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Partnerschaftsmodelle Staat und Wirtschaft: Entwicklungen im Jahr 2020

Der vorliegende Beitrag berichtet über die Entwicklung von Partnerschaftsmodellen zwischen Staat und Wirtschaft im Jahr 2020. Er setzt die Berichterstattung aus dem Jahr 2019 fort. Diese erfolgt im Rahmen der Interessengemeinschaft Partnerschaften (IGP). Die IGP fördert Wissen zu gemeinsamen Geschäftsmodellen von Staat und Wirtschaft zur partnerschaftlichen Erfüllung öffentlicher Aufgaben oder von Aufgaben im öffentlichen Interesse, mit Einschluss innovativer Formen der Beschaffung.


Ein Beitrag von Urs Bolz und Bernhard Eicher

Die Corona-Krise hat im Jahr 2020 mehrere bereits bestehende und öffentlich-private Partnerschaften begünstigende Megatrends verstärkt. So haben neben der allgemeinen Digitalisierung der Einbezug der Gesellschaft sowie soziale Innovationen starken Auftrieb erhalten. Während der ersten Krisenmonate bildeten sich innert kürzester Zeit neue Netzwerke zur gegenseitigen nachbarschaftlichen Unterstützung sowie für den Support des lokalen Gewerbes. Die nun entstandenen Netzwerke – häufig organisiert über digitale Plattformen – stellen ein grosses Potenzial zur partnerschaftlichen Lösung von künftigen sozialen Herausforderungen dar.

Im Zusammenhang mit den neu entstandenen Netzwerken, häufig ausserhalb der «klassischen» Industrie, gewann auch die Innovationsthematik sowie die Impactorientierung zusätzliches Gewicht. Kleine, innovative sowie agile Unternehmen und Vorhaben hatten in den vergangenen Jahren kaum so viel Aufmerksamkeit wie 2020. U. a. sollen sie denn auch bei der Schaffung des geplanten Klimafonds des Bundes eine wichtige Rolle spielen. Und schliesslich erhielt die Erkenntnis, dass bei der Beschaffung von Produkten und Dienstleistungen (DL) wirtschaftliche, soziale und ökologische Kriterien i. S. eines umfassenden Lebenszyklusansatzes eine wichtige Rolle spielen sollten, zusätzlichen Schub. Hier setzt sich zunehmend das Bewusstsein durch, dass lebenszyklusorientierte Beschaffung – gerade im Innovationsbereich – primär über einen gezielten Dialog mit den privatwirtschaftlichen Anbietern erreicht werden kann.

Im Jahr 2020 entstanden deshalb – selbstverständlich nicht ausschliesslich aufgrund der vorherrschenden Krise – diverse neue partnerschaftliche Modelle resp. wurden diese ausgebaut. Mit Blick auf die wirtschaftlichen Folgen der Corona-Krise können u. A. die Ende März geschaffenen Notkredite des Bundes genannt werden. Hierbei gewährt der Bund Bürgschaften z. G. lokal tätiger Bürgschaftsgenossenschaften, welche ihrerseits wiederum die von Banken zu gewährenden Notkredite verbürgen. Die äusserst rasche Schaffung dieser Notkredite war nur dank langjähriger und bewährter Zusammenarbeit zwischen dem Bund, den lokalen Bürgschaftsgenossenschaften sowie den in der Schweiz tätigen Banken möglich. Die partnerschaftliche Zusammenarbeit zwischen Bundesstellen und Finanzindustrie trug Ende 2020 mit der Lancierung der Plattform Finance Swiss weitere Früchte. Die Plattform fasst aktuelle Themen inkl. Regulierungen, z. B. in den Bereichen FinTech und Sustainable Finance, zusammen und verweist auf weiterführende Informationen. Zielpublikum sind sowohl inländische als auch ausländische Investoren.

Die partnerschaftliche Zusammenarbeit wurde aber nicht ausschliesslich im Finanzsektor weiter etabliert. Mit der Wyss Academy for Nature (WA) sowie dem Swiss Center for Design and Health (SCDH) wurden im Kanton Bern die Grundsteine für zwei öffentlich-private Innovationszentren mit nationaler und internationaler Ausstrahlung gelegt. Die Stiftung WA wird hierbei während ihren ersten zehn Betriebsjahren mit CHF 100 Mio. seitens der privaten Wyss Foundation sowie je CHF 50 Mio. seitens Kanton und Universität Bern finanziert (matching funds). Das SCDH wurde von verschiedenen Partnern aus Forschung, Lehre und Privatwirtschaft im Sinne eines Public Private Partnership (PPP) gegründet und soll während der ersten Jahre subsidiär durch Betriebsbeiträge von Bund und Kanton unterstützt werden. Mittelfristig sollen beide Innovationszentren (WA und SCDH) eigenwirtschaftlich betrieben werden können.

Im Innovationsbereich wurde die öffentlich-private Zusammenarbeit auch im Bereich der Cyber-Sicherheit ausgebaut. Dabei sollen die bisherigen Fach- und Meldestellen – u. a. die gut etablierte Melde- und Analysestelle Informationssicherung (MELANI) – im Nationalen Zentrum für Cybersicherheit (NCS) zusammengefasst werden. Das NCS soll dabei systematischere Kontakte zu privaten Unternehmen, insbesondere zu solchen, welche im Bereich kritische Infrastruktur tätig sind, pflegen. Angedacht ist u. a. eine Informationsplattform, welche sowohl durch öffentliche Beiträge als auch private Mittel finanziert werden soll.

Weiter entwickelten diverse Schweizer Städte ihr Engagement im Bereich Smart Cities weiter. Beispielhaft seien die neue Smart-City Strategie der Stadt St. Gallen, die Plattformen für den eUmzug resp. für ein elektronisches Erholungsmonitoring der Städte Bern resp. Zürich sowie das geplante elektronische und systematisierte Stakeholdermanagement der Stadt Luzern genannt.

Schliesslich erschien Anfang 2020 eine Publikation zum Thema Innovative Geschäftsmodelle Staat und Wirtschaft. Gemäss den Autoren bedeutet «Innovation in öffentlichen Organisationen oft auch eine Weiterentwicklung der Zusammenarbeitsformen zwischen Staat und Wirtschaft. Dabei kann es helfen, in Geschäftsmodellen zu denken und Neues im interdisziplinären Dialog auszuprobieren. Grundlegende Elemente des Verwaltungshandelns werden mit innovativen Ansätzen kombiniert. Dazu müssen alte und neue Kompetenzen zusammengebracht, Innovationsräume geschaffen und eine Risikokultur eingeführt werden». Der Beitrag plädiert für eine Stärkung wichtiger Kompetenzen des Verwaltungshandelns und für eine darauf aufbauende offene Innovationsmentalität an der Nahtstelle zwischen Staat und Wirtschaft.

Die vollständige Publikation mit weiteren Informationen zu Partnerschaftsmodellen im Jahr 2020:

Urs Bolz, Bernhard Eicher: Partnerschaftsmodelle Staat und Wirtschaft - Entwicklungen im Jahr 2020