Veröffentlicht in Jahrbuch 2017: Aufsicht

Vorwort von Bundeskanzler Walter Thurnherr

Wer keine Fehler macht, macht vermutlich auch sonst nicht viel.

Das ist weder ein Freipass für die Beaufsichtigten, die Sorgfalt aussen vor zu lassen
noch eine Aufforderung an die Aufsicht, alles so zu kontrollieren und schliesslich
zu blockieren, dass es keine Fehler gibt.

Aufsicht wirkt präventiv. Wer kontrolliert werden könnte, arbeitet anders. Aufsicht
macht Fehlleistungen und Risiken sichtbar. Sie ermöglicht, Prozesse, Arbeitsweisen
und Resultate zu hinterfragen und zu verbessern.

Aufsicht darf nicht zum Selbstzweck erfolgen. Sie muss Mass halten – bei dem
was und wie sie es kontrolliert. Aufsicht muss (an-)erkennen, dass man im Nachhinein
meistens klüger ist.

Rollen und Zuständigkeiten zu vermischen, ist auch bei der Aufsicht keine gute
Idee. Der Schiedsrichter muss Schiedsrichter bleiben. Auch, den gleichen Sachverhalt
mehrfach zu beaufsichtigen, sollte in der Regel vermieden werden.

Der gesunde Menschenverstand ist und bleibt wichtig – bei den Beaufsichtigten
und bei der Aufsicht. Nur wenn beide – Beaufsichtigte und Aufsicht – im Sinne der
Sache denken, miteinander im Dialog stehen und letztendlich entsprechend handeln,
entsteht ein Mehrwert.

Im diesjährigen Jahrbuch haben sich Praktiker und Wissenschaftler mit finanziellen,
rechtlichen, staatlichen und marktorientierten Aspekten der Aufsicht befasst.

Eine spannende Lektüre!

Für die Redaktion
Bundeskanzler Walter Thurnherr

Vorwort von Bundeskanzler Walter Thurnherr (PDF)

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