Mit dem von der Gebert Rüf Stiftung unterstützten Projekt «Innovationsförderung in Schweizer Gemeinden» (INGE) haben der Schweizerische Gemeindeverband und die Berner Fachhochschule (BFH) verschiedene Aktivitäten lanciert, um die Zusammenarbeit zwischen Gemeinden, Wirtschaft und Hochschulen zu intensivieren. Sie werden dieses Ziel auch nach Projektabschluss weiter verfolgen und die im Rahmen des Projektes von der BFH bereitgestellte Webplattform gemeindezukunft.ch zukünftig gemeinsam betreiben.

Fachhochschulen und Gemeinden

Eine Untersuchung der Berner Fachhochschule hat gezeigt, dass sich über 30 Institute aller öffentlichen Fachhochschulen mit Gemeinden beschäftigen. Dazu gehören Themen wie Raum- und Landschaftsplanung, Regional- und Gemeindeentwicklung, Wald- und Landwirtschaft, Verkehr, Tourismus, Kulturförderung, Public Management, Finanzen, Sozialplanung, Gesundheit, Tourismus, Kommunikation, Informations- und Kommunikationstechnologien, Hoch- und Tiefbau, Energie usw. Das Angebot umfasst neben angewandter Forschung und Entwicklung sowie Dienstleistungen auch Grund- und Weiterbildungen, die aus Ein- oder Mehrtageskursen sowie aus diversen Masterabschlüssen und Bildungsgängen für Gemeindekader (Gemeindeschreiber, Finanzverwalter, usw.) bestehen [1].
Mit dem Projekt INGE [2] strebten die Berner Fachhochschule und der Schweizerische Gemeindeverband an, das multidisziplinäre Potential der Fachhochschulen vermehrt in den Dienst innovativer Gemeinden zu stellen. Im Rahmen des Projekts sind darum verschiedene Aktivitäten organisiert worden, unter anderen auch ein Auftritt an der Suisse Public 2011, wo Forschende von vier Fachhochschulen Projekte präsentierten. Hier wurde auch die Webplattform www.gemeindezukunft.ch [3] aus der Wiege gehoben.

Innovative Gemeinden sind interessante Partner für Fachhochschulen

Da Gemeinden schlankere Strukturen haben als Bund und Kantone, fällt es ihnen oft leichter, innovative Lösungen rasch und konsequent umzusetzen. Durch ihre Bürgernähe und ihre zahlreichen Milizbehörden erhalten Gemeinden zudem vielfältige und unmittelbare Anregungen für Veränderungen und damit für innovative Problemlösungen. Das macht sie zu interessanten Projektpartnern für Hochschulen – insbesondere für Institute von Fachhochschulen, die sich mit der Lösung konkreter Problemstellungen von Gemeinden beschäftigen. Um solche Probleme nachhaltig zu lösen, müssen ökologische, wirtschaftliche, gesellschaftliche und technische Aspekte beachtet werden. Dazu sind Kompetenzen aus mehreren wissenschaftlichen Disziplinen erforderlich. In den schweizerischen Fachhochschulen ist dieses Know-how verfügbar. Es wird bisher jedoch nur von wenigen Gemeinden genutzt. Dies will der Schweizerische Gemeindeverband nun ändern, indem er seine Vernetzungstätigkeit zwischen Gemeinden und Hochschulen verstärkt. Neben anderen Massnahmen unetrstützt er die Weiterentwicklung von gemeindezukunft.ch. Hier können Gemeinden, Fachhochschulen und weitere Partner auf Projekte, Veranstaltungen und Weiterbildungsangebote aufmerksam machen. Die Projektübersicht stellt die wachsende Zahl von Projekten zwischen Fachhochschulen und innovativen Gemeinden übersichtlich dar. Über die Partnersuche können Fachhochschulen Pilotgemeinden für geplante Projekte suchen und umgekehrt interessierte Gemeinden kompetente Partner finden. Da solche Projekte oft von öffentlichen oder privaten Förderinstitutionen unterstützt werden, können Gemeinden und Wirtschaftspartner auf diesem Weg zu sehr günstigen Konditionen in den Genuss von Leistungen der Hochschulen kommen.

Zukünftige Entwicklung

Der Schweizerische Gemeindeverband und das Institute for ICT-Based Management der Berner Fachhochschule haben sich gegenseitig verpflichtet, den Betrieb der Webplattform über das Projekt INGE hinaus sicherzustellen. Die Vernetzungstätigkeit soll in Zukunft noch verstärkt werden. Dabei wird der Schweizerische Gemeindeverband eine aktivere Rolle übernehmen als bisher. Er ist dafür der geeignete Partner, da er bei den Gemeinden breit abgestützt ist und von den Hochschulen als neutraler Partner anerkannt wird.

Im laufenden Jahr hat das Thema Open Government Data auch in der Schweiz stark an Bedeutung gewonnen [4]. Dazu haben insbesondere Aktivitäten von opendata.ch [5] und die Veröffentlichung der Open Government Data Studie Schweiz [6] beigetragen. Für Gemeinden können aus den zur Verfügung gestellten Daten interessante Applikationen entstehen. gemeindezukunft.ch wird mit Semantic-Web-Technologien diese Möglichkeit nutzen. Die Entwicklungsstufen der Publikation von Daten bis zu Linked Open Data beschreibt Berners-Lee in seinem 5-Sterne-Modell [7]:

*  Stufe 1  Publiziere Daten in irgendeinem Format

* *  Stufe 2  Publiziere die Daten in einem strukturierten Format, z.B. als Excel-Datei statt als Bild einer Tabelle

* * *  Stufe 3  Publiziere die Daten in einem nicht-proprietären, offenen Format, z.B. als CSV- statt als Excel-Datei

* * * *  Stufe 4  Verwende eindeutige Identifikationen für Entitäten, damit andere auf deine Daten verweisen können

* * * * *  Stufe 5  Verlinke die publizierten Daten mit anderen Daten zur Schaffung von Kontext

Auf gemeindezukunft.ch sollen Linked Data über Gemeinden und erste Democases zur Verfügung gestellt werden (Stufe 5). Erste Tests laufen bereits.
Wie alle Webplattformen lebt auch gemeindezukunft.ch von aktuellen Inhalten. Die Autorin nimmt sehr gerne Beiträge von neuen Partnern entgegen.

Zur Autorin:

Gina-Maria Musaelyan ist Mitarbeiterin am Institute for ICT-Based Management der Berner Fachhochschule, Technik und Informatik, Biel. Sie betreut die Webplattform gemeindezukunft.ch.



Links:

[1] http://www.sgvw.ch/d/bildungsangebote/Seiten/bildungsangebote.aspx (28. September 2012)
[2] http://grstiftung.ch/de/portfolio/projekte/alle/y_2009/GRS-040-09.html (28. September 2012)
[3] www.gemeindezukunft.ch (28. September 2012)
[4] http://www.sgvw.ch/d/fokus/Seiten/120205_OpenGovernmentData.aspx (28. September 2012)
[5] http://opendata.ch (28. September 2012)
[6] http://opendata.ch/2012/07/05/ogd-studie-schweiz-verfugbar-download/ (28. September 2012)
[7] http://www.w3.org/DesignIssues/LinkedData.html (28. September 2012)