Staat und Verwaltung im Umgang mit der Krise

Das Jahrbuch der Schweizerischen Verwaltungswissenschaften steht dieses Jahr im Zeichen von Krisen und den Handlungen des politisch-administrativen Sys­tems zu deren Eindämmung und Bewältigung. Der diesjährige Fokus ist natürlich auf die globale Finanzkrise zurückzuführen, die sich auf internationaler Ebene zunehmend von einem volkswirtschaftlichen Phänomen zu einer Krise des staat­lichen Systems entwickelt. Dementsprechend kann dieses Thema auch die Ver­waltungswissenschaften nicht unberührt lassen. Die Tatsache, dass die Schweiz die Krise besser als andere Länder überstanden hat, macht den Untersuchungsge­genstand noch interessanter, da es offensichtlich nicht irrelevant ist, wie sich Staaten in solchen Situationen verhalten. Positiv überrascht war die Redaktion des Jahrbuchs allerdings von der Anzahl eingereichter Artikel, die sich aus der Perspektive der unteren Staatsebenen mit diesem Thema befassen. Sowohl die Ta­gespresse, als auch die Lehrbuchmeinung sehen Krisenmanagement als Thema der Nationalstaaten und greifen damit offensichtlich zu kurz. Die unteren Staats­ebenen sind relevant und haben Handlungsmöglichkeiten, ebenso wie die natio­nale Ebene, wenn auch die konkreten Massnahmen unterschiedlich ausgeprägt sind.

Erfreut ist die Redaktion über die gute Durchmischung von schweizerischen und internationalen Beiträgen. Sie zeigt, dass das Jahrbuch bereits in seinem zweiten Jahr auch eine internationale Ausstrahlung – zumindest in den Nachbar­ländern – erreicht hat. Weiterhin sind Autor/innen aus Wissenschaft und Praxis vertreten, was eine Besonderheit im Wissenschaftsbetrieb, der leider allzu oft ein Eigenleben führt, darstellt. Die Lektüre des Jahrbuchs zeigt, dass die Unterschiede eher subtil und unter dem Strich bereichernd sind. Die vertretenen Argumente und Meinungen sind Aussagen der jeweiligen Autoren und können durchaus von denjenigen der Redaktion abweichen. Die Redaktion stellt sich hinter diesen Plu­ralismus und hofft, damit auch einen fortlaufenden Dialog in den Folgenummern des Jahrbuchs in Gang zu bringen.

Für die Redaktion
Prof. Dr. Andreas Bergmann