Von 19. bis 21. Jänner 2006 treffen sich in Klagenfurt internationale Expertinnen und Experten für Mediation und Projektmanagement. Viele davon kommen aus der Schweiz. Einige von ihnen haben in den vergangenen Jahren an der Universität Klagenfurt studiert und wollen dort demnächst als Master of Advanced Studies absolvieren. Peter Heintel ist Professor für Philosophie und Gruppendynamik und leitet den Universitätslehrgang für Projektmanagement, der eigens für das Eidgenössische Personalamt (EPA) entwickelt wurde.

 

Wie kam die Kooperation mit dem Eidgenössischen Personalamt der Schweiz zustande und was war der Anlass für die inhaltliche Kombination von Projektmanagement und Mediation?

Wir halten diese Kombination nicht nur für originell, sondern auch für sinnvoll und wichtig. Der Äußere Anlass für den Kongress ist der Abschluss des ersten Universitätslehrganges für Projektmanagement, den die Universität Klagenfurt in Kooperation mit dem Eidgenössischen Personalamt durchführt. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus der Schweiz reisen zu diesem Anlass nach Klagenfurt, um dort ihre Prüfung abzulegen und ihr Abschlusszertifikat zu erhalten (Master of Advanced Studies). Wir haben diesen Lehrgangsabschluss mit einem Kongress verbunden, bei dem auch viele der ReferentInnen und TeilnehmerInnen aus dem Lehrgang Vorträge halten und Workshops anbieten. Der innere Anlass ist, dass wir bei diesem Kongress zwei inhaltliche Arbeitsschwerpunkte unserer Abteilung für Weiterbildung und systemische Interventionsforschung, nämlich Projektmanagement und Mediation, miteinander verbinden. 

Inwiefern erscheint eines solche Verbindung als sinnvoll?

Projektmanagement hat in der öffentlichen Verwaltung inzwischen einen hohen Stellenwert gewonnen, wenngleich hier deutliche Unterschiede zwischen Ländern feststellbar sind, die Schweiz hat in diesem Bereich eine gewisse Vorreiterrolle inne. Die Notwendigkeit in der öffentlichen Verwaltung Projekte einzurichten, ist sowohl inhaltlich, als auch organisatorisch begründet.

Inhaltlich, weil diverse Probleme, die in der öffentlichen Verwaltung zu lösen sind, einer interdisziplinären Bearbeitung bedürfen. Projekte ermöglichen es, die Fachkompetenz verschiedener Bereiche zusammenzuführen und eventuelle auch Expertinnen und Experten von Außen zuzuziehen. Viele der Aufgaben der öffentlichen Verwaltung sind sehr komplex – häufig sind auch departementübergreifende Kooperationen notwendig. Die Einführung eines neuen Schweizer Passes etwa braucht die Kooperation vieler verschiedener Stellen, wenn es um ein neues Ladenschlussgesetz geht, sind ebenfalls sehr viele Arbeitsbereiche davon betroffen. Ein anderes Beispiel ist die Einführung neuer Technologien, bei der es immer darauf ankommt, die Wünsche der Anwender und Nutzer frühzeitig einzubeziehen. Hier können Projekte helfen.

Der organisatorische Grund, warum Projektmanagement immer mehr an Bedeutung gewinnt, sind neue strukturelle Voraussetzungen. Unsere gesellschaftlichen Systeme haben sich immer mehr ausdifferenziert, so auch die öffentliche Verwaltung. Die verschiedenen Departemente haben unterschiedliche Aufgaben und Eigenlogiken. Ein Finanzdepartement hat eine andere Eigenlogik und Kultur als etwa ein Departement für Soziales. Wo immer Ausdifferenzierung und Spezialisierung stattfinden, gewinnt die Rolle der Koordination an Bedeutung. Auch dafür ist Projektmanagement ein Instrument.

In Österreich erleben wir immer wieder einen wahren Zuständigkeitsdschungel, die Gesellschaft hat Probleme, die Verwaltung Ministerien (Departemente). Ob diese immer die richtige Antwort auf gesellschaftliche Problemlagen sind, kann bezweifelt werden, weil Probleme haben ganzheitlichen Charakter und zwingen von sich aus zur Zusammenarbeit über Departements hinweg.

Welche Kompetenzen braucht ein Projektmanager, wenn er innerhalb von Projekten diesen Koordinationsaufwand über Abteilungen oder auch Departements hinweg leisten soll?

Neben einem breiten Spektrum technischer und betriebswirtschaftlicher Kompetenzen, die Projektmanager brauchen, ist es sinnvoll, auch soziale Kompetenzen zu erwerben. Da es sich bei Projektmanagement um eine alternative Organisationsform handelt und um den Aufbau verschiedener Sozialkörper, ist es sinnvoll sich beispielsweise für den Umgang mit solchen unterschiedlichen Sozialkörpern (Individuen, Gruppen, Abteilungen, Organisationen) Kompetenzen zu erwerben.

Hinzu kommt, dass zwischen diesen Sozialkörpern immer wieder Konflikte auftreten können. Diese Konflikte liegen auf sehr verschiedenen Ebenen. Sie treten schon bei Projekten auf, die innerhalb eines Departements abteilungsübergreifend eingerichtet werden. In ihnen geht es meistens um Schnittstellenmanagement, was immer Konfliktpotential enthält. Ein anderes Konfliktpotential liegt in der Frage der Zugehörigkeit zu Projekten – wer entscheidet über die Teilnahme von Projektmitarbeitern? Der Projektleiter, die Vorgesetzten der MitarbeiterInnen, oder kann sich jeder melden, der mitarbeiten will. Wie viel Arbeitszeit darf jemand in das Projekt investieren, wie viel Arbeitszeit muss er in seine Linienfunktion investieren? Ein weiteres Thema sind natürlich Ressourcenfragen: Wie viel Geld wird in ein Projekt investiert, was passiert, wenn Zielsetzungen des Projektes während seiner Laufzeit verändert werden etc.? Wer hat hier die Möglichkeit des Eingriffs?

Insofern ist es auch sinnvoll, Konfliktregelungskompetenz zu erwerben. Eine Form dafür bietet die Mediation, wobei diese wiederum, je komplexer die Konflikte werden, einen Bedarf an Projektmanagement hat.

Inwiefern braucht Mediation Projektmanagement?

Mediation kommt im Wesentlichen aus der Scheidungsmediation, in der es darum geht, Paaren oder Familiensystemen zu helfen, ihre Konflikte zu bearbeiten. Dabei sind zwei Personen, maximal eine Gruppe betroffen. Wo sich Mediation aber in komplexere Strukturen begibt, zum Beispiel in die Wirtschaft, in den Bereich der Umwelt oder auch in den Bereich der öffentlichen Verwaltung, werden auch die Systeme komplexer und die Mediationsverfahren komplizierter, vor allem in organisatorischer Hinsicht. Da hat man es dann nicht mehr nur mit Personen zu tun sondern muss auch Verständnis für die Problematik von Repräsentanten entwickeln und für Vertretungssysteme. Dafür braucht Mediation Projektorganisation und damit Projektmanagement. Wie wir häufig feststellen, ist diese Seite innerhalb der Mediation häufig zu wenig beleuchtet, Mediatorinnen und Mediatoren dafür zu wenig ausgebildet.

Damit sind wir beim Kongress in Klagenfurter angelangt. Welche konkreten Angebote formuliert der Kongress?

Der Kongress bietet die Möglichkeit, sich über Projektmanagement in der öffentlichen Verwaltung zu informieren und über Vorteile, aber auch Herausforderungen des Projektmanagements zu sprechen. Zudem soll anhand konkreter Fallbeispiele dargestellt werden, inwiefern Projektmanagement Mediation brauchen kann und umgekehrt. Wir wollen einen Problemaustausch organisieren und über mögliche gegenseitige Hilfestellungen sprechen. Sei es, dass durch den Austausch Überlegungen angestellt werden, beispielsweise in Konfliktfällen MediatorInnen zuzuziehen oder auch, dass Felder definiert werden, in denen neue Qualifikationsangebote formuliert werden sollen. Zudem ist jeder Kongress immer ein idealer Ort für Vernetzung. Dem wollen wir durch ein attraktives Rahmenprogramm gerecht werden, das Menschen aus verschiedenen Ländern und Arbeitskontexten einander näher bringen soll.

Wäre ich eine Schweizer Journalistin, würde ich mich fragen, warum das Schweizer Personalamt ausgerechnet mit der Universität Klagenfurt kooperiert und nicht mit einer Schweizer Einrichtung. Wie ist es dazu gekommen?

Wir waren schon bevor der Universitätslehrgang in Klagenfurt eingerichtet wurde, in Programmen des Eidgenössischen Personalamtes engagiert. Die Universität Klagenfurt ist für ihre Schwerpunkte im Bereich der sozialen Kompetenz (soft skills) und Konfliktregelung bekannt und verfolgt diese sowohl im Bereich der Forschung als auch in Lehre und Weiterbildung seit Jahrzehnten.

Danke für das Gespräch.

Interview mit

Prof. Dr. Peter Heintel, Fakultät für Interdisziplinäre Forschung und Fortbildung (IFF), Universität Klagenfurt

Interview durchgeführt von

Prof. Dr. Larissa Krainer gestellt.