An ihrem Vortrag haben Sie Ihren Zuhörern den Umgang mit Krisensituationen mit eigenen praktischen Erfahrungen mit Krisen und Notfällen näher gebracht. Inwiefern sind Krisensituationen vergleichbar? Was ist das typische an Krisensituationen?

Grundsätzlich lassen sich Krisensituationen nicht miteinander vergleichen, weil die Umstände nie oder nur ganz selten gleich sind. Trotzdem sind aber gewisse Vergleiche möglich und gewisse Abläufe und Verhaltensweisen sind auch sehr oft identisch. Das bedeutet, dass auch gewisse Handlungsweisen vorbereitet werden müssen um Krisensituationen besser und effizienter meistern zu können. Das können ganz einfache Dinge sein wie z.B. Internetauftritte mit entsprechenden Links und hinweisen im Krisen- oder Katastrophenfall. Denken Sie an das Seilbahnunglück in Kaprun: Tausende von besorgten, anrufenden Angehörigen die im Internet vergeblich nach Links, Hinweisen, polizeilichen Medienmitteilungen etc. suchten, hätten mit entsprechender Vorbereitung effizient geleitet und betreut werden können.  

Was ist beim Umgang mit den Medien besonders wichtig? Gibt es Grundregeln für die Krisenkommunikation?

Grundsätzlich gilt: So offen - so rasch - so transparent wie möglich.
Alles was ich sage muss wahr sein – aber ich muss nicht alles sagen was ich weiss.
Regelmässige Informationen auch wenn’s nichts Neues gibt. Informations-Rhythmus selbst bestimmen und aktiv kommunizieren.

Hat sich in der Medienarbeit in den letzten Jahren für Sie etwas geändert? Spüren Sie ein zunehmendes Informationsbedürfnis seitens der Medien und der Bevölkerung?

Vor allem die elektronischen Medien haben die Berichterstattung in den letzen 5 bis 10 Jahren enorm beschleunigt. Insbesondere die vielen privaten Radio- und. Fernsehgesellschaften arbeiten nach privatwirtschaftlichen Gesichtspunkten. Das bedeutet, dass Geschwindigkeit an erster Stelle steht und alles andere in den Hintergrund drängt. Primeur um jeden Preis. Gefragt sind vor allem emotionale Bilder oder Stimmen. Gelesen werden meist nur noch Schlagzeilen und Leads – so nach dem Motto: „In der Kürze liegt die Würze“. Darunter leidet die Berichterstattung und die Qualität nimmt zwangsläufig ab.

Skeptiker hinterfragen den Zweck von Krisenschulungen, indem sie darauf hinweisen, dass jede Krise so einzigartig sei. Eine Vorbereitung gibt nur eine falsche Sicherheit und lässt nicht mehr flexibel in der Krisensituation handeln. Wie stellen Sie sich zu dieser Meinung?

Ich teile Ihre Meinung, dass Krisen grundsätzlich einzigartig sind. Gehen wir aber von einem Flugzeugabsturz, einem Eisenbahnunglück, einer Überschwemmung, einem Erdbeben oder Grossbrand aus, so haben wir ähnliche Voraussetzungen, obwohl das Ereignis nicht am selben Ort ist und die Umstände ganz verschieden sein können. Wenn Sie in diesen Situationen aber auf ein gut eingespieltes Team zählen können, wo jeder die Abläufe, sowie seine Aufgaben und Kompetenzen kennt, werden Sie das Ereignis bestimmt besser bewältigen können. Ähnlich wird es sein, wenn ein Amoktäter im Betrieb auftaucht oder ein Finanzskandal zu Tage tritt. Flexibles und situativ richtiges Handeln ist aber in jedem Fall gefragt und das kann man nicht so einfach lernen. Und nicht unterschätzen: Beziehungen zu Medienschaffenden lassen sich nicht in Kürze während einem Ereignis herstellen – es braucht viel Zeit um ein gegenseitiges Vertrauensverhältnis aufzubauen. Und nur damit können vor-verurteilende, negative Schlagzeilen vermieden werden. 

Wer soll wie kommunizieren? Vergeben Sie bestimmte Rollen im Team?

Eine Notfallsituation verlangt nach aktiver Kommunikation. Die Verantwortlichen müssen die Lage selbst in die Hand bringen und schnell vor Ort sein. Es ist wichtig, einen Kommunikationsrhythmus einzuführen. Nie zu vergessen ist der Grundsatz, dass Kommunikation grundsätzlich Chefsache ist.

Welche Eigenschaft braucht eine Führungskraft in einer Krisensituation?

Fachkompetenz, Ruhe, Besonnenheit, die Fähigkeit zu rasch zu reagieren und auch Entscheide zu fällen. In einer Krisensituation braucht man klare Ziele vor Augen und trotzdem muss man bereit sein, situativ zu reagieren und Situationen neu zu beurteilen.

Worin sehen Sie die besondere Herausforderung im Krisenmanagement des öffentlichen Sektors?

Der öffentliche Sektor, insbesondere die Polizei, steht immer im Fokus der Medien und im öffentlichen Interesse. Jede Handlung von Gesetzeshütern wird genauestens beobachtet und entsprechend kommentiert. Fehler werden sehr rasch angeprangert und kaum toleriert. Vor allem in Krisensituationen wird von Politikern und von der Polizei ein professionelles, möglichst unbürokratisches rasches Vorgehen erwartet. Das ist eine ganz spezielle Herausforderung, weil man doch immer im Schaufenster der Medien steht und der Erwartungsdruck sehr hoch ist. Darum gibt es für mich nur ein Moto: so rasch – so offen – so transparent wie möglich kommunizieren und ganz wichtig: „Alles was ich sage muss wahr sein – aber ich muss nicht alles sagen, was ich weiss.“

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Interview mit

 Marco Cortesi, Mediensprecher der Stadtpolizei Zürich

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Interview duchgeführt von

Webmasterin der Schweizerischen Gesellschaft für Verwaltungswissenschaften SGVW

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