Von der Bürokratie zur öffentlichen Excellence
Qualitätswettbewerb für die schweizerischen öffentlichen Organisationen
Anlässlich des Kongresses zum 20-jährigen Bestehen der Schweizerischen Gesellschaft für Verwaltungswissenschaften (SGVW)
Luzern, 29. Oktober 2004, Leitung: Prof. Y. Emery, Idheap
In den Augen der öffentlichen Meinung hinkt der öffentliche Sektor den Privatunternehmen, die ein nachzuahmendes „Modell“ darstellen, traditionell hinterher.
Unter dem Einfluss der seit über zehn Jahren durchgeführten zahlreichen Modernisierungsprojekte sind wir hingegen der Überzeugung, dass die öffentlichen Organisationen eine Vielzahl von innovativen Praktiken und Leistungen aufweisen, die ins rechte Licht gerückt werden sollten.
Wegen eines negativen Images und oftmals kaum entwickelter Kommunikationsprozesse bleiben diese Praktiken meistens verborgen und erhalten nicht die Aufmerksamkeit, die sie verdienen.
Die traditionelle Bescheidenheit der Schweizer sowie der Behörden im Besonderen stehen jedoch ihrem Bekanntwerden und erst recht ihrer Zelebration entgegen. Die verschiedenen Organisationen, die sich beworben haben, beweisen in eindrucksvoller Weise das Gegenteil.
Die Bewerbungen
Fünfzehn Organisationen und zwölf Autoren von wissenschaftlichen Arbeiten aus der ganzen Schweiz haben durch ihre Bewerbung die positive Veränderung in der schweizerischen Verwaltungskultur aufgezeigt. Normalerweise sind öffentliche Organisationen eher zurückhaltend und können dadurch ihre Erfolge nur schlecht hervorheben.
Folgenden Preise wurden verliehen :
Die Jury hat sich entschlossen, fünf Preise für hervorragende Modernisierungsprojekte zu vergeben :
Gemeinde Riehen, Gesamtpreis für alle Leistungen ihrer Modernisierungsstrategie mit umfassendem Reformprozess im Interesse eines modernen Service au Public
Oberzolldirektion, Preis Einsparung / Vereinfachung / Abbau der Bürokratie, für die verschiedenen Entwicklungen im Zusammenhang mit der Einführung der LSVA (Leistungsabhängige Schwerverkehrsabgabe), international anerkannt
Finanzdepartement des Kantons Luzern, Preis Strategie / Politik / Gouvernance, für seine von New Public Management inspirierte und umfassende Modernisierungsstrategie, insbesondere die neuen Instrumente zur politischen Steuerung der Leistungen
Kanzlei des Kantons Genf, Preis Cyberadministration, für sein Pilotprojekt über evoting, international anerkannt
Kanton Aargau, Preis Beteiligung / Einbeziehung der Bürgerinnen und Bürger, für sein Projekt "SuperAargau", ein Filmarchiv und Filmvermittlungsprojekt, mit Privatfilmen realisiert und zu einem DVD produziert, das internationale Anerkennung gefunden hat.
Die Jury hat beschlossen, den Preis für eine herausragende Persönlichkeit der Modernisierung an Herrn Prof. Dr. E. Buschor zu verleihen. Letzterer ist zur Zeit Vize-Präsident des ETH-Rates, nachdem er verschiedene Funktionen und Ämter im Bereich der Verwaltung, der Politik und der Wissenschaft ausgeübt hat. Durch seine Forschung und seine Publikationen hat Prof. Dr. E. Buschor zahlreiche innovative Konzepte und Instrumente im Bereich der Verwaltung auf allen Ebenen (Gemeinden, Kantone und Bund) eingeführt.
Darüber hinaus geniesst er unumstrittene internationale Anerkennung.
Es wurden vier Arbeiten prämiert:
Diplomarbeit deutsch :
Rebecca Frei, Gesundheitspolitik : ein Vergleich zwischen Schweden und der Schweiz, Zürcher Hochschule Winterthur
Diplomarbeit französisch :
Silja Elisabeth Häusermann, Internationalisation des politiques publiques et mise en œuvre fédéraliste, Idheap
Doktorarbeit deutsch :
Alex Fischer, Die Auswirkungen der Internationalisierung / Europäisierung auf Schweizer Entscheidungsprozesse, Idheap
Doktorarbeit französisch :
David Giauque, Changement dans le secteur public : vers une redéfinition de la régulation organisationnelle en situation de nouvelle gestion publique, Idheap
Projektvorstellung durch die Preisträger:
Anlässlich einer Zeremonie der Jubiläumstagung zum 20-jährigen Bestehen der Schweizerischen Gesellschaft für Verwaltungswissenschaften wurden die Preise übergeben. Die Preisträger hatten die Möglichkeit, ihre Projekte und Erfahrungen zu präsentieren und dadurch andere Organisation auf dem Weg zur Excellence zu inspirieren.
Die Preisträger können an den internationalen Qualitätswettbewerben teilnehmen, insbesondere am Wettbewerb "Speyer" 2005.
Die Jury:
Die folgende Jury mit Persönlichkeiten aus Politik, Verwaltung, Wissenschaft, Wirtschaft und Gesellschaft wurde gebildet :
- Dr. A. Hofmeister, Chef Inspektorat VBS
- Prof. E. Nagel, Fachhochschule Zentralschweiz
- Prof. K. Nussplieger, Kanzler des Kantons Bern, P.-M. Revaz, Generaldirektor der
- Gruppe Mutuel Assurances, Martigny
- P. Rohrbach, Präsidentin der Association Romande des Consommateurs
- I. Rickenbacher, Kommunikationsberater
- H. Überwasser, Advokat
- W. Schnyder, Staatsrat, Kanton Wallis
- Y. Emery, prof. Idheap
---
Zum Leitung des Wettbewerbs:
Prof. Y. Emery / C. Wyser, Leitung des Wettbewerbs, Unité " management public / Ressources humaines, Institut de hautes études en administration publique (IDHEAP), Lausanne.