Die diesjährige Herbsttagung der SGVW stand unter dem Titel „Herausforderung öffentlichen Infrastrukturen. In den Räumlichkeiten der Hochschule Luzern – Soziale Arbeit in Luzern fanden sich rund 90 Tagungsteilnehmer ein.

Dr. Urs Bolz, Tagungsleiter und SGVW Vorstandsmitglied, zeigte auf, vor welchen Herausforderungen die öffentliche Hand im Bereich ihrer Infrastruktur steht. Rund um die Fragen Finanzierbarkeit, Wirtschaftlichkeit sowie Nachhaltigkeit stellen sich zahlreiche aktuelle Fragen. Ziel der Tagung war es, gestützt auf Thesen Antwortansätze zu finden. Der Fokus der Beiträge und Diskussionen wurde auf die kantonalen und kommunalen Infrastrukturen gelegt.

„Was kostet das Bauwerk Schweiz?“ fragte Prof. Dr. Schalcher, Leiter NFP, in seinem Beitrag: Öffentliche Infrastrukturen sind so gut wie ihre Bauherren, das Infrastrukturmanagement sei zu professionalisieren und nicht alles, was finanzierbar ist, sei notwendig – und umgekehrt. Eine professionelle Anlagebuchhaltung und eine dynamische Lebenszyklusbetrachtung würde einen Beitrag zur Kosteneinhaltung leisten. Der aktuelle Wert des Bauwerkes Schweiz (Wohnbauten, Hochbauten für Industrie, Gewerbe und Dienstleistungen, Hochbauten der öffentlichen Hand und technische Infrastruktur) beträgt laut Schätzungen 3‘400 Mrd. CHF. Bei den Kantonen und Gemeinden beläuft sich diese Summe auf 420 Mrd. CHF. ( Präsentation Schalcher)

Peter Reimann, Leitung Abteilung Finanzen, des Kantons Aargau forderte vereinfachte Finanzierungsmodelle. Integration von Bau, Unterhalt und Betrieb bei der gleichen Instanz führe zur Entpolitisierung von Bauentscheiden und ermögliche eine umfassende Berechnung der tatsächlichen Kosten und des tatsächlichen Nutzens. Entscheide über Eigenerstellung resp. Dritterstellung sollten auf betriebswirtschaftlichen Kriterien basieren.
( Präsentation Reimann)

Anschliessend plädierte der Leiter Development Immobilien SBB, Roger Beier, für den Siedlungsbau dort, wo die Erschliessung mit öffentlichen Verkehrsmitteln bereits vorhanden ist. Als Erfolgsfaktoren für tragfähige Lösungen bei Entwicklungsarealen am Beispiel der Europaallee Zürich nennt Beier einerseits die enge Zusammenarbeit mit den Gemeinden, andererseits die Fokussierung auf einen gemeinsamen Entwicklungsprozess anstelle eines gemeinsamen Projekts. Das Gesamtsystem SBB dürfe in Zusammenarbeit mit den Kantonen, am Beispiel der Mehrwertabschöpfung, nicht in Vergessenheit geraten.
( Präsentation Beier)

Alec von Graffenried, Nationalrat beendete den Vormittag mit der Präsentation der Auffassung von Nachhaltigkeit bei Losinger Marazzi AG. Umwelt, Wirtschaft und Gesellschaft bilden die drei Dimensionen der Nachhaltigkeit. Weltweit verbrauche die Bauwirtschaft 40 Prozent der Ressourcen und verursache 40 Prozent der Abfälle. Um diese Zahlen zu beeinflussen sei es nötig, den ganzen Lebenszyklus eines Baus zu überblicken. Das Einnehmen einer Gesamtsicht mit Einbezug der Faktoren Einbettung und Umgebung von Projekten werde mit tieferen Risiken und hohen Innovationen belohnt. Nicht zuletzt entsteht ein positiver Marketingeffekt für Unternehmen. ( Präsentation von Graffenried)

In vier Roundtables Hochbau, Tiefbau, Standortentwicklung und Smarte Energieinfrastruktur wurden die Fragestellungen vertieft. Über die Ergebnisse wurde im Plenum zusammenfassend rapportiert.

Mark Honauer, Leiter Immobilien bei der SUVA, zeichnete die Sicht der Investoren nach. Eine stringente finanzielle Führung helfe mit, Risiken bei Projekten zu minimieren. Investitionen in öffentliche Infrastrukturprojekte bieten institutionellen Investoren zwar beschauliche, dafür jedoch stabile Renditen. Viel Potential bleibe derzeit ungenutzt in der Zusammenarbeit zwischen öffentlichen Bauherren und privaten sowie institutionellen Investoren. ( Präsentation Honauer)

Abschliessend zeigte Markus Kägi, Regierungsrat des Kantons Zürich, wie die Problematik aus der Sicht von Politik und Regierung auf Kantonsebene wahrgenommen wird. Die Effizienz der Privatwirtschaft kombiniert mit der Konsensfähigkeit der öffentlichen Hand ist für ihn optimal. Ein Grundproblem sieht Kägi im ungenügenden Unterhalt und der finanziellen Belastung. Künftige Generationen müssten unter der mangelnden Nachhaltigkeit ihrer Vorfahren leiden. Deshalb ist eine  genaue Abwägung über Sinn und Unsinn von neuen Projekten und Bauvorhaben erforderlich. Denn was gebaut wird, müsse künftig unterhalten werden. ( Referat Kägi)

 Tagungsflyer als PDF

Impressionen

Fotos: Philipp Suter