Der Schweiz geht es gut. Diese Feststellung ist zweifellos zutreffend – aber auch gefährlich. Denn es ist leider nicht selbstverständlich, dass es einem mittelgrossen europäischen Staat gut geht. Und es ist auch nicht so, dass dies ausschliesslich auf unsere eigene Leistung zurückzuführen wäre – wenn auch sicherlich zu einem gewissen Teil. Einen Blick auf die fernere Zukunft zu werden, ist deshalb ein wichtiges Schweizerisches Thema. Denn es liegt in der Verantwortung der heutigen Entscheidungsträger, die Basis dafür zu legen, dass es uns auch in Zukunft gut geht. Und die Schweizer Verwaltungswissenschaften leisten dazu ihren Beitrag.

Es ist auffallend, dass sich zum Schwerpunktthema dieses Jahrbuchs, ganz im Unterschied zu den Vorjahren, kaum ein/e nicht in der Schweiz tätige/r Autor/in mit einem Beitrag beworben hat. Ein einziger der elf diesjährigen Beiträge stammt – zumindest teilweise – aus dem Ausland. Auch wagt dieses Jahr nur ein einziger Beitrag einen Blick – auch aus Schweizer Perspektive – über die Grenzen. Das Thema «Ein Blick auf 2050» ist also offensichtlich ein rein schweizerisches Thema.

Dies ist zwar mit Blick auf die anhaltende Krisensituation in vielen europäischen Ländern verständlich, aber auch alarmierend. Einerseits scheint sich der Rest der Welt offenbar nicht in gleichem Ausmass um die Zukunft zu kümmern, andererseits mag dies ein Ausdruck der Besitzstandswahrung der Schweiz zu sein. Wir möchten den Status Quo erhalten, dies im Unterschied zu unseren Nachbarn.

Dabei bietet der Blick in die Zukunft durchaus Potential für einen Blick über die Grenzen – wenn auch über die etwas weiter entfernten. Im Schatten der europäischen Krise entwickeln sich viele Länder in Asien, Afrika und Lateinamerika prächtig. Das gilt auch für deren Verwaltungswissenschaften. Viele der Emerging Economies weisen eine Verwaltungspraxis und verwaltungswissenschaftliche Forschungsstätten vor, die einen Vergleich nicht zu scheuen brauchen. Die Forschungsergebnisse sind exzellent und die Umsetzung in der Verwaltungspraxis macht rasche Fortschritte. Ein Blick auf andere Kontinente dürfte daher auch den Schweizerischen Verwaltungswissenschaften nicht schaden.

Für die Redaktion
Prof. Dr. Andreas Bergmann, Leitender Herausgeber