Die Schweiz hat sich von der viel zitierten "malaise helvetique", mit welcher der Staatsrechtler Max Imboden 1964 eine Erstarrung und Reformfeindlichkeit beschrieben hatte, erholt. Seit den 1990er Jahren erlebt die Schweiz eine Phase der intensivierten politischen Umgestaltung. Die zahlreichen Reformaktivitäten verschonen kaum einen Bereich des politischen Lebens. Zur Diskussion stehen nicht nur die Reform der direkten Demokratie, der Parlamente, der Regierungen und Verwaltungen, sondern ebenso die Reform des Föderalismus mit seiner verflochtenen Zuständigkeitsordnung und den entsprechenden Finanz- und Lastenausgleichsmechanismen. Und schliesslich wird auch die territoriale Feingliederung in Kantone und Gemeinden und die Zuständigkeit des Staates in bestimmten Aufgabenbereichen hinterfragt.
Den Kantonen, städtischen Agglomerationen und Gemeinden kommt, was die Reformtätigkeit anbelangt, eine Vorreiterrolle zu, da hier die Leistungsgrenzen in der Regel direkter wahrgenommen werden und es aufgrund der kürzeren Entscheidungswege einfacher ist, Reformprojekte zu lancieren. Man kann die subnationalen Einheiten auch als Laboratorien verstehen, in welchen zuerst Neuerungen ausprobiert werden, welche dann von der nationalen Ebene übernommen werden.
Das Schwerpunktthema zur Tagung vom 5. September 2003 der Universitäten Bern, Lausanne und Zürich in Bern zeigt auf, welche Reformen in der Schweiz verbreitet sind und welches die Auslöser der Projekte sind. Zudem wird der Frage nachgegangen, welche Auswirkungen bislang in der Schweiz festgestellt werden können.