Seit den 80er Jahren werden hierfür Strategien entwickelt. In erster Linie wurden jedoch steuerliche Anreize angeboten. Seit im Rahmen des New Public Management Managementmethoden aus der Privatwirtschaft auch im öffentlichen Sektor eingesetzt werden, erhält die Effektivität von Marketingmassnahmen Bedeutung. Räume werden als Produkte betrachtet und die Akteure, an die man sich wendet, als das Zielpublikum.

Vor allem die peripheren Räume geraten zunehmend unter diesen Standortdruck und sind „gezwungen“, konkrete und innovative Entwicklungsstrategien zu erarbeiten und mit den entsprechenden Methoden umzusetzen.

In diesem Zusammenhang finanziert die Fachhochschule Westschweiz (HES-SO) gegenwärtig das aF&E-Projekt „Entwicklung eines Werkzeugs zur Imageanalyse von Städten“. Dieses Projekt basiert auf der Feststellung, dass zur Zeit im Bereich des Regional- und Ortsmarketings kein Werkzeug zur politischen Entscheidungshilfe zur Verfügung steht. Um diese Lücke zu schliessen, schlägt das Forschungsteam, bestehend aus den Dozenten Nicolas Babey (HFW Neuenburg), Jean-Claude Perret-Gentil (HFW Waadt) und David Giauque (HFW Wallis), ein praktisches Werkzeug für die Imageanalyse sowohl von Städten als auch von Regionen vor. Dieses neuartige Werkzeug liefert Informationen über die Beurteilung der Lebensqualität in einem bestimmten Gebiet durch die Einwohner einer Stadt oder einer Region. Die Umfrage wird mittels eines Fragebogens durchgeführt. Die befragten Personen müssen verschiedene Punkte in Verbindung mit der Attraktivität der Stadt oder der Region beurteilen. Das entwickelte Analysemodell geht davon aus, dass das Image eines Orts oder einer Region auf dem Wertekomplex basiert, der für deren Beurteilung verwendet wird. Diese Werte sind mit fünf Arten von Übereinstimmungen verbunden. Jede Beurteilung eines Orts oder einer Region basiert zwangsläufig auf einer oder mehreren Übereinstimmungen: (1) Marktbestimmte Übereinstimmung: alle ökonomischen Aspekte eines Orts oder einer Region; (2) Funktionale Übereinstimmung: Funktionalitäten, die von der betroffenen Region geboten werden (Krippen, öffentliche Transporte, Gestaltung von Grünflächen und Parks usw.); (3) Kulturelle Übereinstimmung: Identität des Orts oder der Region; (4) Übereinstimmung bezüglich des Rufs und des Ansehens; (5) Ästhetische Übereinstimmung: „Schönheit“, „Harmonie“ und „Charme“ einer Region oder eines Orts.

Dieses Werkzeug ermöglicht also die Identifikation der Stärken und Schwächen einer Region oder eines Orts (Stadt, Dorf). So können in einem zweiten Schritt die spezifischen Politiken umgesetzt werden, um gewisse Eigenheiten der untersuchten Gebiete hervorzuheben oder zu verbessern. Diese Untersuchung unterscheidet sich von den herkömmlichen Ranglisten oder Rankings, die anhand von mehr oder weniger objektiven Kriterien von Fachleuten durchgeführt werden, die keinen direkten Bezug zu den analysierten Realitäten haben. Durch den Einbezug der Akteure der betroffenen Gebiete, d.h. der Bürger selbst, wird eine gewisse Analysetiefe erzielt. Die ersten Ergebnisse dieses Projekts werden Ende April erwartet.

Ortsmarketing wird zur Gemeindeaufgabe 

Erfolgreiche Standortentwicklung und -politik bedingt zum einen die gute Zusammenarbeit zwischen Politik, Wirtschaft und Verwaltung. Zum anderen ist es aber auch wichtig, dass die knappen personellen und finanziellen Ressourcen gebündelt werden und die beteiligten Akteure auf eine Strategie einigen, die sie gemeinsam umsetzen. Als ein besonders erfolgreiches Beispiel für Ortsmarketing gilt die Gemeinde Visp im Wallis. Dabei wurde Ortsmarketing mit den anderen Gemeindeaufgaben gleichgestellt und als eigenes Ressort behandelt. Dadurch konnten die Finanzierung und die Professionalität sichergestellt werden. Zudem wurden Gewerbe und Handel entlastet. Niklaus Furger, Gemeindevizepräsident und Ortsmarketing-Präsident zum Ortsmarketing in Visp: „Ortsmarketing ist eine Bewegung, welche uns bewusst macht und uns bewegen soll, laufend Massnahmen zur Attraktivitätssteigerung von Visp zu unternehmen“. 

Zum Autor:

Dr. David Giauque, Dozent, Hochschule Wallis, Damian Jerjen, Dozent, Hochschule Wallis