabile Einwohnerzahlen auf. Jona hatte rund 17'600 Einwoh­ner; die Gemeinde hatte sich in den letzten Jahren dank ihrer attraktiven Vor­aussetzungen als Wohngemeinde, aber auch als Wirtschaftsstandort stark ent­wickelt. Sie umschloss die Stadt Rapperswil auf der Landseite vollständig.

Gemeinsame wechselhafte Geschichte

Die beiden Gemeinden haben eine gemeinsame Geschichte: Jona gehörte zum Untertanengebiet der Stadt. Im Gefolge der Französischen Revolution entstand 1803 der Kanton St. Gallen in seiner heutigen Form und somit auch die beiden Gemeinden Rapperswil und Jona. Damals waren die beiden Gemeinden völlig verschieden. Auf der einen Seite die Stadt Rapperswil mit der wirtschaftlich star­ken, herrschenden Klasse, auf der anderen Seite die arme Landgemeinde Jona, die kaum in der Lage war, minimale Infrastrukturen bereit zu stellen. Das Gefälle Stadt - Land und die unterschiedlichen Potentiale waren noch bis Mitte des letz­ten Jahrhunderts stark zu spüren. Sie waren auch belastend für die Beziehungen miteinander, auch wenn solche aufgrund der räumlichen Nähe immer bestanden. Erst in den letzten 50 Jahren fand man zweckdienliche Zusammenarbeitsformen, z. B. im Entsorgungswesen (Abwasser und Abfall), bei Alterseinrichtungen, Sportanlagen und beim öffentlichem Verkehr.

Gesellschaftliche Entwicklung überholt politische Strukturen

Im Grossen wie im Kleinen zeigte sich, dass die politischen Strukturen den ge­sellschaftlichen und wirtschaftlichen Entwicklungen hinten nach hinkten. Auch in Jona und Rapperswil war dies festzustellen: Im Verlauf der Jahrzehnte haben sich unzählige gemeindeübergreifende Vereine und Organisationen gebildet; die die Bedürfnisse in Sachen Mobilität, Freizeit und Kulturangebot richteten sich zunehmend nicht mehr nach Gemeindegrenzen. Zuerst noch etwas zaghaft, dann aber in den letzten Jahren immer häufiger, entschlossen sich die politischen Be­hörden für die gemeinsame Lösung von Aufgaben in folgenden Bereichen: Sport- und Freizeitanlagen, sämtliche Bereiche im Gesundheits- und Sozialwesen (z. B. Spitex, Tagesstätte, Kinderhort, Mütter- und Väterberatung sowie Jugendarbeit), Sicherheit (z.B. Zivilschutz, Gemeindeführungsstab und Feuerwehr), Verwal­tungsbereiche (Betreibungsamt, verschiedene Stellvertretungen), Verkehrspolitik (Entlastungstunnel Rapperswil-Jona, Projekt Gesamtverkehrsoptimierung), Wirt­schaftsförderung sowie gemeinsame Anlässe. Auch die vier Schulgemeinden ar­beiteten gut zusammen. Allerdings waren die Verhältnisse komplizierter, indem in Jona zwei und in Rapperswil eine Primarschulgemeinde bestanden. Die Ober­stufenschulgemeinde erstreckte sich hingegen über beide Gemeinden. Für zuzie­hende Personen war diese Organisation verwirrend oder mindestens kompliziert. Sie bedingte auch einen erheblichen Koordinationsaufwand und verhinderte das Ausschöpfen geeigneter Synergiepotentiale.

In den letzten Jahren wurde eigentlich nur noch auf drei Gebieten praktisch nicht zusammengearbeitet, nämlich in Sachen Altstadt, weil eine solche nur in Rap­perswil existiert, auf dem Gebiet der Landwirtschaft, weil solche nur in Jona vor­handen ist, und aus nahe liegenden Gründen im Bereich Finanzen. Probleme und Aufgaben liessen sich je länger je weniger autonom und ohne gegenseitige Rück­sichtnahme lösen. Die Verflechtungen in Rapperswil und Jona waren derart, dass eine verantwortungsvolle Politik im Interesse der Einwohnerschaft nur mit Blick über die Gemeindegrenze hinaus möglich war.

Fusionsprojekt 1999 scheiterte

Aufgrund dieser Entwicklung stellten sich der Stadtrat Rapperswil und der Ge­meinderat Jona vor zehn Jahren die Frage der Fusion der beiden Gemeinden. Die Vor- und Nachteile einer solchen tief greifenden Veränderung in einem politi­schen Gemeinwesen wurden analysiert und die Machbarkeit der Idee abge­schätzt. Aufgrund der Ergebnisse folgte der Entscheid, den Bürgerschaften eine entsprechende Vorlage zu unterbreiten. In den Vernehmlassungsverfahren war keine nennenswerte Opposition wahrzunehmen. Trotzdem scheiterte das Vorha­ben, weil die Stimmberechtigten der politischen Gemeinde Jona Ende 1999 das Projekt ablehnten. Die Bürgerschaften der politischen Gemeinde Rapperswil, der vier beteiligten Schulgemeinden von Rapperswil und Jona sowie der beiden Orts­gemeinden (Bürgergemeinden) stimmten hingegen zu. Für das Scheitern des Projekts dürften finanzielle Gründe massgebend gewesen sein, indem sich die Finanzlage der Gemeinde Jona besser präsentierte als jene der Stadt Rapperswil. Aber auch im emotionalen Bereich waren Ablehnungsgründe zu suchen, indem auch mit Spannungen zwischen den Behörden in der Vergangenheit sowie nega­tiven Erfahrungen einzelner Personen in früheren Jahren argumentiert wurde.

Initiative lanciert das Thema neu

Nach dem negativen Entscheid von 1999 war das Thema Vereinigung für die bei­den Gemeindebehörden auf unabsehbare Zeit vom Tisch, denn es galt, den Bür­gerwillen zu respektieren. Ein neuerlicher Anlauf musste von der Basis aus lan­ciert werden. Die enge Zusammenarbeit wurde jedoch fortgesetzt. Diese wurde auch im Abstimmungskampf 1999 von den Fusionsgegnern nicht in Frage ge­stellt.

Im Frühjahr 2002 wurde das Komitee „Vereinigung Rapperswil-Jona“ gegründet, das sich das Ziel setzte, in absehbarer Zeit eine zweite Abstimmung über die Vereinigung der beiden Gemeinden zu erreichen. Zur Zielerreichung wurde ein Jahr später eine Initiative lanciert; bereits rund zwei Monate später wurde sie den Gemeindebehörden eingereicht. Sie hatte die Form einer allgemeinen Anre­gung und enthielt, abgesehen vom Grundsatz der Vereinigung, verschiedene Eckpunkte. So sollte die neue Stadt

  • eine Organisation ohne Bürgerversammlung werden;
  • als Einheitsgemeinde geführt werden;
  • das obligatorische Finanzreferendum einführen;
  • eine Exekutive aus sieben Mitgliedern, davon höchstens drei Vollamtliche, haben.

Die Vereinigung sollte auf den 1. Januar 2007 vollzogen werden. Weitere Aussa­gen wurden zum Verwaltungsstandort und zur Finanzpolitik gemacht.

Über die Initiative wurde am 30. November 2003 abgestimmt. In Rapperswil wurde ihr mit grosser Mehrheit, in Jona nur knapp zugestimmt. Die Stimmbetei­ligungen lagen bei hohen 65 % bzw. 71 %.

Komplexes Projekt zügig abwickeln

Die zeitliche Vorgabe in der Initiative, die Vereinigung auf den 1. Januar 2007 zu vollziehen, setzte eine rasche Projektabwicklung mit Prioritätensetzung voraus. Vom Projektumfang her galt es, zwei politische Gemeinden sowie vier verschie­dene Schulgemeinden in eine Einheitsgemeinde so zusammenzuführen, dass die neue Stadt am 1. Januar 2007 ihre Aufgaben richtig erfüllen konnte. Der Teil Schule innerhalb der Einheitsgemeinde musste bereits auf das Schuljahr 2005/06 funktionstüchtige Strukturen haben. Diese zeitlichen Rahmenbedingun­gen führten dazu, dass die Bearbeitung der wesentlichen Projektbestandteile bis Ende 2005 erfolgen mussten. Mit zu berücksichtigen war sodann, dass die Stimmberechtigten erst mit der Genehmigung des Vereinigungsvertrags definitiv JA zur Projektvorlage sagen, und dass alle Schulgemeinden noch über ihre Auflö­sung und Inkorporation befinden mussten. Die entscheidenden Abstimmungen am 1. Mai 2005 fielen positiv aus. Bemerkenswert war, dass bei der definitiven Vereinigungsabstimmung vom 1. Mai 2005 namentlich auch der Zustimmungs­anteil in Jona spürbar höher war als 2003. Der Vereinigungsvertrag mit 61% Ja in Jona und 89 % Ja in Rapperswil war definitiv besiegelt. Dies war für die weitere Projektabwicklung ausserordentlich wichtig.

Aus arbeitsökonomischen Gründen drängte sich eine Prioritätensetzung auf, in­dem drei Arbeitsphasen festgelegt wurden, nämlich:

  • Arbeiten, die bis zur definitiven Abstimmung zu erledigen sind;
  • Arbeiten, die bis zum 1. Januar 2007 auszuführen sind;
  • Arbeiten, die auch später ausgeführt werden können.

Dementsprechend wurden auch die rund 20 Teilprojekte terminiert.

Vereinigung ermöglicht Nutzung der Potenziale

Das Vereinigungsprojekt der Gemeinden Rapperswil und Jona ist kein typisches. Beide Gemeinden hatten eine Grösse, die zu keinen Existenzfragen führte. Die Verwaltungen funktionierten gut, die Bürgerschaften standen auch hinter ihren politischen Führungen. Beide Gemeinden gehörten zu den finanzstärksten im Kanton St. Gallen. Behörden und Verwaltungen arbeiteten gut zusammen und lösten ihre Aufgaben sachgerecht und ohne besondere Rücksicht auf Gemeinde­grenzen. Es bestand eine grosse Übereinstimmung der Anschauungen und - nicht zu unterschätzen - ein gutes persönliches Einvernehmen der handelnden Personen. Gerade dies führte aber zur Erkenntnis, dass die Strukturen nachhaltig angepasst werden müssen.

Niemand konnte sagen, wie die Rahmenbedingungen in zehn oder zwanzig Jah­ren aussehen. Die Entwicklung der einen oder anderen Gemeinde hätte aus ir­gendwelchen Gründen nicht mehr so positiv verlaufen können, die Finanzsitua­tion hätte auseinander driften können oder die Behörden und Verwaltungen hätten aus persönlichen oder anderen Gründen auf einmal nicht mehr gut zu­sammenarbeiten können. Solche Szenarien, die nicht auf Dauer ausgeschlossen werden können, wären zweifellos nicht im Interesse einer guten Zukunft der bei­den Gemeinden und der gesamten Bevölkerung in Rapperswil und Jona gewesen. Deshalb war es richtig, die Gunst der Stunde zu nutzen und unter den jetzigen guten Voraussetzungen die Stärken der beiden Gemeinden zusammenzuführen. So entstand ein kraftvolles Gemeinwesen, das seiner Einwohnerschaft und sei­nen Kunden ein noch besseres Dienstleistungsangebot in den verschiedenen Le­bensbereichen bieten kann. Verbesserungen gegenüber den heutigen Angeboten können vor allem durch die Zusammenführung der Schulen erwartet werden, dann aber auch in verkehrs- und raumplanerischen Fragen, beim Kultur- und Freizeitangebot sowie im Bereich Sicherheit. Die Stadt Rapperswil-Jona als zweitgrösste Stadt am Zürichsee und im Kanton St. Gallen kann sich aber auch deutlich stärker positionieren, sowohl innerhalb der engeren und weiteren Region wie auch innerhalb des Kantons. All diese Verbesserungen tragen dazu bei, dass Rapperswil-Jona ein hohes Mass an Lebensqualität und Standortvorteilen bieten kann, was wiederum beste Voraussetzungen für eine Erfolg versprechende Zu­kunft ist.

Rapperswil und Jona ergänzen sich ideal

  Rapperswil Jona
Städtisches Ambiente, Urbanität ●●●    ●
Leistungen mit überregionaler Ausstrahlung ●●●   ●●
Kulturangebot ●●● ●●●
Naherholungsgebiete   ●● ●●●
Freizeiteinrichtungen   ●● ●●●
Attraktive Wohnlagen   ●● ●●●
Entwicklungsgebiete Wohnen    ● ●●●
Entwicklungsgebiete Arbeitsplätze    ● ●●●
Erschliessung öffentlicher Verkehr ●●●   ●●

●●●  hoch

  ●●  mittel

    ●  tief

Finanzielle Effekte der Fusion

Die Startjahre 2007 und 2008 dienen vor allem der Konsolidierung der neuen Stadt. Aufbauarbeiten müssen weiter entwickelt resp. abgeschlossen werden. Namentlich gilt es, alle bestehenden Erlasse zu harmonisieren und neu zu konzipieren. Dies schliesst auch eine neue Richt- und Zonenplanung ein. Unter diesen Voraussetzungen ist es schwierig, bereits konkrete Aussagen über die Wirkungen der Vereinigung zu machen. Ein 1:1-Vergleich zwischen der neuen Stadt und der Situation der sechs vorbestandenen Körperschaften ist auf Grund der laufenden Entwicklung, der sich ändernden Dritt-Einflüsse, der sich ändernden Steuereinnahmen auf Grund der Wirtschaftslage, aber auch der Neuorganisation verschiedener Politikbereiche nicht ohne Weiteres möglich. Es braucht eine differenzierte Beurteilung aller Einflussfaktoren, um daraus schliesslich die Wirkung der Vereinigung ermitteln zu können. Es ist vorgesehen, einen ersten Bericht gegen Ende 2008, wenn die Konsolidierungsphase und die meisten der heute noch laufenden Teilprojekte weitgehend abgeschlossen sind, zu erstatten. Das Vereinigungsprojekt und die damit zusammenhängenden Investitionen sind langfristig ausgelegt, d.h. es handelt sich um ausgeprägt nachhaltige Massnahmen. Es wird deshalb zweckmässig sein, nach weiteren drei bis vier Jahren, also ca. fünf Jahre nach dem Realisierungszeitpunkt, den für nächstes Jahr vorgesehenen Bericht zu verifizieren. Dabei wird auch auf nicht-monetäre Aspekte einzugehen sein. Es wurde seitens der Behörden von Anfang an darauf hingewiesen, dass das Projekt nicht in erster Linie eine Finanz- bzw. Sparvorlage sei, sondern dass es vielmehr dazu beitragen soll, dass Rapperswil-Jona den Herausforderungen der Zukunft gerecht werden kann. Nutzen können sodann auch dadurch entstehen, dass zwar keine Kosteneinsparungen resultieren, aber die Dienstleistungen verbessert werden können, d.h. der Kunde zum gleichen Preis mehr erhält.

Die bereits 2007 budgetwirksamen Kostenreduktionen halten sich bezogen auf das Gesamtbudget in einem relativ bescheidenen Rahmen. Es wurde wie er­wähnt auch stets kommuniziert, dass die finanziellen Einsparungen der Vereini­gung in Franken und Rappen nicht von substanzieller Bedeutung sein werden. Das entsprechende Mengengerüst, welches den Aufwand massgeblich bestimmt, wird ja durch die Fusion nicht kleiner (z.B. Anzahl m2 Strassenunterhalt, Anzahl Sozialhilfefälle, Anzahl Baubewilligungen etc.). Generell ist davon auszugehen, dass, je nach vorbestandenen Strukturen und gewollter Ausgestaltung der neuen Gemeinde, die unmittelbaren finanziellen Auswirkungen grösser oder kleiner sind. Somit dürfte es auch problematisch sein, Resultate einer Vereinigung ohne Weiteres auf ein anderes Vereinigungsprojekt zu übertragen.

Im Budget 2007 wurden folgende Einsparungen genannt:

  • Personalaufwand
    ca. 1,0 Mio. Franken, vereinigungsbereinigt, d.h. abgesehen von Sozialplan­massnahmen
  • Sachaufwand: ca. 1,5 Mio. Franken
    Selbstverständlich ist noch von weiterem Einsparungspotential auszugehen, z.B. im Bereich Informatik. Das entsprechende Projekt inkl. Schulinformatik läuft noch bis 2009.
  • Liegenschaften
    Im Rahmen der Vereinigung wurde ein zentraler Verwaltungsstandort reali­siert, vorab aus Gründen der Kundenfreundlichkeit aber auch aus betriebli­chen Gründen. Dies erforderte zwar bauliche Massnahmen beim Stadthaus in Jona sowie die Zumietung von Büroflächen, ermöglichte aber gleichzeitig die Freistellung von zwei Altstadtgebäuden (ehemalige Verwaltung Rapperswil) für die Vermietung bzw. Verkauf.
  • Analog präsentiert sich die Situation für die Bereiche Feuerwehr und Werk­dienst. Bei den in diesem Bereich frei werdenden Liegenschaften eröffnen sich insbesondere auch interessante Perspektiven für die Stadtentwicklung. Nicht jedes Potential ist finanzieller Art, sondern kann die Basis für die Stadtentwicklung verbessern. Solche wirken sich in der Regel nicht direkt fi­nanziell aus und haben eine mittel- bis langfristige Ausrichtung.