eGovernment, also der „Einsatz der Informations- und Kommunikationstechnologien in öffentlichen Verwaltungen in Verbindung mit organisatorischen Änderungen und neuen Fähigkeiten“ [1] ist nicht nur fester Bestandteil der politischen Agenda, sondern geplant oder ungeplant schon längst gelebter Alltag quasi aller Industrienationen. So bilden auch in der Schweiz eine fast unüberschaubare Menge kleinerer oder grösserer Projekte ein locker gekoppeltes System eGovernment.
Die strategisch konzeptionellen Grundlagen der eGovernment Aktivitäten des Bundes sind in der im Februar 2002 vom Bundesrat verabschiedeten eGovernment-Strategie festgehalten. Diese stützt sich ab auf die Strategie für eine Informationsgesellschaft in der Schweiz vom 18. Februar 1998.
Bereits während der Ausarbeitung der Strategie wurde deutlich, dass für eine erfolgreiche Umsetzung der eGovernment-Strategie, welche die Abwicklung von verwaltungsübergreifenden Geschäften mit elektronischen Mitteln fördern und ermöglichen soll, eine zielgerichtete Koordination nicht nur wesentlicher Bestandteil, sondern elementarer Erfolgsvoraussetzung bedeutet. "Die Umsetzung braucht einen „Regisseur“: Das Informatikstrategieorgan des Bundes (ISB) zeichnet deshalb für Architektur und Standards sowie für die Koordination von Erfahrungsaustausch und Reporting verantwortlich und pflegt das Projektportfolio."[2]
Zur Unterstützung des Standardisierungsprozesses wurde der Verein eCH gegründet. Der Erfahrungsaustausch soll durch die Initiative eVanti.ch nachhaltig gefördert werden.
Was nun noch fehlt, ist eine übergreifende, systematische Beschreibung des Systems eGovernment Schweiz. Vom Bund wird zu Recht erwartet, dass er diesbezüglich eine Führungsrolle einnimmt. Abstimmungsprobleme zwischen laufenden
eGovernment-Projekten machen deutlich, dass eine Gesamtschau des Systems eGovernment Schweiz dringend notwendig ist, damit künftige Investitionen zielgerichtet getätigt und kostspielige Doppelspurigkeiten vermieden werden können. Diese Lücke soll mit dem Projekt eGovCH geschlossen werden.
Diese Gesamtschau des eGovernment Systems Schweiz verfolgt das klare Ziel, die Rolle und Bedeutung von eGovernment im Gesamtsystem Schweiz zu dokumentieren, sinnvolle Entwicklungswege aufzuzeigen und Hemmnisse zu analysieren. Die Ziele lauten im Einzelnen:
- Ein SOLL-System, welches eine Gesamtschau auf den Themenkomplex eGovernment Schweiz ermöglicht.
- Der Schwerpunkt liegt auf der organisationsübergreifenden Abwicklung von Verwaltungsprozessen.
- Dokumentation der Rolle und Bedeutung von eGovernment im Gesamtsystem Schweiz (wirtschaftlich und politisch).
- Aufzeigen welche Komponenten und Rahmenbedingungen für ein effektives und effizientes Funktionieren des eGovernment Systems Schweiz hilfreich oder gar zwingend notwendig sind.
- Beschreibung wie die Komponenten zusammenarbeiten (sollten) und dokumentiert, wo Regelungen und Standards zum besseren Funktionieren des Systems beitragen können und wo allenfalls bestehende es behindern.
- Massnahmenliste die zur Verbesserung des Systems eGovernment Schweiz beitragen können.
Durch die Erreichung dieser Zielsetzung soll das System eGovernment Schweiz einen Beitrag dafür leisten, dass
- Die elektronische Zusammenarbeit zwischen den Behörden aller Ebenen, ihren Partnern und allen weiteren Akteuren verbessert wird sowie
- Die Umsetzung des eGovernment Systems Schweiz unterstützt wird.
Verschiedene Sichten auf das System eGovernment Schweiz
Das System eGovernment Schweiz kann nach verschiedenen Sichtweisen dargestellt werden, und zwar nach einer prozessorientierten sowie einer strukturellen Sicht.
Anhand dieser beiden Sichten soll aufgezeigt werden, welche Komponenten für behördenübergreifendes eGovernment hilfreich oder notwendig sind und wie sie ineinander greifen müssen, um den erwarteten Nutzen zu bringen.
- Prozesssicht
Die prozessorientierte Sicht folgt den typischen Arbeitsschritten, welche notwendigerweise zur Abwicklung eines Verwaltungsprozesses notwendig sind.
Ein Ereignis initiiert Verwaltungshandeln und stösst damit einen Prozess an. Der Input wird in einer Verarbeitungsphase bearbeitet, die sich in Dauer, Komplexität und Art vollkommen unterschiedlich gestalten kann. Die Leistungserstellung in der Verwaltung kann in verschiedenartigsten Produkten und Dienstleistungen, dem Output, enden.

Das Ziel des Systems eGovernment Schweiz ist es, zu analysieren und zu dokumentieren, ob und wie diese Art von Prozessen durch den sinnvollen Einsatz von IKT verbessert werden können.
2. Struktursicht
Eine andere Möglichkeit zur ganzheitlichen Betrachtung des eGovernment Systems Schweiz besteht darin, verschiedene Ebenen zu unterscheiden.

Fach-Services sind nach aussen gerichtet und wenden sich direkt an Bürger oder Unternehmen und sind typische Verwaltungsdienstleistungen, wie beispielsweise Abwicklung des Umzugs oder Handelsregisterauszüge.
Die Daten-Services erfüllen hingegen vor allem innen gewandte Funktionen, in dem sie die Abwicklung der „öffentlichen“ Dienstleistungen unterstützen oder gar erst ermöglichen, in dem sie die benötigten Daten zur Verfügung stellen, wie z.B. ein Gemeinderegister.
Infrastruktur-Services sind technische Dienste, die zur Abwicklung von Fach- und Daten-Services zur Verfügung stehen müssen sowie beispielsweise eine Speicher- und Archivinfrastruktur.
All diese Services benötigen schliesslich zur Abwicklung technische Basiskomponenten, die sinnvoll aufgebaut und betrieben werden müssen.
Die politischen, rechtlichen und organisatorischen Rahmenbedingungen haben entscheidenden Einfluss auf die Ausgestaltung all dieser Ebenen und müssen daher in einer Gesamtschau berücksichtigt werden.
Das Gesamtsystem kann nur dann gut und effizient funktionieren, wenn in allen Bereichen Voraussetzungen und entsprechende Komponenten geschaffen werden, die ein optimales Zusammenspiel erlauben respektive fördern. Dies ist eine Aufgabe des Systems eGovernment Schweiz.
Massnahmenplan und Umsetzung
Die analysierten Voraussetzungen und Komponenten sollen möglichst rasch für aufgebaut und geschaffen werden. Aus diesem Grund beinhaltet die Dokumentation zum System eGovernment Schweiz als Planungsinstrument einen generellen Massnahmenplan. Wo immer möglich sollen die Umsetzungsarbeiten auf bereits bestehenden Aktivitäten aufbauen und diese zusätzlich unterstützen oder zumindest mit diesen koordiniert sein.
Bei den Umsetzungsarbeiten werden dann vor allem vier Stossrichtungen unterschieden:
- Input für die Überarbeitung der eGovernment-Strategie des Bundes sowie für die Überarbeitung der Strategie für eine Informationsgesellschaft in der Schweiz
- Kommunikation zur Sensibilisierung der Entscheidungsträger
- Konkrete Umsetzungsmassnahmen bei Bund, Kantonen, Gemeinden und Privaten
- Controlling über Fortschrittsmessung (in Zusammenarbeit mit eVanti.ch).
Ausblick
Die Beschreibung des Systems eGovernment Schweiz selbst ist kein statisches Produkt, welches einmalig erstellt wird. Vielmehr bedarf es einer steten Überprüfung und Anpassung.
Das gegen Ende Jahres in einer Version eins vorliegende Papier wurde durch eine Arbeitsgruppe unter Federführung des ISB erstellt. Wichtige Inputs sowie der Review wurden durch eine Expertengruppe sichergestellt, die sich aus Vertretern aller föderalen Ebenen sowie Unternehmens- und Verbandsrepräsentanten zusammensetzt.
Beitrag als PDF
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Zum Autor:
Tilman Braun, Associate PricewaterhouseCoopers
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Weitere Informationen:
[1] Mitteilung der Europäischen Kommission an den Rat, das Europäische Parlament, den Europäischen Wirtschafts- und Sozialausschuss und den Ausschuss der Regionen: Die Rolle elektronischer Behördendienste (E-Government) für die Zukunft Europas, KOM (2003) 567 endg., 26.9.2003, Kommission der Europäischen Gemeinschaften,
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