Sozio-demografisches Profil der Regierungen

Im Gegensatz zu den Bundesräten, die von der Bundesversammlung gewählt werden, werden die 156 kantonalen Regierungsmitglieder durch das Volk gewählt. Aber vertreten Letztere tatsächlich ihre Wähler? Der Frauenanteil hat sich seit Beginn der 2000er-Jahre fast nicht erhöht und beträgt ungefähr 20%. Zürich, St. Gallen, Schaffhausen und das Tessin stellen die Kantone dar, in denen Frauen mit mindestens 40% der Sitze im Jahre 2009 am besten vertreten waren (seither einige Änderungen in gewissen Kantonen, wie im Kanton Waadt 2013 (4/7)!). Im Gegensatz dazu sind in den Regierungen von Appenzell Innerrhoden und Schwyz keine Frauen anzutreffen (1/7 in Schwyz seit 1.7.2012). Der Anteil Regierungsrätinnen ist in den kleinen Kantonen der Zentral- und Ostschweiz prinzipiell tiefer. Darüber hinaus kann eine positive Beziehung zwischen der Parteistärke der Linken (SP und GP) und der Vertretung der Frauen sowohl in den Parlamenten als auch in den Regierungen festgestellt werden.

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Bezüglich des Alters der Regierungsräte kann festgestellt werden, dass diese selten sehr jung sind. Die Ausübung eines solchen Amtes setzt normalerweise bereits gesammelte politische Erfahrung durch eine Karriere innerhalb der Partei oder in lokalen und regionalen Gemeinwesen voraus. Das Durchschnittsalter der Regierungsmitglieder am 31.12.2004 betrug 55 Jahre. Die Tendenz der Alterung der Bevölkerung wird in den nächsten Jahren immer stärkere Konsequenzen für das Durchschnittsalter der Parlamentarier und der Regierungsräte haben. Einige der in der Vergangenheit umgesetzten Veränderungen könnten aber die Alterung der politischen Behörden verlangsamen oder zumindest beschränken: Die Einführung des Frauenstimmrechtes sowie des Rechtes der Frauen, gewählt zu werden (1971) oder das Wahlrecht von Ausländern, welches seit einigen Jahren zum Beispiel im Kanton Jura, in Neuenburg oder in wenigen Gemeinden anderer Kantone gilt. Die Alterung der politischen Behörden könnte auch durch Anreize für jüngere Menschen, sich am politischen Leben zu beteiligen, verlangsamt werden. Dabei ist beispielsweise an die Reduktion des Stimmrechtsalters auf 18 Jahre (auf Bundesebene) im Jahre 1991 sowie an die heutigen Möglichkeiten der Mitgestaltung durch die Schaffung von Jugendparlamenten in einigen Kantonen (zum Beispiel GE, JU, VS) zu denken.
Am 31.12.2004 zeichnete sich die aargauische Regierung durch das höchste Alter aus (60 Jahre), vor Neuenburg (58 Jahre), während die Tessiner und Waadtländer Exekutiven am jüngsten waren (49 Jahre). Der Kanton Waadt kompensiert ein hohes Alter der Parlamentarier – 47% sind mehr als 55 Jahre alt (Durchschnitt 30%) – durch eine relativ «junge» Exekutive (45 Jahre im Durchschnitt in 2007). Ebenfalls bleibt anzumerken, dass mehrere Kantone eine untere Alterslimite für die Wählbarkeit in den Regierungsrat festsetzen (zum Beispiel 27 für Genf), aber nur drei eine Höchstalter (65 Jahre in AR, BE, GL).

Profil der Kanzleien

Die Kanzlei ist das Stabsorgan, welches die Koordination zwischen der Regierung, dem Parlament und der Verwaltung sicherstellt. Der Parlamentsdienst ist ihr bisweilen angeschlossen. Zahlreiche andere Dienste wie die Archivierung, die Informatikdienste, Übersetzungen, Legislativ- und Informationsdienste können ausserdem unter der Leitung der Staatskanzlei stehen. In der Hälfte der Kantone wird der Kanzler vom Parlament gewählt, während er in der anderen Hälfte durch die Regierung bestimmt wird (die lateinischsprachigen Kantone mit Ausnahme von Freiburg, aber auch AG, AI, BS, GL, GR, SH und ZH). Im Jahre 2008 waren die meisten Staatskanzler Mitglied der CVP (12) oder der FDP (7). In vier Kantonen (BS, OW, SH, VD) sind sie keiner Partei zugehörig. Die Gesamtheit des Personals der 26 Kanzleien beträgt 717 Personen in VZS (Mittelwert 29; Median 25). Die Beschäftigtenzahl der Kanzleien variiert stark, nicht nur in Abhängigkeit der Kantonsgrösse, sondern auch in Bezug auf die interne Organisation: von 7,2 VZS in Thurgau bis 86 im Tessin. Dasselbe gilt für die Anzahl Dienste der Kanzleien mit einem Total für die 26 Kantone von 115, welche von zwei in AR, FR und UR bis neun in Tessin und zehn in Zürich reicht(Mittelwert: 4,4). Die Kantone AR, JU, OW und UR sind diejenigen, welche pro Einwohner am meisten für eine funktionierende Staatskanzlei ausgeben (Maximum 133 Franken in Uri und 152 Franken in Obwalden). Im Gegensatz dazu geben TG, TI, VD und ZH am wenigsten aus (am allerwenigsten im Kanton Waadt mit 14 Franken pro Einwohner, ohne die generellen Kosten des Parlamentes). Die durchschnittlichen Ausgaben der Kanzleien belaufen sich auf 49 Franken pro Einwohner. In den Kantonen Appenzell Innerrhoden, Nidwalden und Obwalden beträgt das Gewicht der Kanzlei, im Verhältnis zur gesamten Verwaltung, mehr als 4%, während es in neun Kantonen unter einem Prozent liegt. Im Durchschnitt arbeiten 1,6% der Staatsangestellten für die Staatskanzlei.


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Wie erwähnt liegen den unterschiedlich grossen Staatskanzleien auch ganz unterschiedliche Aufgaben und Gliederungen zu Grunde. In einigen Kantonen sind beispielsweise die Informatikdienste für die ganze Kantonsverwaltung (AG, JU) der Staatskanzlei angegliedert, doch auch die Baselbieter Landeskanzlei und die Zürcher Staatskanzlei verfügen über EDV/Internet-Sektionen. Elf Staatskanzleien kennen eine Sektion für die Regierungsinformation, in manchen anderen Kantonen obliegt diese Aufgabe ebenfalls der Staatskanzlei, ohne dass eine eigene Abteilung dafür besteht. Einige Staatskanzleien integrieren Fachstellen für Gleichstellung von Frau und Mann (AG, BE, TI), Statistikämter (AG, JU, TG), etliche die Drucksachen- und Materialzentrale – in drei Kantonen (NE, SO, TG) ist sogar der Lehrmittelverlag angegliedert. Die Aargauer, die St. Galler und die Tessiner Staatskanzlei kennen Koordinationsstellen für Aussenbeziehungen. Nicht weiter in Abteilungen unterteilt sind die Staatskanzleien des Kantons Zug sowie der beiden Appenzell.

Der Text und die Karten stammen aus dem Buch: «Staatsatlas. Kartografie des Schweizer Föderalismus».

Die SGVW wird über die nächsten Monate verteilt etwa alle sieben Wochen einen kurzen Fokusartikel mit den entsprechenden Karten zu den folgenden Hauptthemen veröffentlichen:

In einigen Wochen lesen Sie hier bei uns den zweiten Teil des Artikels zum Behördenprofil. Seien Sie gespannt!

Weitere Informationen zum Staatsatlas erhalten Sie von Christophe Koller, Verantwortlicher für die BADAC, Projektleiter am IDHEAP und operationale Direktor der ESEHA, Tel. +41 (0)21 557 40 67, E-Mail: [email protected].

Bestellung Staatsatlas hier.

C. Koller, A. Hirzel, A.-C. Rolland, L. de Martini (2012), Staatsatlas. Kartografie des Schweizer Föderalismus / Atlas de l’Etat. Cartographie du fédéralisme suisse, Zürich: NZZ-Libro, 2012.

Weitere Informationen :

D. Bochsler, C. Koller et al. (2004), Die Schweizer Kantone unter der Lupe (Behörden, Personal, Finanzen), Berne: Haupt.