Entwicklungspfad Bund

Der Bund will mit seinem Projekt Neues Bundesrechnungsmodell nicht kosmetisch das eine oder andere Detail verbessern, sondern das Rechnungswesen der gesamten Bundesverwaltung umfassend modernisieren. Dabei sollen auch die heutigen Strukturen und Verfahren angepasst werden. Zentrale Eckwerte des Neuen Bundesrechnungsmodells sind die flächendeckende Umstellung auf eine kaufmännische Buchführung, Einführung einer Kosten- Leistungsrechnung und die Orientierung der Rechnungslegung an internationalen Standards. Mit diesen Neuerungen wird für die Stufe der Ämter u.a. die Erfolgsrechnung anstelle der heutigen Finanzrechnung das zentrale finanzielle Führungsinstrument. Für die Gesamtsteuerung des Bundes bleibt die Sicht der Mittelflüsse u.a. aufgrund der Anforderungen der Schuldenbremse weiterhin ein zentraler Faktor. Das ganze Projekt Neues Bundesrechnungsmodell ist so umfangreich, dass dieses mehrere Jahre dauert. Im September 2002 veröffentlichte die Eidgenössische Finanzverwaltung den Bericht zum Grundmodell Neues Bundesrechnungsmodell. Anschliessend wurde ein Process Reengineering durchgeführt, so dass voraussichtlich im Frühjahr 2004 mit der eigentlichen Einführung begonnen werden kann. Das Ziel ist, ab dem 1. Januar 2007 die Rechnungsführung nach dem neuen Modell vorzunehmen und die Staatsrechnung für das Rechnungsjahr 2007 erstmals nach den neuen Anforderungen zu erstellen.

Entwicklungspfad Kantone und Gemeinden

Nachdem im Herbst 2002 die Konferenz der Kantonalen Finanzdirektoren das Modell der Kosten- Leistungsrechnung (KOLIBRI) als Empfehlung zur Umsetzung an die Kantone und Gemeinden verabschiedetet hatte, wurde das Projekt zur Reform der Rechnungslegung in Angriff genommen. Massgebliche Vorarbeiten, die für dieses Projekt genutzt werden können, sind z.B. der Entwurf für ein Gesetz für Controlling und Rechnungslegung aus dem Kanton Zürich (Projekt CRG) und das Gesetz über die wirkungsorientierte Verwaltungsführung aus dem Kanton Solothurn (WOV Gesetz). Weiter werden im Projekt die laufenden Entwicklungen beim Bund sowie auch die international zunehmen wichtigeren International Public Sector Accounting Standards (IPSAS) berücksichtigt. Themen, die innerhalb des Reformprojektes zur Rechnungslegung der Kantone und Gemeinden angesprochen werden sollen sind u.a. Buchführungs- und Rechnungslegungsgrundsätze, Konsolidierung, Kennzahlen etc. Das Ziel ist ungefähr auf das Jahr 2006 ein überarbeitetes Handbuch zum Harmonisierten Rechnungsmodell vorweisen zu können.

Internationales Umfeld

Eine kürzlich veröffentlichte wissenschaftliche Studie zeigte unmissverständlich auf, dass die Schweiz in Europa nur eines von vielen Ländern ist, welches sein öffentliches Rechnungswesen und insbesondere die Rechnungslegung reformiert. Die kaufmännische Buchführung findet zunehmend auch bei der zentralstaatlichen Stufe Verbreitung. Der Bund passt sein Rechnungswesen hier im Gleichschritt mit vielen anderen Europäischen Ländern an. Allerdings sind nicht alle Länder gleich weit. Deutschland oder Österreich sind zum Beispiel im öffentlichen Rechnungswesen keine Vorreiter. In beiden Ländern Reformen noch weniger weit, bzw. sind derzeit für die Stufe des Zentralstaates gar nicht geplant. Im internationalen Vergleich fällt u.a. auf, dass in der Schweiz bisher kein unabhängiges Fachgremium eingesetzt worden ist, das sich professionell mit Fragen der Rechnungslegung im öffentlichen Sektor insgesamt auseinandersetzt. Was in der Schweiz mit dem Gremium der FER für den privaten Sektor selbstverständlich ist, könnte in adaptierter Weise auch im öffentlichen Sektor eingeführt werden. Mit der offiziellen Delegation von Prof. Dr. Andreas Bergmann von der Züricher Fachhochschule Winterthur in die Consultative Group des Public Sector Commitee der International Federation of Accountants (IFAC-PSC) ist jetzt zumindest sichergestellt, dass die Schweiz aus erster Hand über Entwicklungen in diesem wichtigen Gremium offiziell und aktuell informiert ist. Vielleicht könnte sich daraus ein entsprechendes Gremium formieren.

Fazit

Der Handlungsbedarf für Bund, Kantone und Gemeinden insbesondere im Bereich der Rechnungslegung ist völlig unbestritten. Die derzeitigen Informationsbedürfnisse der verschiedenen Anspruchsgruppen können nur mit einer weiterentwickelten Rechnungslegung befriedigt werden. Entsprechend wurden die Projekte durch die Eidgenössische Finanzverwaltung für den Bund und durch die Konferenz der Kantonalen Finanzdirektoren für die Kantone und Gemeinden auch aufgesetzt. In ungefähr einem Jahr wird sich noch genauer zeigen, wie die Rechnungslegung der öffentlichen Gemeinwesen in der Schweiz in Zukunft aufgestaltet sein wird. Zu diesem Zeitpunkt werden nämlich die derzeit noch vereinzelt verbleibenden offenen Fragen im neuen Rechnungsmodell des Bundes beantwortet sein und zudem wird sich die Stossrichtung des Projektes der Konferenz der Kantonalen Finanzdirektoren noch klarer abzeichnen.

Die Kantone und Gemeinden wiesen nach der Einführung des Harmonisierten Rechnungsmodells ab den 1970er Jahren international ein beispielhaftes Rechnungswesen auf. Nach der Umsetzung der derzeit in Erarbeitung befindenden Reformen im Rechnungsmodell des Bundes wie auch der Kantone und Gemeinden wird die Schweiz im internationalen Vergleich wieder über ein modernes Rechnungswesen und eine zeitgemässe Rechnungslegung verfügen. 

Zum Autor:

Bernhard Knechtenhofer, [email protected]
Dr. oec. HSG, PricewaterhouseCoopers AG, Beratung öffentliche Dienstleistungen, Bern

Weiterführende Informationen:

Projekt zur Weiterentwicklung des Harmonisierten Rechnungsmodells der Kantone und Gemeinden: Kontakt via der Konferenz der Kantonalen Finanzdirektoren

Weiterführende Literatur:

Aktuelle internationale Literatur bietet das kürzlich erschienene Werk von

Klaus Lüder und Rowan Jones (Herausgeber) mit dem Titel Reforming governmental accounting and budgeting in Europe. (ISBN 3-934803-13-X, Fachverlag moderne Wirtschaft) Darin ist die Budgetierung und das Rechnungswesen von insgesamt neun Ländern in Europa inkl. der Schweiz ausführlich beschrieben sowie die jeweiligen aktuellen Weiterentwicklungen aufgeführt.

Der Einbezug von Beteiligungen in den jährlichen Abschluss der Gemeinde. Bernhard Knechtenhofer ISBN 3-258-06687-6, Verlag Paul Haupt
Die Gemeinden in der Schweiz sind mit zahlreichen anderen Organisationen eng verknüpft. Oftmals ist ein weit verzweigtes Netzwerk aus öffentlichen und privaten Organisationen mit der Erfüllung von kommunalen Aufgaben betraut. Im jährlichen Abschluss der Gemeinden wird dieses Netzwerk in der Regel aber nicht ausdrücklich offengelegt, obwohl verschiedene Anspruchsgruppen für ihre Entscheidungsfindung vermehrt Informationen dazu wünschen. Aufgrund einer vertieften Literaturrecherche und einer sehr breit abgestützten Umfrage bei Experten präsentiert Bernhard Knechtenhofer einen wissenschaftlich fundierten Konzeptvorschlag, wie die kommunale Rechnungslegung in der Praxis schrittweise entsprechend erweitert werden könnte. Diese Erweiterungen betreffen insbesondere einen konsolidierten kommunalen Jahresabschluss sowie einen aussagekräftigen Anhang zur Jahresrechnung. Mit der Umsetzung des Konzeptvorschlages würden die Gemeinden die Beteiligungen verschiedenster Art im eigenen Jahresabschluss ausführlicher darstellen und somit den Entscheidungsträgern zusätzliche wertvolle Informationen zur Verfügung stellen.

Weiter finden sich in der Zeitschrift der Schweizer Treuhänder immer wieder interessante Beiträge zum Thema des öffentlichen Rechnungswesens der Schweiz.