Berufskategorien der kantonalen Parlamentarier

Die po
litische Karriere und die Parteizugehörigkeit sind prinzipiell an das sozio-professionelle Profil gekoppelt (Gruner 1969). Zwei Kategorien sind in den kantonalen Parlamenten übervertreten: Selbstständige (36%) sowie Angestellte des öffentlichen Sektors (29%). Diese beiden Anstellungstypen machen 65% der Gewählten, aber nur ungefähr einen Drittel der Beschäftigten aus. Der Anteil der Selbstständigen ist in St. Gallen und vor allem in Nidwalden, Obwalden und im Wallis vorherrschend (>45%). Interkantonale Unterschiede sind von Bedeutung, dies gilt insbesondere für Gegensätze bezüglich Sprachregion und Konfession. Die lateinischsprachigen Kantone (mit Ausnahme des Tessins und des Wallis) sowie die Wähler in Kantonen, welche politisch eher links stehen, wählen im Allgemeinen eher Angestellte des öffentlichen Dienstes. Die Deutschschweizer Kantone (mit Ausnahme von Basel-Stadt, Basel-Landschaft, Bern) und die katholischen (mit Ausnahme von Freiburg, Jura und Thurgau) können durch eine Übervertretung von selbstständig Erwerbenden charakterisiert werden.

(Für eine grössere Ansicht bitte auf die Karte klicken)

Der öffentliche Sektor ist vor allem in den Parlamenten der Kantone Thurgau, Jura, Luzern und St. Gallen (>39%) stark präsent, obwohl der grösste Anteil der Kantone die Möglichkeit der Wahl von Staatsangestellten einschränkt oder verbietet. Ein generelles Verbot existiert in den Kantonen GR, OW, SO und UR. Die Kantone AG, BE, JU, TI und VS machen lediglich bei den Lehrkräften eine Ausnahme. In den Kantonen BL, BS, FR, GE, GL, LU, NE, SG, TG, VD, ZG und ZH können Staatsangestellte gewählt werden. Eine Ausnahme stellen die höheren Kader dar.

(Für eine grössere Ansicht bitte auf die jeweilige Karte klicken)

Alter der kantonalen Parlamentarier

Ein immer wiederkehrendes Thema in der öffentlichen Diskussion ist die Frage nach der Beteiligung junger Leute am politischen Leben und dem parlamentarischen Nachwuchs. Die stärkste Altersgruppe in den kantonalen Parlamenten ist diejenige der 45- bis 54-Jährigen (42%). Jüngere Personen (<35 Jahre: 7%) und die über 65-Jährigen (4%) sind dagegen deutlich untervertreten. Die Kantone der französischsprachigen Schweiz sowie die katholischen oder konfessionell gemischten Gebiete kennen jüngere Parlamente. Die ältesten befinden sich in den Kantonen Zürich, Waadt und Tessin. Zwischen 2004 und 2008 kann eine geringe Verkleinerung der Gruppe der 35 bis 44-Jährigen festgestellt werden, welche durch höhere Altersgruppen kompensiert wurde.

(Für eine grössere Ansicht bitte auf die jeweilige Karte klicken)


(Für eine grössere Ansicht bitte auf die Karte klicken)

Im Jahre 2004 betrug das Durchschnittsalter der Parlamentarier 46,3 Jahre. Die jüngeren Parlamente in einigen Kantonen der Romandie (FR, GE, JU und VS) können durch die Präsenz einer eher repräsentativen Demokratie erklärt werden, in denen ein grösserer Prozentsatz der Gemeinden ein Parlament ausweist. Für die katholischen Kantone kann festgestellt werden, dass die vorherrschende Konfession einen Integrations- und Mobilisierungseffekt der Jungen in Bezug auf die Politik hat. Des Weiteren sind die Vergütungen in den meisten Kantonen der Romandie höher. Letztere weisen meistens ein System mit Ersatzdelegierten aus, welches den Zugang zu den Legislativen ebenfalls vereinfachen kann.

Frauenanteil

Die kantonalen Legislativen zählten im Jahre 2011 664 Frauen, welche 24% der Gewählten repräsentieren. Das sind sechs Prozentpunkte weniger als bei den städtischen Parlamenten, wo 1376 Frauen einsitzen. Die städtischen Kantone, respektive die mehr nach links orientierten, zeichnen sich durch einen Frauenanteil aus, der generell höher ist als in den ländlichen Kantonen, den peripheren oder denjenigen mit katholischer Mehrheit. Fünf Kantone (BS, BL, ZH, OW, LU) und 40 Städte besitzen einen Frauenanteil von über 30%. In vielen Kantonen verringerte sich der Frauenanteil zwischen 2004 und 2011 (AR, BE, NW, SH), während dieser in anderen Parlamenten zunahm.


(Für eine grössere Ansicht bitte auf die jeweilige Karte klicken)

In den Gemeinden mit mehr als 10’000 Einwohnern steigt der Anteil Frauen in den Parlamenten mit der Grösse der Stadt an. Am höchsten ist er mit 41,1% in Städten von über 100’000 Einwohnern. In den kleinen Städten sinkt dieser Anteil. Der Frauenanteil ist am höchsten in den Städten der Zentralschweiz (33% im 2009), mit einem Rekord in den Luzerner Städten (46%) und in Zug (38%). In der Genferseeregion, dem Mittelland und der Nordwestschweiz beträgt er 30%. Am höchsten liegt er in Chênes-Bougerie (52%, Schweizer Rekord), gefolgt von Genf (48%) und Bern (44%). In den Städten des Kantons Zürich, des Tessins und der Ostschweiz ist die Vertretung der Frauen schwächer und liegt bei 28,4%, 26,8% und 24,8% im Jahre 2009. Während der Anteil der Frauen in den grossen Städten der Ostschweiz und des Kantons Zürich sinkt, steigt er in den Städten der Zentralschweiz sowie in der Westschweiz und im Tessin. Dies ist mit dem tieferen Ausgangswert zu erklären.

Der Text und die Karten stammen aus dem Buch: «Staatsatlas. Kartografie des Schweizer Föderalismus».

Die SGVW wird über die nächsten Monate verteilt etwa alle sieben Wochen einen kurzen Fokusartikel mit den entsprechenden Karten zu den folgenden Hauptthemen veröffentlichen:

In einigen Wochen lesen Sie hier bei uns den Artikel zur Organisation und Grösse des Staates. Seien Sie gespannt!

Weitere Informationen zum Staatsatlas erhalten Sie von Christophe Koller, Verantwortlicher für die BADAC, Projektleiter am IDHEAP und operationale Direktor der ESEHA, Tel. +41 (0)21 557 40 67, E-Mail: [email protected].

Bestellung Staatsatlas hier.

C. Koller, A. Hirzel, A.-C. Rolland, L. de Martini (2012), Staatsatlas. Kartografie des Schweizer Föderalismus / Atlas de l’Etat. Cartographie du fédéralisme suisse, Zürich: NZZ-Libro, 2012.

Weitere Informationen :

D. Bochsler, C. Koller et al. (2004), Die Schweizer Kantone unter der Lupe (Behörden, Personal, Finanzen), Berne: Haupt.