Die SGVW hat die Ausgabe 2015 des nationalen Wettbewerbs „Excellence publique“ lanciert. Was sind Sinn und Zweck eines Innovationswettbewerbs für die öffentliche Verwaltung?
In der Schweiz erhalten Innovationsprojekte im öffentlichen Sektor oft nicht die Anerkennung und Publizität, die sie eigentlich verdienen. Es ist natürlich grundsätzlich bedauerlich und auch ineffizient, wenn gute und erfolgreiche Ideen nicht weiter fruchtbar gemacht werden. Ziel dieses Wettbewerbs ist es deshalb, erfolgreich umgesetzte innovative Verwaltungsprojekte – auf den Ebenen Bund, Kantone, Gemeinden – zu erfassen und bekannt zu machen, damit sie als Modell für die Umsetzung in anderen Verwaltungsteilen oder als Ausgangspunkt für weitere Modernisierungsschritte dienen können. Das hilft allen, und die Verwaltung kann als Ganzes im Sinne einer lernenden Organisation profitieren. Aber auch die Aussenwirkung einer als innovativ wahrgenommenen Verwaltung in der Bevölkerung ist ausserordentlich wichtig. Deshalb hat die SGVW diesen Wettbewerb, der von Prof. Emery vom IDHEAP 2004 aufgegleist wurde und vor allem in der Romandie bekannt war, übernommen und auf die ganze Schweiz ausgedehnt.

In welchen Wettbewerbskategorien sind Bewerbungen möglich?
Der Projektsteuerungsausschuss des SGVW hat beschlossen, für 2015 folgende fünf Themenkategorien auszuschreiben:

  • Bürgerorientierung
  • Innovative Kommunikationsmodelle zwischen Verwaltung und Politik
  • Innovatives Human Resource Management in der Verwaltung
  • Intelligentes Sparen
  • Kooperation und Fusionen
Das ist eine klare Fokussierung auf Themen, die aktuell diskutiert werden.

Wer ist für eine Wettbewerbsteilnahme zugelassen?
Beim Hauptantragsteller muss es sich um eine Einrichtung des öffentlichen Sektors der Schweiz handeln. Dies können Behörden, öffentliche Unternehmen oder Public Private Partnerships (PPP) aller Verwaltungsebenen sein. Die antragsstellende Einrichtung muss überwiegend durch die öffentliche Hand finanziert sein. Diese weite Formulierung entspricht auch dem Ansatz des europäischen Innovationswettbewerbs der EIPA. Mehrere Preisträger der bisherigen schweizerischen Wettbewerbe wurden anschliessend auch auf internationaler Ebene ausgezeichnet.
Übrigens, um die vorherige Frage zu ergänzen: Sie werden sich fragen, was zu tun ist, wenn man ein gutes Projekt haben, das nun aber in keine Kategorie passt. Der Wettbewerbsausschuss hat in der Tat auf einen ‚open track‘ verzichtet. Nichtsdestotrotz kann es sich durchaus lohnen, auch Innovationsprojekte zu anderweitigen Themen einzureichen. Diese werden ebenfalls global begutachtet und allenfalls von unserem Medienpartner, der “Schweizer Gemeinde“, einer grossen Leserschaft bekannt gemacht.

Welches sind Interessen und Nutzen für Verwaltungen, am „Excellence publique 2015“ mitzumachen? Welches Feedback erhalten die Teilnehmer zu den Wettbewerbsdossiers?
Die eingereichten Projekte werden pro Thema von spezialisierten Evaluationsteams beurteilt. Diese Teams setzen sich aus Vertretern von Hochschulen und von Wirtschaftspartnern zusammen. Das Feedback nimmt Bezug auf die zehn Bewertungskriterien, die auf der Homepage aufgelistet sind. Ich denke, dass diese externe Einschätzung auch wertvolle Hinweise zum Projekt und gebenenfalls zu noch bestehenden Optimierungsmöglichkeiten geben kann.
Eine Auszeichnung führt natürlich für die Projektverantwortlichen zu einer wertvollen Anerkennung, die man nach innen, nach oben und nach aussen gerne kommunizieren wird. Einen besonderen Nutzen ergibt sich für die interessierte Verwaltungsöffentlichkeit, die von guten Projekten lernen und eigene Verbesserungspotenziale entdecken kann. Letztlich zugunsten von uns allen.

Abschliessend noch ein paar ‚technische‘ Fragen: Dürfen mehrere Verwaltungseinheiten einer Gemeinde (z.B. Polizei und Steuerverwaltung) eigene Dossiers einreichen?
Ein konkretes Projekt kann ausschliesslich in einer der fünf Kategorien eingereicht werden. Ein Bewerber kann aber durchaus mehrere, sich unterscheidende Projekte in unterschiedlichen Kategorien einreichen. Die Dossiers können in deutscher, französischer oder italienischer Sprache abgefasst werden.

Wie umfangreich ist das Wettbewerbsdossier zu gestalten? Mit welchem Zeitaufwand muss eine Projektgruppe rechnen?
Das Dossier inklusive Deckblatt soll zehn Seiten nicht überschreiten. Auf der Homepage findet sich ein Dokument mit allen Angaben zur Dossiereinreichung inkl. hilfreichem Aufbauraster. Der Zeitaufwand hängt natürlich stark davon ab, ob resp. wie gut ein bestehendes Projekt bereits dokumentiert ist. Wir denken, dass gut dokumentierte Projekte im Rahmen von drei bis fünf Stunden an den von uns zur Verfügung gestellten Aufbauraster angepasst werden können.

Und wann findet die Preisverleihung/Abschlussverantstaltung von Excellence publique statt?
Die Preisverleihung des «Excellence publique» findet am 26. November 2015 im Anschluss an die SGVW-Herbsttagung in Bern statt. Die Siegerprojekte werden im Plenum vorgestellt, gewürdigt und prämiert. Die Bundeskanzlerin Corina Casanova wird in ihrer Funktion als Präsidentin der SGVW persönlich den Gesamtsieger mit einem Preis ehren.

Bei Fragen zum Wettbewerb – wer hilft weiter?
Die relevanten Informationen finden sich auf der Wettbewerbshomepage. Bei spezielleren Anfragen können Sie sich jederzeit telefonisch oder via E-Mail an die Projektleitung wenden. Und nicht vergessen: Die Eingabefrist läuft bis zum 31. März 2015.

Interview mit:
Dr. Beda Schmidhauser, Leiter Weiterbildungs-Management am Institut für Verwaltungs-Management (IVM) an der ZHAW und Projektleiter des Wettbewerbs "Excellence publique 2015".

Die Interviewfragen wurden durch den Webmaster Lukas Reichmuth gestellt.