Die Kooperation von zwei oder mehreren Kommunen zur gemeinsamen Erbringung von öffentlichen Leistungen ist ein seit Langem etabliertes und erfolgreiches Organisationsmodell. Nicht zuletzt aufgrund der immer knapper werdenden öffentlichen Budgets ist die interkommunale Zusammenarbeit aktueller denn je und daher auch nach wie vor Betrachtungsgegenstand der Verwaltungswissenschaft. Das Wissen, das in solchen Kooperationsprojekten entstanden ist, war bisher – wenn überhaupt – nur über verschiedene Publikationen und Datenbanken verteilt zugänglich.

In der Publikation des KDZ “Interkommunale Kooperation – zwischen Tradition und Aufbruch” [1] aus dem Jahr 2006 wurde versucht, den Stand der Fachdiskussion in Österreich, Deutschland und der Schweiz darzustellen und insbesondere für die Praxis praktische Anwendungen zu präsentieren. Insgesamt wurden mehr als 50 Kooperationsprojekte aus unterschiedlichen – primär kommunalen – Handlungsfeldern präsentiert. Ende 2007 wurde die Entscheidung getroffen, eine moderne Web-Plattform für die weitere Dokumentation von Praxisbeispielen zu schaffen.

Die Plattform Verwaltungskooperation

Die Plattform Verwaltungskooperation.eu ging Anfang 2008 online und enthält mittlerweile 180 Projekte, 115 Kontaktpersonen und 134 registrierte Benutzerinnen und Benutzer. Die Plattform stellt Wissen über Kooperationsprojekte in deutscher Sprache zur Verfügung. Ziel der Plattform ist es, alle Ebenen der Verwaltungskooperation abzudecken. Die wesentlichen Inhalte der Plattform sind Projekte, Kontaktpersonen zu diesen Projekten, Themenbereiche der Kooperation, die beteiligten Projektpartner sowie Literatur, Tools und Methoden der Kooperation. Zielgruppe der Plattform sind vor allem Bedienstete der öffentlichen Verwaltung, Politikerinnen und Politiker sowie die interessierte Öffentlichkeit. Die Plattform ist kostenlos nutzbar und jederzeit durch deren Benutzerinnen und Benutzer einfach erweiterbar.

Startseite der Plattform Verwaltungskooperation.eu

Nutzung der Plattform auch in der Schweiz

Auch in der Schweiz hat interkommunale Zusammenarbeit eine lange Tradition. Beispiele finden sich in den verschiedensten Aufgabenbereichen. Einen sehr hohen Grad an Zusammenarbeit weisen die Gemeinden im Bevölkerungsschutz, in der medizinischen Versorgung und im Schulwesen auf. [2]
In der Webstatistik der Plattform werden über 10 000 Zugriffe pro Jahr registriert, etwa 60% kommen aus Österreich, knapp über 30% aus Deutschland, der Rest aus anderen Ländern. [3] Seit Bestehen der Plattform kamen knapp 800 Zugriffe aus der Schweiz, derzeit ist erst ein Kooperationsprojekt aus der Schweiz dokumentiert: das Projekt «Lernende Verwaltung». [4]

Dank der auch bei Wikipedia verwendeten Open-Source-Software MediaWiki [5] ist es einfach möglich, Inhalte auf die Plattform zu stellen. Um Projekte aus der Schweiz hinzuzufügen, ist es nur erforderlich, sich auf der Plattform mit einer E-Mail-Adresse zu registrieren. Nach der Registrierung kann sofort damit begonnen werden, neue Projekte mit dem dafür vorgesehenen Formular einzutragen. Die Inhalte der Plattform stehen unter der Creative-Commons-Lizenz (CC BY-NC-SA 3.0), das bedeutet, dass Inhalte vervielfältigt, verbreitet und öffentlich zugänglich gemacht sowie Bearbeitungen des Werkes angefertigt werden dürfen. Voraussetzungen sind Namensnennung, nicht kommerzielle Nutzung und Weitergabe unter gleichen Bedingungen. [6]

Geteiltes Wissen zu Kooperationen

Die Plattform Verwaltungskooperation erleichtert den Austausch von Wissen über Kooperationsprojekte in der öffentlichen Verwaltung durch den Einsatz von Web 2.0. Die Verwendung eines semantischen Wikis kombiniert die eindrucksvollen Möglichkeiten semantischer Technologien mit der einfachen Bedienung und dem kollaborativen Ansatz von Wikis. Die Plattform Verwaltungskooperation hat zum Ziel, die führende Plattform für Wissen über Kooperationen in der öffentlichen Verwaltung im deutschsprachigen Raum zu werden und ist ein Beispiel für den Einsatz von Wikis in der öffentlichen Verwaltung.

Einzelnachweise:

[1] Biwald,Peter, Hack, Han; Wirth, Klaus (Hrsg.) “Interkommunale Kooperation: zwischen Tradition und Aufbruch”, Wien/Graz, NWV 2006
[2] Steiner, Reto: Interkommunale Zusammenarbeit und Gemeindezusammenschlüsse in der Schweiz. In: Biwald, Peter/Hack, Hans/Wirth, Klaus (Hg.): Interkommunale Kooperation: zwischen Tradition und Aufbruch. Wien/Graz, NWV, 2006.    
[3] Vgl. http://www.verwaltungskooperation.at/images/Statistik_2009-01-2010-31.pdf (30. Jänner 2011).
[4] Vgl. http://www.verwaltungskooperation.at/index.php?title=Lernende_Verwaltung (30. Jänner 2011).
[5] Vgl. http://www.mediawiki.org (30. Jänner 2011).
[6] Vgl. http://creativecommons.org/licenses/by-nc-sa/3.0/at (30. Jänner 2011).

Zum Autor:

Mag. Bernhard Krabina ist Experte für E-Government und Wissensmanagement am Zentrum für Verwaltungsforschung KDZ in Wien. Er ist Administrator der Plattform Verwaltungskooperation.eu.