Warum entwickeln sich gewisse Länder oder Regionen erfolgreicher als andere? Welche wirtschaftspolitischen oder unternehmerischen Faktoren können diese Unterschiede nachweisbar beeinflussen? Was kann man aus dem Vergleich mit anderen Regionen oder Ländern für die Gestaltung von erfolgsversprechenden Rahmenbedingungen lernen? Solche Fragen sind von allergrösster Bedeutung. Gemünzt auf die weltweiten Entwicklungsunterschiede von Ländern sagte der amerikanische Wirtschaftsnobelpreisträger Robert Lucas dazu gar einmal, wenn man beginne über solche Fragen nachzudenken, sei es schwer, überhaupt noch an etwas anderes zu denken. Wenn auch die Unterschiede zwischen schweizerischen Regionen oder westeuropäischen Ländern nicht derart gross sind, gehören die Bestimmungsfaktoren der Entwicklung von Wirtschaftsstandorten doch auch in wohlhabenden Ländern zu den allerwichtigsten Themen für Entscheidungsträger auf jeder föderalen Ebene.

Mit der Gründung des Center for Regional Economic Development (CRED) hat die Leitung der Universität Bern ein Signal gesetzt, in Zukunft auf solchen Themen einen klaren und sichtbaren Fokus zu setzen. Die Schaffung des CRED wurde 2011 beschlossen und kommuniziert, seit Anfang 2012 läuft der Aufbau. Der Breite des Themas der regionalen Wirtschaftsentwicklung angemessen, ist das CRED eine Zusammenarbeit über die Fakultätsgrenzen hinweg. Es wird in der Gründungszeit gemeinsam getragen vom Departement Volkswirtschaftslehre, vom Geographischen Institut und von der Abteilung für Unternehmensführung und Entrepreneurship des Instituts für Marketing und Unternehmensführung der Universität Bern. Die Arbeiten des Zentrums sollen mit der Zeit um weitere Partner der Universität Bern sowie anderer Universitäten erweitert werden.

Erste Schwerpunkte definiert

Ziel des CRED ist es, ein national und international anerkanntes universitäres Kompetenzzentrum für die Analyse, Beurteilung und Gestaltung der für die Entwicklung von Wirtschaftsräumen relevanten Faktoren zu sein. Die Aktivitäten der im Zentrum vereinigten Forschenden basieren auf wissenschaftlichen Methoden und haben gleichzeitig einen klaren Bezug zur Praxis. Das Zentrum versteht sich als wissenschaftliche Anlaufstelle für Fragen der wirtschaftlichen Entwicklung sowie für angewandte und politiknahe Forschung und Beratung für regionale, kantonale, nationale und internationale öffentliche und private Institutionen. Gleichzeitig geniessen im Rahmen der Arbeiten des Zentrums die Lehre und die Nachwuchsförderung in diesen Gebieten eine besondere Priorität.
Das CRED interessiert sich prinzipiell für alle Aspekte der wirtschaftlichen Regionalentwicklung und deckt deshalb ein sehr breites Gebiet ab. Entsprechend wenig möchte es sich hier a priori einschränken und entsprechend breit können die in Forschungsprojekten behandelten Fragestellungen sein. Daneben wird aber eine gewisse Schwerpunktbildung angestrebt. Es werden also in Zukunft Gebiete definiert, in denen das CRED über eine spezielle Expertise verfügt. Dies kann in Forschungsschwerpunkten sein oder in einzelnen Fällen sogar in institutionalisierten Forschungsstellen. Bereits beschlossen ist, die langjährige Tradition der Tourismusforschung an der Universität Bern im Rahmen einer Forschungsstelle Tourismus am CRED fortzusetzen. Ein erster, sich bereits in Umsetzung befindender Forschungsschwerpunkt ist das Thema Hauptstadtregionen.

Lehre wird ausgebaut

Im Bereich der Lehre werden zurzeit Vorarbeiten für einen Schwerpunkt zu Fragen der wirtschaftlichen Entwicklung von Wirtschaftsräumen auf Masterstufe geleistet. Längerfristig ist denkbar, im Rahmen des CRED eine Graduate School auf Doktorandenstufe zu etablieren.

Genauere Informationen zu Ausbildungsprogrammen und Lehrtätigkeit, zu den weiteren Forschungsschwerpunkten und zu den beteiligten Forschenden werden auf der Website des CRED (www.cred.unibe.ch) laufend kommuniziert.

Ersterscheinung dieses Artikels in dem Magazin UniPress April 2012