«Es hat sich gelohnt, diesen Anlass auch in dieser schwierigen Zeit als Live-Event durchzuführen», zeigte sich HSG-Professor Ali Asker Guenduez, Assistenzprofessor für Digital Government, am Ende zufrieden: «Dank der Einhaltung der Schutzmassnahmen waren Diskussionen und Networking in sicherer und angenehmer Atmosphäre möglich.»

Grosse Themenpalette

Die Palette der Themen war bei der zweiten Durchführung der vom Smart Government Lab der Universität St.Gallen lancierten Tagung breit und reichte unter dem Titel «Von der Rhetorik zur Realität» von «Kultur der Partizipation» über «Cybersecurity» bis zu «intelligente Automatisierung.

Besondere Beachtung fanden die Head-to-Head-Debatte zum Thema «E-ID», in der der Mitinitiant des Referendums, Daniel Graf, auf SwissSign-CEO Markus Naef traf, und die Podiumsdiskussion der «Smart City Makers». Insbesondere Graf und Naef blieben sich nichts schuldig in der Diskussion, ob die E-ID-Umsetzung ganz in staatlicher Hand oder doch mit privaten Anbietern in einer Public-Private-Partnership erfolgen solle.

Hybride Elemente

In Teilen war der diesjährige, von Ladina Spiess moderierte Swiss Smart Government Day auch hybrid: Einzelne Referent*innen wurden virtuell einbezogen, der Grossteil der Vorträge und alle interaktiven Formate fanden vor Ort statt. Die Konferenz wird auch 2021 wieder stattfinden, ein Termin steht jedoch noch nicht fest.

Unterstützt wurde die Konferenz von der Stadt St.Gallen (Main Partner), PwC, Abraxas und dem Smart City Hub (alle Premium Partner), SwissSignGroup, Abacus, Innosolv, Smartcitylab, Byerley und dem Amt für Wirtschaft und Arbeit des Kantons St.Gallen (alle Partner). Patronatspartner sind die Universität St.Gallen, die Schweizerische Gesellschaft für Verwaltungswissenschaften, east#digital, staatslabor, Denkraum Bodensee, die Smartcity Alliance, SATW und die Wirtschaft Region St.Gallen. Als Medienpartner schliesslich waren Leader und die Studentenzeitschrift prisma mit dabei.

Ein Beitrag von Lyn Pleger, Alexander Mertes, Andrea Rey und Caroline Brüesch

Digitalisierungsprozesse in der öffentlichen Verwaltung finden bereits seit Längerem in der Forschung Betrachtung. Hierzu zählt auch die digitale Leistungserbringung im öffentlichen Sektor, sogenannte E-Services. Was bis anhin jedoch nur wenig untersucht wurde, sind die Bedürfnisse und Bedenken der Bevölkerung hinsichtlich der Ausgestaltung dieser E-Services und ob sich diese im Vergleich zur traditionell analogen Leistungserbringung unterscheiden (Wirtz & Kurtz 2017).

In unserer Studie sind wir deswegen der Frage nachgegangen, welche Bedürfnisse und Bedenken die Bevölkerung als zentrale Anspruchsgruppe der öffentlichen Leistungserbringung hat. Wird eine digitale Leistungserbringung bevorzugt? Welche Präferenzen hat die Bevölkerung im Hinblick auf die Ausgestaltung von Dienstleistungen, sogenannten Leistungsmerkmalen? Unterscheiden sich diese Präferenzen je nach Dienstleistung?

In unserer Studie wurden zwei öffentliche Leistungen und sieben Merkmale untersucht. Die beiden Leistungen waren zum einen das Ausfüllen der Steuererklärung und zum anderen die Meldung eines Umzugs. Die sieben untersuchten Leistungsmerkmale sind in Abbildung 1 zusammengefasst: Registrierung, Infrastruktur, Kommunikation, Datensicherheit und Datenschutz, Bearbeitungsstatus, Zeitaufwand und Preis.

Zeitaufwand spielt nur eine untergeordnete Rolle

Die Ergebnisse zeigen, dass die Bevölkerung verschiedenen Leistungsmerkmalen tatsächlich unterschiedliche Bedeutungen beimisst. Abbildung 2 veranschaulicht die durchschnittliche Wichtigkeit der sieben Leistungsmerkmale separiert nach den beiden Leistungen «Steuererklärung» und «Umzug». Die Werte für die durchschnittliche Relevanz der einzelnen Merkmale stellen prozentuale Anteile dar und können deshalb direkt miteinander verglichen werden. Es zeigt sich, dass beide Dienstleistungen insgesamt sehr ähnliche relative Wichtigkeiten der Merkmale aufweisen. Daraus lässt sich schliessen, dass für die Bevölkerung bestimmte Merkmale von Bedeutung sind, die sich nicht bloss auf einzelne Leistungen beschränken. Hinsichtlich der Bedeutung einzelner Merkmale zeigt sich, dass dem Preis und der Datensicherheit/Datenschutz eine entscheidende Rolle beigemessen wird. Im Gegensatz dazu hat der erforderliche Zeitaufwand für die Inanspruchnahme einer Dienstleistung weniger Einfluss auf die Bewertung dieser Dienstleistung als jedes andere Merkmal. Dies ist besonders überraschend, da mögliche Zeitersparnisse durch E-Services in der öffentlichen Debatte oftmals als zentraler Vorteil der digitalen Leistungserbringung angeführt werden.

Neben den Merkmalen einer Leistung spielt auch die Ausgestaltung dieser Merkmale für deren Beurteilung durch die Bevölkerung eine Rolle. Hierbei scheint es für die Befragten wichtiger zu sein, negative Ausgestaltungen zu verhindern, anstatt positive Ausgestaltungen zu erreichen. Konkret bedeutet das beispielsweise, dass der Preiserhöhung einer Leistung ungleich mehr Bedeutung beigemessen wird, als einer Preisreduktion.

E-Services werden gegenüber analogen Leistungen bevorzugt

Werden ganze Bündel an Merkmalen miteinander verglichen, lassen sich die Bewertungen von elektronischen und analogen Leistungen gegenüberstellen: Hierbei zeigt sich, dass E-Services von den Befragten bevorzugt werden.

Diese eindeutige Präferenz für E-Services verschwindet jedoch, wenn die Ausgestaltung des Grades an Datensicherheit und Datenschutz variiert wird: So findet eine digitale Dienstleistung mit tiefer Datensicherheit und Datenschutz deutlich weniger Zustimmung als dieselbe Dienstleistung mit hoher Datensicherheit und Datenschutz. Dieses Ergebnis weist auf eine entscheidende Bedeutung von Datensicherheit und Datenschutz für die Bewertung von E-Services durch die Endnutzer hin. Die Studienergebnisse machen deutlich, dass die Bedürfnisse und Bedenken der Bevölkerung gegenüber E-Services komplex sind. Das bedeutet auch, dass im Zuge der Digitalisierung eine erfolgreiche Implementierung von E-Services eine tiefgreifende Auseinandersetzung mit den Bedürfnissen der Bevölkerung erfordert, die über die blosse Abwägung vermeintlich objektiver Vorteile, wie beispielsweise das Potenzial zur Zeitersparnis, hinausgeht.

Im Hinblick auf die Generalisierbarkeit der Ergebnisse ist darauf hinzuweisen, dass davon auszugehen ist, dass die Stichprobe, aufgrund der Datenerhebung in Form einer Online-Befragung und aufgrund persönlicher Interessen der Befragten zu einem gewissen Grad verzerrt ist. Ein Indiz dafür ist eine Überrepräsentation männlicher Befragter und Personen mit einem hohen Bildungsgrad, woraus sich schliessen lässt, dass sich nicht ausschliesslich jene Personen an der Befragung beteiligten, die als erstes im Jahr Geburtstag haben.

Die Studie offenbart neue Erkenntnisse für die Forschung und Praxis über Faktoren, die eine erfolgreiche Implementierung von E-Services im Zuge der digitalen Transformation des öffentlichen Sektors beeinflussen können.

Erhebung mittels online Umfrage und Conjoint-Analyse

Die Studie basiert auf einem Online-Fragebogen mit einem Conjoint-Analyse-Design. Insgesamt wurden 22’728 Haushalte zur Teilnahme an der Umfrage eingeladen. Der endgültige und bereinigte Datensatz umfasst 899 Einzelantworten von Einwohnerinnen und Einwohnern, im Alter von mindestens 18 Jahren.
Die Conjoint-Analyse ist eine Methode, die angewandt werden kann, um Präferenzen oder Einstellungen zu messen. Der Begriff Conjoint-Analyse setzt sich aus den beiden Begriffen considered und jointly zusammen (ʺganzheitlich betrachtetʺ), da Befragten ein Bündel an Merkmalskombinationen vorgelegt wird, welches sie ganzheitlich bewerten. Auf Basis individueller Bewertungen verschiedener, zufällig zusammengefügter Bündel an Merkmalen und Merkmalausprägungen eines Produkts oder, wie in unserer Studie, einer öffentlichen Leistung, können die relative Relevanz und oder der Nutzen der einzelnen Merkmale abgeleitet werden (Hauber et al. 2016; Kaltenborn et al. 2013).
Die Befragten der Studie setzten sich aus Bewohner*innen von vier Zürcher Gemeinden zusammen. Diese erhielten eine schriftliche Einladung zur Teilnahme an der Befragung. Um eine gleichmässige Verteilung der Geschlechter- und Alterskategorien zu erhalten, wurden die Befragten in der Einladung gebeten, dass nur diejenige Person im Haushalt an der Umfrage teilnehmen solle, die als Erstes im Jahr Geburtstag hat. Der Fragebogen bestand aus drei Blöcken: Nach der Einleitung wurden die Befragten nach dem Zufallsprinzip zwei Gruppen für die beiden verschiedenen Leistungen zugeteilt. Daraufhin folgte der Conjoint-Analyse Teil, worin den Befragten verschiedene Kombinationen von Leistungsmerkmalen präsentiert wurden und sie jeweils beurteilen sollten, welche Kombination sie bevorzugten. Durch eine Wiederholung dieses Vorgehens konnten die zugrundeliegenden Präferenzstrukturen für die Merkmale und Merkmalsausprägungen ausfindig gemacht werden. Die Conjoint-Analyse enthielt zusätzlich allgemeine Fragen nach Merkmalspräferenzen, z.B. danach, welches Merkmal als am notwendigsten oder am wenigsten notwendig empfunden wurde. Der abschliessende dritte Block des Fragebogens enthielt Kontrollfragen, wie beispielsweise Fragen nach der Online-Affinität der Befragten oder nach Erfahrungen mit der Nutzung von E-Services.

Referenzen

Hauber, A. B., González, J. M., Groothuis-Oudshoorn, C. G., Prior, T., Marshall, D. A., Cunningham, C., IJzerman, Maarten, J., & Bridges, J. F. (2016). Statistical methods for the analysis of discrete choice experiments: A report of the ISPOR conjoint analysis good research practices task force. Value in Health, 19, 300–315.

Kaltenborn, T., Fiedler, H., Lanwehr, R., & Melles, T. (2013). Conjoint-analyse. In M. Spieß, & M. Wenzel (Eds.). Sozialwissenschaftliche Forschungsmethoden. Band 7. Rainer Hampp Verlag: München u. Mering.

Pleger, L. E., Mertes, A., Rey, A., & Brüesch, C. (2020). Allowing users to pick and choose: A conjoint analysis of end-user preferences of public e-services. Government Information Quarterly, forthcoming.

Wirtz, B. W., & Kurtz, O. T. (2017). Determinants of citizen usage intentions in e-government: An empirical analysis. Public Organization Review, 17, 353–372.

Dieser Artikel ist zuerst auf DeFacto erschienen.

Innovation in öffentlichen Organisationen bedeutet oft auch eine Weiterentwicklung der Zusammenarbeitsformen zwischen Staat und Wirtschaft. Dabei kann es helfen, in Geschäftsmodellen zu denken und Neues im interdisziplinären Dialog auszuprobieren. Grundlegende Elemente des Verwaltungshandelns werden mit innovativen Ansätzen kombiniert. Dazu müssen alte und neue Kompetenzen zusammengebracht, Innovationsräume geschaffen und eine Risikokultur eingeführt werden.

Kuno Schedler und Urs Bolz plädieren für die Stärkung wichtiger Kompetenzen des Verwaltungshandelns und für eine darauf aufbauende offene Innovationsmentalität an der Nahtstelle zwischen Staat und Wirtschaft.

Kuno Schedler, Urs Bolz: Innovative Geschäftsmodelle - Staat und Wirtschaft (PDF)

Neues Datum: 2. November 2020

Aufgrund von Covid-19 wird das Bernerhofgespräch neu am 2. November 2020 stattfinden.

Aufgrund der Coronavirus-Pandemie (COVID-19) müssen soziale Kontakte eingeschränkt und grössere Menschenansammlungen vermieden werden. Aus diesem Grund sehen wir uns gezwungen, die SGVW-Herbsttagung abzusagen. So kann die Sicherheit aller Beteiligten gewährleistet werden.

Wir bedanken uns für Ihr Interesse an der SGVW-Herbsttagung und Ihr Verständnis in dieser ausserordentlichen Situation.

En raison de la pandémie de coronavirus (COVID-19), les contacts sociaux doivent être limités et les grands rassemblements de personnes évités. C’est pourquoi nous nous sentons obligés d’annuler la conférence d’automne de la SSSA. Cela permettra de garantir la sécurité de tous les participants.

Nous vous remercions de l’intérêt que vous portez à la conférence d’automne de la SSSA et de votre compréhension dans cette situation extraordinaire.

Herbsttagung 2019

Herbsttagung 2018

Sie haben Fragen zur diesjährigen Herbsttagung der SGVW? Die Geschäftsstelle der SGVW steht Ihnen sehr gerne per Email ([email protected]) zur Verfügung.

Das Jahrbuch der Schweizerischen Gesellschaft für Verwaltungswissenschaften 2020: Den digitalen Staat aktiv gestalten

Das Jahrbuch 2020 ist dem Schwerpunktthema “Den digitalen Staat aktiv gestalten” gewidmet – ein heisses Thema im Diskurs der Verwaltungswissenschaft: Die digitale Transformation hat den Weg von der Privatwirtschaft in die öffentliche Verwaltung gefunden.  Neue Technologien bieten eine Vielzahl von Möglichkeiten zur Schaffung neuer Dienste und Schnittstellen und damit die Möglichkeit, innovative Zugänge in den Bereich der öffentlichen Verwaltung zu schaffen. Diese Innovationen dürfen jedoch nicht ziellos oder planlos umgesetzt werden, denn mit der Digitalisierung sind nicht nur Chancen, sondern auch Risiken verbunden, vor allem im Bereich des Datenschutzes und der Datensicherheit.

Das Jahrbuch 2020 präsentiert Forschungs- und Praxisbeiträge, die sich mit dem Schwerpunktthema befassen. Darüber hinaus bietet die Rubrik “open track” Raum für weitere Beiträge zu anderen relevanten Themen der Verwaltungswissenschaft.

Arbeiten Sie derzeit an einem Beitrag, der sich mit aktuellen Themen der Verwaltungswissenschaft auseinandersetzt? Die “open track”-Rubrik der Zeitschrift bietet die Möglichkeit, Artikel kontinuierlich über das Jahr hinweg zu veröffentlichen. Um Ihren Artikel in der “Open Track”-Sektion der Zeitschrift zu platzieren, müssen Sie lediglich Ihr Abstract an [email protected] senden. Nachdem Ihr Abstract geprüft und akzeptiert wurde, werden Sie aufgefordert, Ihren Artikel über unsere Website einzureichen.