"Ein Standard ist eine Richtschnur, ein Massstab, eine Norm. Ein Standard kann ein Ausdruck von sozialen Beziehungen sein, er kann aber auch Ausdruck einer technischen Anforderung an ein Produkt oder ein Verhalten sein oder alles zugleich." (Böhret/Konzendorf, 1997)
 

Es sind also wieder Standardisierungen erforderlich. Diesmal ist diese Notwendigkeit durch das Eindringen der neuen Informations- und Kommunikationstechnologien (IKT) in verschiede Bereiche unseres Lebens bedingt. IKT prägen seit einigen Jahren Begriffe wie E-Commerce und E-Government. Im Zusammenhang mit diesen relativ neuen Erscheinungen ist es wichtig, dass sich die beteiligten Partner nicht nur dazu entschliessen, auf elektronischem Wege handeln zu wollen, sondern auch den Weg finden, wie sie das tun wollen. Hierfür sind Standards notwendig, die gemeinsam genutzte Verfahren des elektronischen Informationsaustauschs darstellen.

Nutzen von Standards

Worin äussert sich der Nutzen der Anwendung von Standards im E-Government? Der generelle Nutzen, der auch im E-Government zum Tragen kommt, besteht in der Sicherheit, welche die Standards bieten. Sie vermitteln verlässliche Hinweise auf Rechte, Pflichten und Gewohnheiten, man kann sich auf vergleichbare Qualität und einzuhaltende Regeln verlassen. Man kann also "sicher sein", dass man richtig gehandelt oder zu Recht nicht gehandelt hat usw.

Standards verringern Aufwand und sparen Kosten. Gäbe es zum Beispiel die Standards im elektronischen Informationsaustausch nicht, so müssten die Kommunikationspartner eintreffende Informationen (z. B. Dateien in Word für Macintosh) mit grossem Aufwand öffnen, lesen, ausdrucken und die gewünschten Informationen dann ggf. in die eigenen Formate (z. B. Word für Windows) übertragen. Wenn aber alle Kommunikationspartner die gleichen Standards benutzen, dann liegen die Kosten und der Zeitaufwand niedriger. Für den heutigen Modernisierungsprozess der Verwaltung, der mehr Effizienz erzielen möchte ist das besonders wichtig. Dazu kommt der Vorteil, dass der verringerte Zeitaufwand und die Kostenersparnisse zu einer Erhöhung der Produktivität der Kommunikationspartner führt.

Der Staat als Moderator im Prozess der Standardisierung

Standards haben die spezifische Eigenschaft, dass sie sich gegenüber ihrem ursprünglichen Zweck verselbständigen können. Ein Standard, der einmal funktional hat, kann nach einiger Zeit dysfunktional werden, weil sich die Bedingungen seiner Anwendung verändert haben. Weil die Gesetzgebung grundsätzlich langsam auf Veränderungen reagiert, ist es empfehlenswert, dass der Staat die Standarddefinition den gesellschaftlichen Akteuren überlässt und nur die Rolle des Moderators übernimmt. Der Staat sollte daher die Zusammenarbeit in Gremien zur Standardisierung unterstützen, ohne bestimmte Technologien, Plattformen oder Geschäftsmodelle vorzuschreiben.

Weltweit haben sich schon einige Gremien durchgesetzt, welche Standards ausgeben. Für den Bereich des Internets sind zum Beispiel folgende Organisationen: International Organisation für Standardisation, Schweizerische Normen-Vereinigung, EAN International, The Internet Engineering Task Force, W3C, OASIS oder The Objekt Management Group tätig.

Auch in der Schweiz hat man die Wichtigkeit und den Nutzen der Standardisierung im E-Government erkannt. Eine Initiative auf diesem Gebiet war die Gründung des Vereins eCH. eCH ist eine Plattform, die ähnlich wie die oben aufgeführten Organisationen Standards für die Zusammenarbeit zwischen den an E-Government beteiligten Partnern verabschiedet, veröffentlicht und promotet. Der Verein wurde im Dezember 2002 auf Initiative des Informatikstrategieorgan des Bundes (ISB) gegründet. Die Geschäftsstelle des Vereins wird vom Institut für Öffentliche Dienstleistungen und Tourismus an der Universität St. Gallen geleitet. Der Verein entwickelt im E-Government benötigte Standards in Fachgruppen, deren Mitglieder sich freiwillig beteiligen. Nachdem der eCH-Expertenausschuss die Standards angenommen hat, werden sie auf dem Internet unter www.ech.ch kostenlos zur Verfügung gestellt und sind für alle verfügbar. Die kostenfreie Bereitstellung der Standards ist eine sehr wichtige Voraussetzung für die flächendeckende Einführung von E-Government-Lösungen in der Schweiz. Dies könnte in den nächsten Jahren die nachhaltige E-Government-Entwicklung des Landes vorantreiben.

Zur Autorin:

Ralitsa Hristova ist Wissenschaftliche Mitarbeiterin bei Professor Kuno Schedler am Institut für Öffentliche Dienstleistungen und Tourismus der Universität St.Gallen (IDT-HSG)